Künstliches Blut: Im Jahr 2017 Realität?

Rasmus Cloes
Eine Blutkonserve
Künstliches Blut könnte Millionen das Leben retten © Fotolia

Sollten sie erfolgreich sein, dann wäre es eine medizinische Sensation: Britische Forscher wollen 2017 das erste Mal Menschen künstliches Blut injizieren.

Großbritannien will im Jahr 2017 das erste Mal Menschen künstliches Blut transfundieren. Das sagte Dr. Nick Watkins, Leiter des Blut- und Organspendebereichs im britischen Gesundheitswesen der Zeitung The Independent.

Sollte es gelingen, dann wäre das ein Durchbruch, der auf lange Sicht einen unbegrenzten Vorrat an roten Blutkörperchen für chronisch-kranke Patienten und Notfall-Transfusionen verspricht.

 

Freiwillige sollen künstliches Blut testen

Bei dem Experiment im Jahr 2017 soll Freiwilligen eine Menge synthetischen Bluts gegeben werden, die in etwa „einigen Teelöffeln“ entspricht. So wollen die Wissenschaftler unerwünschte Nebenwirkungen erkennen. Bisher haben Tests in Reagenzgläsern und an Tieren gezeigt, dass die Zellen „sehr ähnlich, wenn nicht sogar komplett identisch mit den Zellen eines natürlichen Spenders“ sind, so Watkins.

Vor fast genau einem Jahr berichteten britische Forscher, dass es ihnen gelungen sei, künstliches Blut herzustellen. Der im Rahmen des Projekts "Haem02" gewonnene sogenannte Blut-Ersatzstoff ist so konzipiert, dass er für alle Blutgruppen geeignet ist. Das größte Problem, vor dem die Wissenschaftler damals standen: Der Körper muss in der Lage sein, die künstlichen Blutzellen selber abzubauen. Einen solchen Stoff zu konzipieren, gelang ihnen damals zum ersten Mal – zumindest vermutlich. Ganz sicher können sich die Wissenschaftler erst 2017 sein, wenn die Tests am Menschen erfolgreich waren.

 

25 Jahre Forschung

Sollte es gelingen, dann wäre es das glückliche Ende einer langen Suche: Rund 2,5 Milliarden Euro investierten Staaten und private Firmen in den letzten 25 Jahren in die Forschung. Der Bedarf ist groß: In vielen Industrienationen fällt seit Jahren die Zahl der Blutspender – während immer mehr Menschen auf Spenderblut angewiesen sind. In Deutschland sind zum Beispiel 80 Prozent der Bevölkerung einmal im Leben Empfänger. Doch nur drei Prozent spenden selber.

Hamburg, 29. Juni 2015

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