Künstliches Koma – Was passiert da?

Das Erwachen aus einem Koma kann Tage oder Wochen dauern
Das Erwachen aus einem Koma kann Tage oder Wochen dauern. Es kommt immer darauf an wie gut sich das Gehirn von den entstandenen Verletzungen erholt hat © Fotolia

Hirn-Chirurg Prof. Unterberg beantwortet Praxisvita die fünf wichtigsten Fragen zum Künstlichen Koma.

Mit großer Anteilnahme verfolgt die Welt das Schicksal der Formel-1-Legende Michael Schumacher (45): Der zweifache Familienvater zog sich bei einem Ski-Unfall in den französischen Alpen schwere Kopfverletzungen zu. Im Krankenhaus wurde er in ein künstliches Koma versetzt. "Dabei handelt es sich um einetiefe Narkose, die Körper und Geist in einen kontrollierten Tiefschlaf versetzt", erklärt Prof. Andreas Unterberg (58), Direktor der Neurochirurgischen Klinik am Universitätsklinikum Heidelberg. Die wichtigsten Fragen:

 

Warum wird ein Patient ins künstliche Koma versetzt?

Nach einer schweren Verletzung, wie der von Michael Schumacher, muss das Gehirn von zu hohem Druck entlastet werden, der durch Blutergüsse unter der Schädeldecke entstehen kann.

 

Was passiert dabei?

"Beim künstlichen Koma werden der Stoffwechsel und die Hirnaktivität durch Medikamente auf ein Minimum reduziert, um das Risiko des Absterbens von Nervenzellen, zum Beispiel bedingt durch eine gefährliche Hirnschwellung, zu senken." Um den Sauerstoffverbrauch zu mindern, wird in einigen Fällen, so auch bei Schumacher, parallel die Körpertemperatur um zwei bis drei Grad gesenkt, auf 34 Grad.

 

Wie erfolgt die Ernährung?

In den ersten Tagen erhält der Patient Infusionen, dann wird er durch eine Sonde ernährt. Eine Mischung aus wichtigen Mineralstoffen, Vitaminen und Fetten.

 

Was gibt es für Risiken?

Prof. Unterberg: "Die Infektionsanfälligkeit steigt, durch die Beatmung besteht zudem ein erhöhtes Risiko für eine Lungenentzündung." Je besser allerdings der Allgemeinzustand im Vorfeld war - und Schumi war topfit - desto seltener treten Nebenwirkungen auf.

 

Wie lange dauert das Aufwachen?

Sobald die Gefahr weiterer Schwellungen gebannt ist (meist nach zwei bis drei Wochen), werden die Betäubungsmittel reduziert. "Das Wachwerden kann jedoch Tage oder Wochen dauern", so der Experte. Wie es ihm dann geht, hängt davon ab, wie gut sich das Gehirn von den Verletzungen erholt hat. Fans aus aller Welt drücken Schumi die Daumen.

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