Krebsgefahr: Wie krank machen unsere Fußballplätze?

Phyllis Kuhn

Auf dem Bolzplatz kann man sich schon mal ein paar Schrammen und blaue Flecke holt, das dürfte niemanden überraschen. Dass das Spielen auf Kunstrasen Krebs erregen kann, wissen noch nicht viele.

Im Verdacht, Krebserkrankungen auszulösen, steht das Gummi-Granulat, das auf vieler Böden der Sportplätze ausgestreut ist. Es wird hauptsächlich aus alten Autoreifen hergestellt. Darin stecken jedoch Weichmacher, die sogenannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) enthalten. Diese entstehen als Nebenprodukte bei unvollständigen Verbrennungsprozessen. Viele von ihnen wirken krebserregend (karzinogen). Neben Kunstrasen-Granulat wurden PAK bereits in Gummisandalen, Armbanduhren, Koffergriffen, vielen Kautschukprodukten und Klebstoffen nachgewiesen. Stiftung Warentest hatte im Jahr 2012 in den Griffen von Rollkoffern so stark erhöhte Werte gefunden, dass schon das Ziehen des Koffers als krebserregend eingestuft wurde. PAK wirken über die Atmung aber auch über die Haut auf den menschlichen Körper ein. Sie sollen zu Lungen-, Kehlkopf-, Hautkrebs sowie Magen- Darm- und Blasenkrebs führen. Auch die Fortpflanzungsfähigkeit könnte durch den Kontakt mit PAK beeinträchtigt werden.

Junge auf Kunstrasen
Wie gefährlich sind polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe im Kunstrasen?© Alamy
 

Krebs durch Fußballspielen?

Große Aufmerksamkeit bekam das Thema in der vergangenen Woche in unserem Nachbarland Holland. Der Journalist Roelof Bosma hatte nachgewiesen, dass rund 90 Prozent der holländischen Kunstrasen-Fußballplätze krebserregende Weichmacher enthalten. Nach seiner Enthüllung wurden im Amateurbereich bereits rund 30 Spiele abgesagt. Auch in Deutschland werden PAK standardmäßig in Kunstrasen verarbeitet. Durch Hautverletzungen aber auch durch bloßes Einatmen können sie in den Körper von Sportlern eindringen.

Und tatsächlich erkranken Profi-Fußballer ungewöhnlich häufig an Krebs. Die ehemalige US-Nationaltorhüterin Amy Griffin hat dazu bereits eine Datenbank mit 200 erkrankten Fußballspielern angelegt, die regelmäßig auf Kunstrasen gespielt haben. Auffallend dabei: Mehr als 100 davon sind Torhüter, die besonders viel Hautkontakt mit dem Boden haben.

 

Neue Grenzwerte in Deutschland?

Zwar wurde in Deutschland ab dem 1. Januar 2010 ein Grenzwert ist die Verwendung von Weichmachern in Auto-Reifen festgelegt (1 mg/kg Benzo[a]pyren und höchstens 10 mg/kg weiterer sieben gelisteter PAK). Allerdings gilt dies nicht für die Weiterverarbeitung von alten Reifen, wie im Falle des Granulats auf Fußballplätzen. Laut Informationen der Bild-Zeitung wird derzeit ein neuer Entwurf für die Bundes-Bodenschutzverordnung diskutiert. Er könnte die Grenzwerte, für die Belastung des Grundwassers mit PAK, um das Zehnfache reduzieren. Somit wären auch Gummi-Granulate für Kunstrasen, die den Grenzwert überschreiten nicht mehr erlaubt. 

Eine gesundheitlich unbedenkliche Alternative wäre Korkgranulat ist als Infillmaterial für Kunstrasen. Der Rohstoff hat genau wie Gummi-Granulat elastische Eigenschaften, erhitzt sich jedoch im Sommer weniger stark als Gummi und enthält keine gesundheitsschädlichen PAK. Deshalb verwenden einige Verbände, darunter auch der holländische Verband Kork auf ihren Sportplätzen. Nachteil: Korkgranulat ist teurer als Gummigranulat und zudem weniger langlebig.

 

Wie erkenne ich den Unterschied zwischen Kork- und Gummigranulat?

Kork ist weitestgehend geruchsneutral, während Gummigranulat einen charakteristischen Geruch nach Gummireifen hat. Ein weiterer Unterschied zeigt sich im Kontakt mit Wasser: Bei Regen quillt Kork stärker auf. Sie müssen aber nicht bis zum nächsten Schauer warten. Nehmen Sie ein bisschen Granulat in die Hand und geben Sie ein wenig Wasser aus einer Flasche dazu. Je nachdem wie stark das Material aufquillt, wissen Sie, ob es sich um Kork oder Gummi handelt.

Hamburg, 12. Oktober 2016

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