Künstliche Nägel: Vor- und Nachteile der unechten Krallen

Redaktion PraxisVITA
French Nails wirken immer sehr gepflegt
© iStock/eli_asenova
Inhalt
  1. Wie bekommt man künstliche Nägel?
  2. Künstliche Fingernägel – Fiberglas, Shellac, Acryl oder Gel?
  3.  Künstliche Nägel: Billig vs. stilvoll
  4. Künstliche Nägel selber machen
  5. Wie lange halten künstliche Nägel?
  6. Sind künstliche Nägel schädlich?
  7. Allergische Reaktionen
  8. Tipps

Sie möchten sich künstliche Fingernägel machen lassen oder gar selbst Hand anlegen? Wir verraten Ihnen, welche Vor- und Nachteile Kunstnägel haben.
 
Wer mit brüchigen Fingernägeln zu kämpfen hat oder es leid ist, ständig mühsam neuen Nagellack auftragen zu müssen, kann mit künstlichen Nägeln nachhelfen. Kunstnägel sind in vielerlei Hinsicht praktisch, deutlich langlebiger als natürliche Fingernägel und vor allem für eine ganze Weile hübsch anzusehen. Doch eine positive Erfahrung bieten die Kunstnägel nur, wenn Sie in Sachen Material, Modellage und Pflege auf Qualität setzen. Vor Ihrem ersten Termin gibt es allerdings noch ein paar andere Dinge, die Sie über eine künstliche Nagel-Modellage wissen sollten.

 

Wie bekommt man künstliche Nägel?

Bevor die künstlichen Nägel überhaupt zum Einsatz kommen können, werden zunächst einmal die Naturnägel in Form gebracht. Die Nagelhaut wird zurückgeschoben und entfernt, die Nägel gefeilt und das Nagelbett angeraut. Mit dieser Vorbereitung wird sichergestellt, dass das verwendete Material für künstliche Nägel auch hält. Anschließend werden die Nägel desinfiziert und ein sogenannter „Primer” für die optimale Haftung der Kunstnägel aufgetragen. Nun kann man entweder eine reine Naturnagelverstärkung oder zunächst eine Nagelverlängerung mithilfe sogenannter „Tips” vornehmen lassen. Dazu werden längere Nagelspitzen auf die Naturnägel geklebt, worauf dann die künstlichen Nägel aufgebaut werden.

Im Nagelstudio werden die Nägel mit einer Pfeile in Form gebracht
Im Nagelstudio werden die Nägel mit einer Pfeile in Form gebracht © iStock/Wavebreakmedia
 

Künstliche Fingernägel – Fiberglas, Shellac, Acryl oder Gel?

Um bruchfeste und gepflegte Kunstnägel aufzubauen, können vier verschiedene Materialien verwendet werden: Fiberglas, Shellac, Acryl oder Gel. Alle drei Varianten haben Vor- und Nachteile. 
 
Fiberglas
Fiberglas eignet sich hervorragend, um die eigenen Nägel zu verstärken und kleine Risse auszubügeln. Dazu wird ein Kleber auf den Naturnagel aufgetragen, auf den anschließend Fiberglasnetze gelegt werden. Mithilfe eines speziellen Sprays wird eine chemische Reaktion ausgelöst, die die Netze erst verflüssigt und anschließend verfestigt. Die Nägel bleiben dünn und sind trotzdem robust. Sie eigenen sich besonders für Frauen, deren Nägel einer ständigen starken Belastung ausgesetzt sind, wie beispielsweise beim Sport, Gartenarbeit oder auch Nägelkauen. Das Material lässt sich in einem Aceton-Bad wieder komplett auflösen. Letzteres kann allerdings auch zum Nachteil werden, sofern man empfindliche Haut hat.

Shellac
Shellac ist im Gegensatz zu normalem Nagellack besonders widerstandsfähig und splittert nicht ab. Er ist eine Mischung aus Gel und Nagellack und wird direkt auf den Naturnagel aufgetragen. Dabei gibt es drei Schichten: Basecoat, Farbschicht, Topcoat. Jede Schicht muss unter einer UV- oder LED-Lampe trocknen. Entfernt wird der Shellac in einem Aceton-Bad, wo die Nägel etwa zehn Minuten einwirken müssen. Die Nägel werden dadurch stark angegriffen und spröde.

