Krankes Kinderherz? Was Eltern gegen Fehldiagnosen tun können

Stephanie Pingel
Kinderherzen abhören
Laut einer neuen Untersuchung verschwinden nicht krankhafte Herzgeräusche bei Kindern meist, wenn sie im Stehen statt im Liegen abgehört werden © iStock/Imgorthand

Kinder sollten stets im Stehen abgehört werden – das ist das Ergebnis einer neuen Untersuchung. Verschwinden zuvor wahrgenommene Herzgeräusche, wenn das Kind steht, liegen in der Regel keine krankhaften Veränderungen vor.

Bei rund zwei Dritteln aller Kinder werden während einer Routineuntersuchung Herzgeräusche festgestellt. Doch diese sind oft harmlos – lediglich bei einem Prozent der Betroffenen liegt tatsächlich eine krankhafte Veränderung vor. Aus Angst, dass ein Herzfehler übersehen wurde, werden die meisten Kinder dennoch zu einem Kinderkardiologen überwiesen. Das zieht nicht nur unnötige Untersuchungen nach sich, sondern verunsichert auch die Eltern. Französische Forscher um Dr. Bruno Lefort empfehlen aufgrund neuester Untersuchungsergebnisse nun eine simple Methode, um dem vorzubeugen: Demnach sollten Kinderärzte die Herzen ihrer kleinen Patienten abhören, während diese stehen.

 

Normale Herzgeräusche sind im Stand kaum wahrnehmbar

Gerade normale Herzgeräusche, die im Liegen festgestellt werden, verschwinden im Stehen oft. Pathologische (krankhafte) Geräusche bleiben dagegen meist auch im Stehen hörbar. In diesen Fällen ist eine Überprüfung durch einen Kinderkardiologen sinnvoll. Für ihr Studienergebnis untersuchten die Forscher 194 Kinder im Alter von über zwei Jahren, die aufgrund von Herzgeräuschen an Kinderkardiologen überwiesen worden waren. Bei keinem der kleinen Patienten lagen bekannte Herzkreislauferkrankungen oder erblich bedingte Risiken dafür vor. Zur Überweisung kam es also in allen Fällen ausschließlich durch die Wahrnehmung von Herzgeräuschen bei einer Routineuntersuchung.

Sechs Kardiologen untersuchten die Kinder zuerst in Rückenlage und anschließend im Stehen mit einem Stethoskop und fertigten dann anhand eines Herzultraschalls ein sogenanntes Echokardiogramm. Das Ergebnis: Bei lediglich 30 Kindern (15 Prozent) wurden im Echokardiogramm Auffälligkeiten festgestellt, die die Herzgeräusche erklären konnten. Bei 28 der davon Betroffenen (93%) waren die Geräusche auch im Stehen aufgetreten. Insgesamt traten die Herzgeräusche bei 100 Kindern nicht mehr auf, wenn man sie im Stehen untersuchte. Anhand dieser Daten kann eine krankhafte Ursache für Herzgeräusche in 60 Prozent aller Fälle ausgeschlossen werden, wenn das Herz im Stehen abgehört wird. Damit könnte man die Anzahl der Überweisungen zum Kinderkardiologen rein rechnerisch betrachtet um mehr als die Hälfte reduzieren.

 

Worauf Eltern achten sollten

Eltern sollten bei Routineuntersuchungen daher immer darauf achten, dass das Herz des Kindes auch im Stehen abgehört wird – besonders dann, wenn beim Abhören im Liegen zuvor Herzgeräusche aufgetreten sind. Das könnte nicht nur Eltern davor schützen, sich unnötige Sorgen zu machen, sondern erspart dem Kind auch überflüssige und teure Untersuchungen.

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