Krebs durch Vitamine?

Rasmus Cloes Medizinredakteur
Hand mit Pillen
Wer Vitaminpräparate nimmt, sollte genau darauf achten, die empfohlene Tagesdosis nicht zu überschreiten © Fotolia

Immer mehr Menschen nehmen Vitamine in Form von Nahrungsergänzungsmitteln zu sich und glauben, ihrer Gesundheit damit etwas gutes zu tun. Neueste Forschungen zeigen jedoch: die Überdosierung von Vitaminpräparaten kann sogar tödlich enden.

Rund 1,2 Milliarden Euro investieren die Deutschen in die Hoffnung, mit Vitaminpräparaten ihre Gesundheit zu stärken. Ein fataler Fehler! Denn eine wachsende Zahl an Studien zeigt: Diese Präparate sind oft nicht nur überflüssig – sie können sogar schaden.

Dr. Tim Byers von der Universität in Colorado zeigt den Zusammenhang in seiner aktuellen Studie, die er bei einem Treffen der American Association for Cancer Research vorstellte. Sein Fazit: „Wer mehr Nahrungsergänzungsmittel zu sich nimmt als er braucht, der hat ein höheres Risiko, an Krebs zu erkranken.“

 

Vitaminpräparate erhöhen Krebsrisiko

Ursprünglich begann Myers mit seinem Team die Auswirkung von Nahrungsergänzungsmitteln auf das Krebsrisiko von Versuchstieren zu erforschen. Die Ergebnisse sprachen noch für die Präparate: „Als wir die Nahrungsmittel zuerst an Tieren testeten, waren die Ergebnisse vielversprechend“, so Byers. Sie linderten deren Krebsrisiko. Doch als diese Tests auf „tausende Menschen über einen Zeitraum von 10 Jahren“ ausgeweitet wurden, halfen die Mittel im Vergleich zu einem Placebo nicht. Und: bei einigen Vitaminpräparaten erhöhte sich das Krebsrisiko sogar.

Aufpassen muss man laut Byers bei Beta-Carotin-Präparaten: Menschen, die mehr als die empfohlene Dosis zu sich nehmen, haben ein um 20 Prozent erhöhtes Lungenkrebsrisiko. Auch ihr Herzinfarktrisiko nimmt zu. Ähnlich negative Ergebnisse zeigt eine Studie zu Folsäure: Probanden, die davon hohe Dosen einnahmen, hätten mehr gefährliche Polypen im Darm. Diese können sich zu Darmkrebs entwickeln. Und auch Vitamin E wurde mit einem deutlich erhöhten Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, in Verbindung gebracht. 

„Das heißt nicht, dass Menschen Angst davor haben müssen, Vitamine und Mineralien zu nehmen“, so Byers. „Wenn sie in der richtigen Dosierung genommen werden, können sie die Gesundheit fördern.“ Doch es sei immer besser, Vitamine über die normale Nahrung aufzunehmen. Dazu reicht meist eine ausgewogene Ernährung aus, so der Wissenschaftler.

 

Wichtige Nährstoffe und worin sie enthalten sind

Eisen - empfohlene Tagesdosis: 10 mg

Da steckt es drin: Zum Beispiel in 250 g Pute, 200 g Miesmuscheln, 100 g Hirse, 120 g Linsen, 200 g Haferflocken.

Folsäure - empfohlene Tagesdosis: 200 µg

Da steckt es drin: Zum Beispiel in 420 g Spinat, 490 g Brokkoli, 180 g weiße Bohnen.

Zink - empfohlene Tagesdosis: 7 mg

Da steckt es drin: Zum Beispiel in 120 g Linsen, 150 g weißen Bohnen, 200 g Rindfleisch, 6 Scheiben Vollkornbrot.

Vitamin D - Tagesdosis: 25 mg (1000 Einheiten)

Da steckt es drin: Zum Beispiel in 400 g Pilzen. Der Nährstoff wird auch durch Sonnenstrahlung in der Haut gebildet. Im Sommer reichen dafür 10 Minuten täglich im Freien.

Vitamin E - empfohlene Tagesdosis: 12 mg

Da steckt es drin: Zum Beispiel in 45 g Haselnüssen, 20 g Sonnenblumenöl

Vitamin C – empfohlene Tagesdosis: 100 mg

Da steckt es drin: Zum Beispiel in 50 g Schwarzen Johannisbeeren, 80 g Paprika, 100 g Brokkoli, 110 g Rosenkohl.

Vitamin B 2 - empfohlene Tagesdosis: 1,5 mg

Da steckt es drin: Zum Beispiel in 110 g Hühnerbrust, 280 g Seelachs, 330 g Joghurt, 230 g Mandeln, 400 g Champignons.

Hamburg, 21. April 2015

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