Krebsbehandlung: Bakterien-Geheimcode lässt Tumorzellen sterben

Krebs Bakterien
Die neu entwickelte Therapieform gegen Krebs zeigt beeindruckende Behandlungserfolge – und bisher keine Nebenwirkungen © Fotolia

Damit ein Tumor erfolgreich behandelt werden kann, muss er frühestmöglich diagnostiziert werden – bevor Krebszellen die Chance haben, sich im Körper zu vermehren. Das Problem: Manche Krebsarten werden häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt oder sind grundsätzlich nicht therapierbar. Forscher haben nun einen überraschenden Zugang gefunden, mit dem auch diese Tumortypen erfolgreich behandelt werden könnten.

Krebsarten werden in der Medizin zu sogenannten „tricky diseases“ gezählt, wenn sie aufgrund ihres Gewebetyps oder dem Stadium ihrer Diagnose durch chirurgische Eingriffe oder chemotherapeutische Maßnahmen nicht – oder nicht mehr – therapiert werden können.

 

Die Sprache der Bakterien

In einer aktuelle Studie zeigen Forscher der Universität von Missouri einen völlig neuen Weg, um solche unheilbaren Krebsausbrüche zu bekämpfen: mithilfe der Sprache von Bakterien.

Bakterien kommunizieren in unserem Körper mit einem Verfahren, das sich „Quorum Sensing“ nennt. Die Einzeller sind auf diese Weise in der Lage, sich über chemische Signale zu verständigen und können so ihre gemeinsamen bakteriologischen Prozesse steuern und koordinieren. Nur so kann sich ein Bakterienstamm rasch an verändernde Umstände im Wirtskörper anpassen, ohne dabei an Effektivität zu verlieren.

 

Krebs zum Suizid überreden

Die Forscher um Studienleiter Professor Senthil Kumar nutzen dieses besondere Kommunikationsverfahren der Bakterien: für die Krebstherapie. Dabei stören sie die chemische Verständigung von Bakterien so, dass die Einzeller zu todbringenden Boten für Tumoren werden.

Nach der erfolgreichen „Neuprogrammierung“ der Bakterien melden sie vorhandenen Krebszellen im Körper, dass sie sich – einfach gesagt – nicht mehr ausbreiten dürfen und selbst sterben sollen.

 

Ein Erfolg auf ganzer Linie

Für die Untersuchung wurden besonders tödliche Bauchspeicheldrüsenkrebs-Zellen mit dem neuen Verfahren behandelt. Und tatsächlich sprechen die gewonnenen Ergebnisse für sich: Nach nur 48 Stunden verringerte sich die sogenannte Proliferation der Krebszellen – also deren Fähigkeit zu wachsen und sich zu vermehren – um bis zu 50 Prozent. Doch noch entscheidender war nach Aussagen der Forscher die Tatsache, dass die Anzahl der bösartigen Krebszellen im Körper im gleichen Zeitraum um bis zu 85 Prozent abnahm.

Die Feststellung, dass diese Behandlungsmethode „nicht nur die Metastasierung von aggressiven Krebsarten stoppt, sondern auch dazu führt, dass bereits vorhandene Krebszellen absterben, ist aus wissenschaftlicher Sicht sehr aufregend“, erklärt Professor Senthil Kumar. Da die Bakterien-Therapie selbst bei dem aus medizinischer Sicht sehr tückischen Bauchspeicheldrüsenkrebs Erfolg zeigte, sei nach Aussagen der beteiligten Wissenschaftler davon auszugehen, dass auf diese Weise die meisten bekannten Krebsarten behandelt werden könnten. 

Hamburg, 29. September 2014

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