Krebs: Neue Therapie für Todkranke

Mona Eichler Health-Redakteurin

Bringt eine neue Therapie Hoffnung für unheilbar an Krebs erkrankte Menschen? Laut einer britischen Studie regt eine bestimmte Wirkstoffkombination das Immunsystem an, Krebszellen zu bekämpfen – auch bei Menschen, die als unheilbar krank gelten.

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Menschen mit einem fortgeschrittenen Kopf-Hals-Karzinom könnten mit einer Kombination aus zwei Immuntherapie-Medikamenten behandelt werden. In einer Studie mit den Wirkstoffen Nivolumab und Ipilimumab konnten Wissenschaftler:innen des Institute of Cancer Research (ICR) und des Royal-Marsden-Krankenhauses in London einen "positiven Überlebenstrend" nachweisen, wie der britische "Guardian" berichtet. 

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Aktiviertes Immunsystem greift Krebszellen an

An der Phase III der Studie nahmen rund 1.000 Patient:innen teil, von denen einige zuvor als unheilbar krank eingestuft worden waren. Die Wirkstoffkombination, die als Infusion verabreicht wird, aktivierte das Immunsystem der Erkrankten. In der Folge bekämpfte es die Krebszellen und tötete diese in besonders erfolgreichen Fällen sogar komplett ab. Nach einigen Wochen Behandlung waren manche Betroffene krebsfrei, bei anderen hatte sich die Größe des Kopf-Hals-Karzinoms reduziert. 

Im Mittel lebten die mit Nivolumab und Ipilimumab behandelten Patientinnen und Patienten 17,6 Monate länger als jene, die eine klassische Chemotherapie bekommen hatten. Laut der Wissenschaftler:innen ist das der höchste Überlebensdurchschnitt in dieser Krebsgruppe, der je verzeichnet wurde. 

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Immuntherapie gegen Krebs: Weniger Nebenwirkungen

Die Ergebnisse der Studie gelten als "klinisch bedeutsam", wenn auch (noch) nicht als statistisch signifikant. Dazu war die Studie zu klein.

Dennoch ist Kristian Helin, Geschäftsführer des ICR, zufrieden mit der Studie zu möglichen Therapien gegen Kopf-Hals-Krebs. "Das sind vielversprechende Ergebnisse", urteilte er. "Immuntherapien sind freundlichere, intelligentere Behandlungen, die den Patientinnen und Patienten erhebliche Vorteile bringen können."
Zu diesen erheblichen Vorteilen gehört die Tatsache, dass eine Immuntherapie deutlich weniger Nebenwirkungen als die klassische Chemotherapie hat.

Monoklonale Antikörper: So wirken Nivolumab und Ipilimumab

Nivolumab (Handelsname Opdivo) und Ipilimumab (Handelsname Yervoy) sind monoklonale Antikörper. Antikörper dieser Art werden aus Zellkulturen oder mikrobiellen Expressionssystemen im Labor hergestellt und können gezielt – also monoklonal (einförmig) – bestimmte Moleküle an den Außenseiten von Zellen blockieren. Aktuell nutzt man monoklonale Antikörper zur Behandlung von COVID-19. Monoklonale Antikörper führen aber auch dazu, dass das Immunsystem Krebszellen bekämpft. Nivolumab dockt dabei an den Rezeptor PD-1 auf T-Lymphozyten an und verhindert so eine Hemmung des Immunsystems. Ipilimumab tut dasselbe beim Molekül CTLA-4 auf den T-Lymphozyten. In der Folge können sich Immunzellen verstärkt vermehren und den Tumor/die Tumore effektiver bekämpfen.

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Nivolumab und Ipilimumab: Wirksam gegen weitere Krebsarten

Die Idee der Wissenschaftler:innen des ICR und des Royal-Marsden-Krankenhauses, Nivolumab und Ipilimumab gegen Kopf-Hals-Karzinome einzusetzen, war naheliegend. Die beiden Immuntherapie-Medikamente werden schon länger erfolgreich gegen verschiedene Krebsarten eingesetzt, darunter Hautkrebs, Darmkrebs und Nierenkrebs. 

Mitte 2019 etwa hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) der Wirkstoffkombination einen sogenannten Zusatznutzen bei der Therapie gegen fortgeschrittene Nierenzellkarzinome zugesprochen. Seit Ende 2020 sind Nivolumab und Ipilimumab in Kombination als Ersttherapie für Erwachsene mit metastasiertem, nicht kleinzelligem Lungenkrebs zugelassen. 
 

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Neue Therapie könnte gegen verschiedene Krebsarten helfen

Wie viele Menschen in Deutschland pro Jahr an Kopf-Hals-Karzinomen erkranken, ist nicht genau bekannt. Zu dieser Gruppe zählen unterschiedliche Krebsarten, wie Krebs in Mundhöhle und Rachen, im Bereich der Nase, Kehlkopfkrebs oder Lungenkrebs. Laut aktueller Zahlen des vom Robert Koch-Instituts (RKI) geleiteten Zentrums für Krebsregisterdaten sind 2017 4.497 Frauen und 9.653 Männer an Mundhöhlen-Rachen-Krebs erkrankt. Im selben Jahr wurde bei 21.484 Frauen und 35.355 Männer Lungenkrebs diagnostiziert. Die neue Therapie mit einer Wirkstoffkombination aus Nivolumab und Ipilimumab könnte also einen echten Unterschied machen. 

Quellen:
New treatment destroys head and neck cancer tumours in trial, in: theguardian.com

Zentrum für Krebsregisterdaten – Krebs in Mundhöhle und Rachen, in: krebsdaten.de

Ipilimumab (Yervoy) in Kombination mit Nivolumab (Opdivo) bei fortgeschrittenem Lungenkrebs, in: www.gesundheitsinformation.de

Nivolumab mit Ipilimumab: Wirkstoffkombination hat Zusatznutzen bei fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom, in: iqwig.de

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