Acryl
Wer zum Aufbau künstlicher Nägel Acryl verwendet, muss sich beim Auftragen sputen. Denn das Acryl-Pulver wird in Verbindung mit der Aktivierungsflüssigkeit schnell fest. Und auch die bei der Verarbeitung entstehenden Dämpfe sind eindeutig ein Nachteil des Materials. Zwar bleiben Acryl-Nägel trotz ihrer schmalen Optik bruchfest – um sie wieder loszuwerden, müssen sie allerdings komplett abgeschliffen werden. Wichtig: Wenn Sie den Kunstnagel lackieren, sollte acetonfreier Nagellackentferner verwendet werden, da sich sonst der Kunstnagel löst.

Das Acryl-Pulver dient als Grundlage und muss schnell aufgetragen werden
Das Acryl-Pulver dient als Grundlage für Acryl-Nägel und muss schnell aufgetragen werdenn © iStock/Korvit78


Gel
Gel-Nägel lassen sich schnell und unkompliziert mit einem Pinsel modellieren. Sobald das flüssige Gel, welches aus einem UV-reaktiven Acrylgel besteht, auf dem Nagel aufgetragen wurde, wird es mithilfe einer UV-Lampe fest. Die Nägel sind verstärkt und bruchfest, bleiben aber dennoch elastisch. Und trotzdem kann es hin und wieder zu Absplitterungen kommen. Ein weiterer Nachteil von Gel-Nägeln: Sie müssen abgeschliffen werden und sind relativ dick. Wer sie rauswachsen lassen will, muss locker sechs Monate lang warten.

 

 Künstliche Nägel: Billig vs. stilvoll

Wer sich für künstliche Nägel entscheidet, kann seiner Kreativität freien Lauf lassen. Bunte Farben, Glitzersteine, Muster und Applikationen können bei Gel- und Acryl-Nägeln auf Wunsch hervorragend eingebaut werden. Wer lieber ein natürliches Ergebnis möchte, kann sich für eine einfache aber schöne und vor allem gepflegt aussehende French-Maniküre entscheiden, bei der die Nagelspitze in einem matten Cremeweiß oder einem hellen Weiß modelliert wird. Eine Modellage ganz ohne Farben oder Applikationen ist ebenfalls möglich. Das Gel und das Acryl sind von Natur aus leicht rosé oder durchsichtig und passen sich so optimal an den Naturnagel an.

Die French-Maniküre sieht vor allem sehr gepflegt und natürlich aus
Die French-Maniküre sieht vor allem sehr gepflegt und natürlich aus © iStock/eli_asenova
 

Künstliche Nägel selber machen

„Nageldesigner“ ist kein Ausbildungs- sondern ein Weiterbildungsberuf. Konkret bedeutet dies, dass ihn nur diejenigen erlernen dürfen, die bereits eine abgeschlossene Ausbildung als Kosmetikerin oder Friseurin in der Tasche haben. Entlohnt wird diese Weiterbildung jedoch nicht. Dementsprechend kann sie sich nicht jeder leisten, was wiederum bedeutet, dass es wenige richtig gut ausgebildete Nageldesignerinnen gibt. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass es unter Umständen gar nicht so leicht ist, sich selbst künstliche Nägel zu machen. Zwar gibt es das Equipment (Gel, UV-Lampe & Co.) im Handel käuflich zu erwerben, doch wirklich empfehlenswert ist es nicht. Allein schon mit der linken Hand die rechte zu modellieren, dürfte außerordentlich schwerfallen. Und auch preislich wird es sich nicht besonders lohnen, denn eine Neumodellage gibt es bereits ab 25 Euro.

 
 

Wie lange halten künstliche Nägel?

Wie lange künstliche Nägel halten, hängt ganz davon ab, wie schnell die eigenen Fingernägel wachsen. Generell sollte man aber damit rechnen, alle vier Wochen zum Auffüllen gehen zu müssen – unabhängig vom verwendeten Material. Dabei wird der künstliche Nagel je nach gewähltem Material entfernt, in Form gebracht bzw. bei Bedarf durch Feilen gekürzt und bis zum Nagelbett neu aufgefüllt.

 

Sind künstliche Nägel schädlich?

