Krankheitsbeschleuniger Mandel-OP?

Stephanie Pingel
Mandel-OP
Eine Mandel-OP im Kindesalter hat Auswirkungen auf das spätere Risiko für verschiedene Krankheiten © Kerkez/iStock

Wenn man im Kindesalter häufiger unter Mandelentzündungen leidet, wird oft eine Operation zur Entfernung der Übeltäter empfohlen. Australische Forscher haben jetzt herausgefunden, dass die Mandel-Operation das Risiko für andere Erkrankungen teilweise stark erhöht.

Mandelentzündungen gehören nach wie vor zu den häufigsten Krankheiten bei Kindern. Leidet ein Kind mehrmals im Jahr darunter, raten Ärzte oft zur Mandelentfernung. Doch in welchen Fällen ist das wirklich sinnvoll? Forscher der University of Melbourne haben bei einer neuen Studienanalyse herausgefunden, dass das Entfernen der Mandeln im Kindesalter die Wahrscheinlichkeit für andere Erkrankungen enorm steigen lässt. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Wissenschaftler im Fachjournal „JAMA Otolaryngology-Head & Neck Surgery.“

 

Dreimal höheres Risiko für Atemwegserkrankungen

Demnach ist das Risiko für Atemwegserkrankungen wie Erkältungen oder Bronchitis nach der Mandel-OP dreimal höher im Vergleich zu Personen, bei denen die Mandeln nicht entfernt wurden. Die Wahrscheinlichkeit, an Asthma oder Lungenentzündungen zu erkranken, erhöht sich ebenfalls um etwa 50 Prozent. Zusätzlich kommt es bei den Betroffenen häufiger zu Allergien sowie Haut- und Augenkrankheiten.

Für die Untersuchung werteten die Forscher die Ergebnisse von Gesundheitsaufzeichnungen von insgesamt 1,2 Millionen dänischen Kindern von 1979 bis 1999 aus. Bei 60.400 dieser Kinder waren die Mandeln operativ entfernt worden. Nach ihrem 30. Geburtstag wurden diese Probanden erneut untersucht.

 

Warum sind die Mandeln so wichtig?

Die Mandeln spielen eine große Rolle bei der Immunabwehr: Das Gewebe erkennt und blockiert Bakterien oder Viren, die durch den Rachen weiter in den Körper wandern wollen. Werden die Immunwächter entfernt, haben Krankheitserreger entsprechend leichtes Spiel. Die australischen Forscher plädieren daher dafür, mehr auf den jeweiligen Fall zu schauen und zu prüfen, ob die Mandel-Operation wirklich nötig ist. Laut Statistik wird heute allerdings ohnehin schon deutlich weniger operiert als noch vor zehn Jahren – Ärzten ist die Rolle, die die Mandeln bei der Immunabwehr spielen, also bereits mehr bewusst.

 

Welche Alternativen gibt es?

Der Arzt sollte bei der Untersuchung prüfen, ob die Mandelentzündung durch Viren oder durch Bakterien verursacht wurde. Bei einer Infektion mit Viren ist die Rachenschleimhaut gerötet, zusätzlich kommt es zu Symptomen wie Husten, Schnupfen und Heiserkeit. Hier hilft es meist schon, die Symptome zu behandeln – eine virenbedingte Mandelentzündung heilt in der Regel schon nach etwa drei Tagen ab. Bakterien sind durch gelblich-weiße Beläge auf den Mandeln erkennbar, außerdem verursachen sie Fieber über 38,5 Grad. Andere typische Erkältungssymptome zeigen sich dagegen eher nicht. Gegen Bakterien werden Antibiotika eingesetzt.

Quelle: Byars, Sean G., Stearns, Stephen C., Boomsma, Jacobus J. (2018): Association of Long-Term Risk of Respiratory, Allergic, and Infectious Diseases With Removal of Adenoids and Tonsils in Childhood, in: JAMA Otolaryngology-Head & Neck Surgery.

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