Künstliches Hüftgelenk: Neue Hüfte, neues Leben

Nach einer Hüft-Op ist Bewegung wichtig
Nach einer Operation an der Hüfte ist es wichtig, sie so schnell wie möglich wieder zu bewegen © Fotolia

Bereits wenige Stunden nach einer Operation an der Hüfte wieder gehen? Neue schonende Methoden machen es möglich: Wie die Minimalinvasive Hüft-OP, bei der ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt wird. PraxisVITA erklärt, wie die OP abläuft.

Die Hüfte hat es nicht leicht – schließlich trägt sie ein Leben lang mit die Hauptlast unseres Körpers. Wenig erstaunlich ist daher, dass sich meist an diesem Gelenk die ersten Verschleißerscheinungen zeigen. Ärzte nennen dies Cox-Arthrose. Es bedeutet, dass der Knorpel zwischen den Gelenkteilen so abgenutzt ist, dass die Knochen aufeinanderreiben. Die Folge: quälende Schmerzen in der Hüfte, erzwungen langsame Bewegungen, oft auch schlaflose Nächte. Erste Anzeichen treten häufig zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr auf. Übergewicht, Verletzungen oder Rheuma beschleunigen den Gelenkverschleiß. Im fortgeschrittenen Stadium sind die Beschwerden dann oft so massiv, dass nur noch eines auf Linderung hoffen lässt: Ein künstliches Hüftgelenk.

 

Minimalinvasive Hüft-OP

Die gute Nachricht: Diese Operation ist heute mit deutlich sanfteren Methoden möglich als früher. In der Regel findet der Eingriff unter Vollnarkose statt und dauert maximal 90 Minuten. War früher ein großer Schnitt längs über den Oberschenkel nötig, reicht heute ein kleiner Schnitt unter der Hüfte. Besonders schonend: die neue, minimalinvasive Operationsmethode "ASI" (Anterior Supine Intermuscular). Dabei werden keine Muskeln und Sehnen durchtrennt - eine Bluttransfusion ist nicht erforderlich.

Künstliches Hüftgelenk
Ein künstliches Hüftgelenk lindert die Beschwerden und verbessert die Lebensqualität deutlich© Fotolia

Ein künstliches Hüftgelenk wird in zwei Teilen eingesetzt: eines direkt ins Becken, das andere Stück passt der Chirurg in den Oberschenkelknochen ein. Ob dieses dort mit Zement fixiert werden muss, hängt übrigens nicht vom Alter, sondern von der Qualität des Knochens ab. Dank der sanften OP-Technik heilt die Wunde besser und der Körper erholt sich in kürzerer Zeit. Das ist vor allem für ältere Patienten wichtig, deren Gewebe besonders empfindlich ist. Bereits nach zehn bis zwölf Stunden kann der Operierte unter Aufsicht wieder ein paar Schritte gehen. Die Klinik darf er nach ca. einer Woche verlassen. Ohne Komplikationen hält die Hüftprothese etwa 15 bis 20 Jahre.

 

Künstliches Hüftgelenk in jedem Alter

Den richtigen Zeitpunkt oder das passende Alter für ein künstliches Hüftgelenk gibt es nicht. Der persönliche Leidensdruck ist entscheidend – und der Schweregrad des Verschleißes. Verbessert sich durch eine Prothese die Lebensqualität, werden auch 90-Jährige operiert. Andererseits gibt es auch Patienten, die zwar eine schwere Arthrose haben, die Schmerzen und Einschränkungen aber als nicht so schlimm empfinden. Dann genügt es oft völlig, die Beschwerden mit Kortisonspritzen oder Arnika-Umschlägen zu lindern. Wer sich aber für den Eingriff entscheidet, hat zwar wie bei jeder OP ein gewisses Risiko. Dafür erhält er die Chance auf ein neues, unbeschwertes Lebensgefühl. Denn in der anschließenden Reha lernen die Patienten wieder richtig laufen – nachdem sich viele unter Schmerzen eine Fehlhaltung angewöhnt haben. Und nach gut drei Monaten ist ein künstliches Hüftgelenk fast so belastbar wie früher das Original – lange Spaziergänge und Sport inklusive.

Künstliches Hüftgelenk
Denken Sie daran, dass das Metall in der künstlichen Hüfte bei der Flugsicherheitskontrolle zu einem Alarm führen kann© Fotolia
 

6 Tipps für das Leben mit der neuen Hüfte

Was sollte ich beachten?

1. Tragen Sie feste Schuhe mit weichen (stoßdämpfenden) Sohlen. Schuhe mit hohem Absatz, aber auch Badeschlappen sind ungünstig, da sie zu wenig Halt geben. Hilfreich beim Anziehen, um tiefe Vorwärts-Kipphaltungen zu vermeiden: ein langer Schuhlöffel.

2. Beim Sitzen (auch WC-Sitz) sollten die Knie nicht höher als das Gesäß sein. Für Großgewachsene kann eine Sitzerhöhung sinnvoll sein. Tiefe Sessel lieber meiden.

3. Lasten sollten Sie stets körpernah tragen, zum Beispiel in einem Rucksack – und nichts, was schwerer als 20 Prozent Ihres Körpergewichtes ist. Also lieber öfter und dafür weniger einkaufen oder einen Rollwagen benutzen.

4. Diabetiker sollten nach einer Hüft-OP noch genauer auf gute Zuckerwerte achten – und auf jede kleine Wunde. Was viele nicht wissen: Selbst die Keime von Mini-Infektionen, für die Diabetiker anfälliger sind als Gesunde, können durchs Blut wandern – und sich an der Prothese ansiedeln. Schlimmstenfalls ist dann ein Austausch erforderlich. Also: Bei der Gartenarbeit besser immer Handschuhe anziehen – und jeden Tag die Füße inspizieren!

5. Auf Flugreisen sollten Sie immer Ihren Prothesen-Pass dabei haben. Denn beim Sicherheitscheck reagieren manche Geräte auf das Metall im künstlichen Hüftgelenk.

6. Bewegung ist wichtig, um die Muskulatur rund um die Hüfte zu stärken. Sportarten mit Drehbewegungen oder starken Erschütterungen (zum Beispiel Tennis oder Reiten) sind ungeeignet. Optimal sind Spazierengehen, Schwimmen oder Radfahren. Wegen des leichteren Einstiegs besser ein Damenrad benutzen.

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