Künstliche Fingergelenke bei Arthritis

Arthritis beginnt in den kleinen Gelenken.
Arthritis beginnt in den kleinen Gelenken. Deshalb zeigt sich diese Erkrankung meist zuerst in den Fingern oder Zehen © Fotolia

Wenn Medikamente bei der rheumatoiden Arthritis nicht mehr helfen, können Kunststoff-Gelenke eingesetzt werden. Praxisvita erklärt, wie künstliche Fingergelenke bei der Erkrankung helfen können.

Vor 30 Jahren bekam Nicole B. die Diagnose Rheuma. Für sie begannen Jahre mit starken Schmerzen und einer extrem schnell voranschreitenden Krankheit. Nach mehreren Operationen, bei denen sie künstliche Fingergelenke bekam, kann Nicole B. heute ihren Alltag wieder schmerzfrei meistern. Sie kann Autofahren, Einkaufen gehen und all das tun, was in den Jahren davor für sie eine quälende Last war.

 

Sogar Kinder betroffen

Rheumatoide Arthritis ist keine Alterserkrankung. Sogar Kinder können diese Autoimmunerkrankung schon bekommen, sagt Dr. Joachim Georgi. Er ist internistischer Rheumatologe an der Helios Ostseeklinik Damp und hat Nicole B. lange behandelt. Bei der Therapie kommen vor allem Medikamente zum Einsatz. Das sind zum einen kortisonfreie Entzündungshemmer wie Ibuprofen oder Diclofenac – deren Wirksamkeit bei Arthritis allerdings enge Grenzen gesetzt sind. Auch Kortison wird angewandt. "Das wirkt immer, hat auf Dauer aber starke Nebenwirkungen", erklärt Dr. Georgi. Deshalb werden den Patienten auch sogenannte Basismedikamente gegeben. Sie reduzieren die Reaktion des Immunsystems und stammen zum Teil ursprünglich aus der Transplantationsmedizin. "Diese Basismedikamente beeinflussen den Krankheitsverlauf langfristig sehr gut", sagt Dr. Georgi. "Der Kortisonverbrauch nimmt bei den meisten Patienten ab."

Begleitet wird die medikamentöse Behandlung durch sogenannte physikalische Maßnahmen wie Wärme- und Wasseranwendungen oder Krankengymnastik. Und trotzdem muss im Laufe der Erkrankung jeder zweite Patient operiert werden. Die zerstörten Gelenke werden dann durch künstliche Fingergelenke ersetzt.

 

Handgelenke versteift

So war es auch bei Nicole B. Vor zehn Jahren wurden ihr in beiden Armen künstliche Handgelenke eingesetzt. Mit der Zeit lockerten sich diese jedoch. Deshalb mussten jetzt bei mehreren weiteren Operationen die Handgelenke versteift werden. Außerdem wurden bei der Patientin sämtliche Fingergrundgelenke (die untersten Gelenke der Finger) durch Prothesen ersetzt.

Künstliche Fingergelenke
Künstliche Fingergelenke werden bei einer Operation eingesetzt© Shutterstock
 

Künstliche Fingergelenke eingesetzt

"Ihre Handgelenke kann die Patientin jetzt zwar nicht mehr bewegen, aber sie sind wenigstens schmerzfrei und belastbar", erklärt Dr. Hans-Werner Seide, der die Operationen durchführte. Er entfernte alte künstliche Fingergelenke und ersetzte sie durch Kunstknochen und Knochenteile aus dem Becken der Patientin. Dann wurden die Hände mit Nägeln versteift. Während je einer weiteren OP pro Hand wurden dann die Fingergrundgelenke ersetzt. Der Arzt machte über jedem Gelenk einen kleinen Schnitt und entfernte das angegriffene Gewebe. Dann setzte er die Endoprothesen aus Kunststoff ein.

 

Gelenke leicht austauschbar

"Diese Prothesen werden nicht mit Zement befestigt oder eingeschraubt, sondern nur in die hohlen Knochen gesteckt", sagt Dr. Seide. So können künstliche Fingergelenke relativ leicht ausgetauscht werden, wenn sie nach acht bis zwölf Jahren verschlissen sind.

In den ersten sechs Wochen nach der OP musste Nicole B. eine sogenannte dynamische Schiene tragen, die ihr beim Strecken der Finger half. Danach brauchte sie keine Hilfsmittel mehr. Ihre Medikamente muss sie aber weiternehmen, damit das Rheuma nicht andere Gelenke angreift.

Rheuma in den FingernSieben von zehn Betroffenen sind Frauen zwischen 30 und 50 Jahren. Die Ursachen sind noch nicht erforschtEntzündliches Rheuma – die sogenannte Arthritis – beginnt in den kleinen Gelenken. Deshalb zeigt sich diese Erkrankung meist zuerst in den Fingern oder Zehen. "Die Patienten wachen eines Morgens auf und haben plötzlich dicke, geschwollene und heiße Gelenke", beschreibt Dr. Joachim Georgi die ersten Symptome.Mit Gelenkverschleiß – der Arthrose – hat die Arthritis nichts zu tun. Arthrose bekommt fast jeder Mensch im Alter. Vom entzündlichen Rheuma ist dagegen "nur" einer von hundert betroffen. Diese Patienten leiden an einer chronischen Autoimmunerkrankung. Das heißt, die Abwehrkräfte des Körpers richten sich wie bei einer Art Allergie gegen die eigenen Gelenke. Es kommt zu Entzündungen, die auf Dauer die Knorpel und Knochen im Gelenk zerstören.Typisch ist, dass die Arthritis symmetrisch auftritt, also zum Beispiel an beiden Händen. Und in den meisten Fällen schreitet die Erkrankung schubförmig voran.
 

Übungen für bewegliche Hände

 

Qi-Gong-Kugeln

Diese Kugeln aus Metall oder Stein werden schon seit Jahrhunderten in der chinesischen Medizin eingesetzt, um die Beweglichkeit und Durchblutung der Finger zu erhöhen. Legen Sie die Kugeln (erhältlich im Asialaden) auf die Handfläche und versuchen Sie, sie durch bewegen der Finger umeinander kreisen zu lassen.

 

Greifübungen

Fordern Sie Ihr Enkelkind doch einmal zu einer Partie Halma heraus. Das Spielen mit den kleinen Figuren fördert die Feinmotorik der Finger. Sie können aber auch jederzeit einfache Greifübungen mit kleinen Steinen oder Murmeln machen. Und auch Puzzles sowie sogenannte Solitaire-Steckspiele fördern die Geschicklichkeit.

 

Therapieknete

"Muskeln trainieren hilft auch den Gelenken", sagt Dr. Joachim Georgi. Für ein solches Training gibt es im Sanitätshaus sogenannte Therapieknete. Nehmen Sie sie in die Hand und drücken Sie sie kräftig mit allen fünf Fingern. Stärkeren Widerstand als die weiche Knete bietet ein sogenannter Stressball.

 

Knödelrollen

Mit der Therapieknete können Sie viele verschiedene Übungen machen: Formen Sie zum Beispiel mit beiden Händen eine Kugel. Rollen Sie die dafür wie einen Knödel zwischen den Handflächen. Die Kugel können Sie dann durch Aneinanderdrücken der Hände immer wieder verformen.

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