Wer sich für künstliche Fingernägel entscheidet, muss damit rechnen, dass die eigenen Fingernägel leiden. Spätestens wenn die künstliche Schicht abgenommen wird, werden die Schäden sichtbar: Die Nägel sind oft weich, brüchig und wellig. Das liegt daran, dass unter dem Gel oder Acryl keine Sauerstoff-Zufuhr stattfinden konnte und dem Horn außerdem Feuchtigkeit entzogen wurde. Ohne Sauerstoffzufuhr kann das Keratin im Nagel nicht mehr aushärten. Der Naturnagel wird immer weicher und kann das Nagelbett nicht mehr ausreichend vor Keimen schützen. Das Anrauen vor der Anbringung der künstlichen Nägel kann zu Verletzungen, bei schlechter Hygiene sogar zu Nagelpilz führen. Eventuell können auch Tumore oder Hautkrebs unter gemachten Nägel leicht zu übersehen sein. Hautkrebs ist in Verbindung mit künstlichen Nägeln immer wieder ein Thema. Da das Material von Gelnägeln unter UV-Licht ausgehärtet wird und dessen Strahlung die Erbsubstanz der Hautzellen angreift, kann es durchaus als Auslöser für Hautkrebs gesehen werden.

Die UV-Licht-Lampe wird zum Aushärten von Gelnägeln verwendet
Die UV-Licht-Lampe wird zum Aushärten von Gelnägeln verwendet © iStock/MoustacheGirl

Das Risiko durch Gelnägel an Hautkrebs zu erkranken, wird noch durch einen weiteren Faktor verstärkt: Unter den falschen Nägeln ist es schwer den Bereich sauber zu halten. Bakterien, Viren und Pilze können sich daher leichter vermehren.

Wer langfristig künstliche Nägel getragen hat, muss sich nach deren Abnahme darauf einstellen, dass es bis zu fünf Monate dauern kann bist der Naturnagel seine alte Stabilität zurück hat. Bis dahin ist der Nagel äußerst brüchig und biete für Keime weiterhin eine gute Angriffsfläche. 

Statt dem Abpfeilen wird die Entfernung von Shellac und Fiberglas durch ein Aceton-Bad vorgenommen. Aceton greift den Nagel jedoch grundsätzlich mehr an als die Abpfeilmethode. Das Entfernen dieser Lacke macht die Nägel noch empfindlicher. Es drohen ebenfalls Entzündungen, da die Nagelplatte und die Haut angegriffen sind. Keime haben so ein besonders leichtes Spiel.

 

Allergische Reaktionen

Wenn der Finger schmerzt und sich rund um den Nagel eine von Juckreiz begleitete Rötung ausbreitet oder es sich sogar Bläschen bilden, könnten Sie an einer Kontaktallergie leiden. Vor allem Acryllate bergen ein hohes Sensibilisierungsrisiko. Auch das Einatmen der acrylhaltigen Dämpfe kann dazu beitragen. Blasenbildung, Rötungen und Juckreiz sind daher nicht nur an den Händen, sondern auch am Hals und im Gesicht möglich. 
Nageldesignerinnen tragen daher oftmals einen Mundschutz oder besitzen eine  Dunstabzugshauben, um möglichst wenige der Dämpfe einzuatmen.
Mittlerweile gibt es aber auch acrylfreie Gels als Alternative für Allergiker.

Allergische Reaktionen können auch durch das Tragen von normalen Nagellack ausgelöst werden –  viele der Lacke enthalten Kunstharze. Da die Hände und Finger im Laufe eines Tages sehr häufig das Gesicht berühren ohne es bewusst zu registrieren, brauchen viele Frauen Jahre um zu erkennen, dass der Nagellack die Ursache ihrer Hautbeschwerden ist. 90 Prozent aller durch Nagellack verursachten Veränderungen der Haut betreffen das Gesicht.

Eine Kontaktallergie tritt meistens mit einem starken Juckreiz auf
Eine Kontaktallergie tritt meistens mit einem starken Juckreiz auf © iSock/thodonal
 

Tipps

Wer trotz der Risiken nicht auf künstliche Nägel verzichten möchte, sollte bei der Wahl seines Nagelstudios aufmerksam sein. Hier gelten die gleichen hygienischen Vorschriften wie bei allen medizinischen und sozialen Berufen. Getränke, Lebensmittel und Tiere haben in einem Nagelstudio nicht zu suchen. Außerdem sollten sich die Mitarbeiter vor jeder Behandlung die Hände und Unterarme desinfizieren.

Ein gesunder Kompromiss ist sich nur zu besonderen Anlässen künstliche Nägel anbringen zu lassen. In dem Fall gönnen Sie Ihren Naturnägeln ab und zu eine längere Pause von Acryl, Gel, Shellac oder Fiberglas, damit sie sich ausreichend erholen können und gesund bleiben.

 

 

Mitarbeit: Anne Körbel

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