Kuhmilch: Nur echte Milch ist gute Milch

Dr. med. Nadine Hess

Einer neuen Studie zufolge sind Kinder, die pflanzlichen Milchersatz anstelle von Kuhmilch trinken, tendenziell kleiner als Kinder, die „echte“ Milch trinken. Kinderärztin Dr. Nadine Hess erklärt die Studienergebnisse und verrät, wie viel Milch ein Kind braucht.

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Pflanzliche Produkte sind kein guter Milchersatz, da sie viel weniger Nährstoffe enthalten.“ © Privat
 

Das sagt Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Wer viel Milch trinkt, wird groß und stark – diese weit verbreitete Annahme wird nun durch eine neue kanadische Studie gestützt. Forscher des St. Michael´s  Hospital in Toronto werteten die Ernährungsdaten von mehr als 5.000 Kindern im Alter von zwei bis sechs Jahren aus. Das Ergebnis: Durchschnittlich waren dreijährige Kinder, die täglich zwischen zwei und drei Tassen Milchersatz wie Soja- oder Mandelmilch tranken, um 1,5 Zentimeter kleiner als Gleichaltrige, die normale Kuhmilch in gleicher Menge tranken. In der Studie bekamen 92 Prozent der Kinder täglich Kuhmilch und 13 Prozent zusätzlich oder stattdessen pflanzliche Ersatzprodukte.

 

Kuhmilch: Positiver Effekt aufs Wachstum

Generell scheinen die Körpergröße und der Verzehr von Kuhmilch direkt zusammenzuhängen: Je weniger Kuhmilch getrunken wurde, desto kleiner waren die Kinder laut der Untersuchung im Schnitt. Es scheint auch keine Alternative zu sein, sowohl pflanzliche Produkte als auch Kuhmilch zu verzehren – auch die dieser Gruppe zugehörigen Kinder waren durchschnittlich kleiner. Bei der Studie bezogen die Forscher andere Faktoren wie die Größe der Eltern, die Höhe des Familieneinkommens und die ethnische Zugehörigkeit mit ein. Warum genau sich Kuhmilch der Untersuchung zufolge so positiv auf das Wachstum auswirkt, ist nicht eindeutig belegt. Experten vermuten jedoch, dass die enthaltenen Eiweiße wie Casein und Molkeproteine sowie Fett dabei eine Rolle spielen.

Mandelmilch
Mandelmilch wird oft als besonders gesund beworben – dabei hat sie weniger Nährstoffe als Kuhmilch© iStock
 

Milchersatzprodukte mit geringerem Nährwert als Kuhmilch

Viele Eltern nehmen pflanzlichen Milchersatz als gesunde Alternative wahr – auch, weil die Werbung dafür oft genau in diese Richtung geht. Tatsächlich ist der Nährstoffgehalt in Mandelmilch und Co. jedoch geringer als bei Kuhmilch. Zum Vergleich: Zwei Tassen Kuhmilch enthalten rund 16 Gramm Eiweiß – damit sind gut 70 Prozent des Tagesbedarfes eines dreijährigen Kindes gedeckt. Mandelmilch in derselben Menge enthält dagegen nur vier Gramm Eiweiß. Allerdings weisen die Forscher daraufhin, dass sie zwischen den Ersatzprodukten in der Untersuchung keinen Unterschied gemacht haben. Auch die generelle Ernährungsweise der Kinder wurde nicht berücksichtigt.

 

Wie viel Kuhmilch braucht mein Kind?

Zwischen einem und drei Jahren sind 350 bis 400 Milliliter Milch am Tag für ein Kind ausreichend. Ausschlaggebend für die Berechnung sind der Eiweißgehalt der Milch und das Gewicht des Kindes: Pro Kilogramm Körpergewicht sollten täglich 2,2 Gramm Eiweiß verzehrt werden. Wiegt das Kind also beispielsweise zehn Kilogramm, braucht es etwa 22 Gramm Eiweiß am Tag. Entsprechend viel macht da bereits eine Tasse Kuhmilch aus. Mehr Informationen zum Thema Milch finden Sie im Artikel „Wie viel und welche Milch braucht mein Kind?“.

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