Krankenkassen erstatten immer häufiger homöopathische Behandlungen

Ärztin behandelt mit Homöopathie
Da Krankenkassen ihre Serviceleistungen weiter ausbauen, werden immer öfter homöopathische Behandlungskosten durch die Kassen übernommen © Fotolia

Lohnt sich ein Krankenkassenwechsel? Diese Frage stellen sich momentan viele gesetzlich Versicherte. Weil die Versicherungen ein massives Minus decken müssen, wird der Krankenkassen-Beitrag ab 2016 um etwa 0,3 Prozent erhöht. Experten raten jedoch, bei einem Wechsel vor allem die angebotenen Leistungen miteinander zu vergleichen.

 

Serviceleistungen der Krankenkassen nehmen zu

Die gesetzlichen Krankenkassen bieten alle die gleiche medizinische Grundversorgung. Das macht den Wettbewerb für die Kassen schwierig – darum bieten einige Kassen über die gesetzlichen Vorgaben hinaus spezielle Serviceleistungen an und übernehmen beispielsweise die Kosten für Homöopathie. Wer solche Behandlungen regelmäßig in Anspruch nimmt, kann mit der richtigen Kasse mehrere 100 Euro im Jahr sparen.

 

Kostenübernahme von homöopathischen Behandlungen

Die Bedingungen für die Kostenübernahme einer klassischen Homöopathie-Behandlung sehen folgendermaßen aus: Die Krankenkasse des Patienten nimmt an einem der "Selektivverträge Klassische Homöopathie" des DZVhÄ (Deutscher Zentralverein homöopathischer Ärzte) für integrierte Versorgung teil und der Patient lässt sich bei einem sogenannten Vertragsarzt behandeln.

 

Folgende Behandlungen werden von den Kassen übernommen*

  • Etwa einstündige homöopathische Erstuntersuchung bei Erwachsenen und Jugendliche ab dem 13. Lebensjahr, etwa 40minütige homöopathische Erstuntersuchung bei Kindern; Erstattung einmal im Jahr
  • mindestens 30minütige Folgeuntersuchung; Erstattung höchstens einmal pro Quartal
  • mindestens 15minütige Folgeuntersuchung; Erstattung höchstens zweimal pro Quartal
  • Homöopathische Beratung; Erstattung fünfmal pro Quartal
  • Wichtig zu wissen: Homöopathische Arzneimittel, die zur Behandlung beitragen und vom Arzt verschrieben werden, müssen jedoch in den meisten Fällen vom Patienten selbst bezahlt werden

*Angaben laut DZVhÄ

Teilnehmende Krankenkassen sind beispielsweise die BKKen, IKKen, Techniker Krankenkasse, Hanseatische Krankenkasse, Barmer GEK, Knappschaft inklusive Seekasse  und SVLFG. In welchem Umfang Behandlungen im Einzelnen übernommen werden, erfahren Sie hier.

Rechnungen von Heilpraktikern oder Ärzten, die zwar homöopathische Leistungen anbieten, jedoch keine Vertragsärzte sind, werden nicht übernommen. Möchten Sie sich jedoch von einem Heilpraktiker oder einem Arzt Ihrer Wahl homöopathisch behandeln lassen, könnte eine private Zusatzversicherung für Sie die richtige Wahl sein, die einen Zuschuss zu Heilpraktikerbehandlungen und für Naturheilverfahren durch Ärzte beinhaltet. Mehr Infos dazu finden Sie hier.

 

Vorteile für den Kassenpatienten

Für den Patienten haben die Verträge zwischen dem DZVhÄ und den Krankenkassen durchaus Vorteile. Denn im Gegensatz zu früher, als der Patient die homöopathische Behandlung noch selber bezahlen musste, werden die anfallenden Behandlungskosten nun direkt mit der Krankenkasse abgerechnet. Außerdem gehören auch Apotheker, Krankenhäuser oder auch Pflegepersonal zum Netzwerk der integrierten Versorgung, sodass eine qualitätsgesicherte Versorgung der Versicherten gewährleistet ist.

 

Wie funktioniert die Teilnahme an der integrierten Versorgung?

Jeder Patient, der gesetzlich versichert und Mitglied einer der teilnehmenden Krankenkassen ist, kann teilnehmen. Wer häufig homöopathische Behandlungen in Anspruch nimmt, seine jetzige Krankenkasse jedoch keine Behandlungskosten für Homöopathie übernimmt, für den kann sich ein Wechsel der Krankenkasse durchaus lohnen. Um die Kostenübernahme für eine Homöopathie-Behandlung erstattet zu bekommen, müssen Sie bei einem Vertragsarzt in Behandlung sein. Vertragsärzte in Ihrer Nähe finden Sie hier. Dieser muss entweder die Zusatzbezeichnung „Homöopathie“ oder ein Homöopathie-Diplom des DZVhÄ vorweisen können. Vor Beginn der Behandlung unterschreiben Sie in der Praxis eine Teilnahmeerklärung für eine sogenannte integrierte Versorgung, die Sie natürlich jederzeit wieder kündigen können. Ab diesem Moment erhalten Sie homöopathische Behandlungen durch einen Arzt – ganz ohne Zuzahlung. 

 

Hinweis zur Kostenübernahme für OTC-Präparate

Aber nicht nur die Kosten für homöopathische Behandlungen werden immer öfter von den Kassen übernommen, sondern auch die für sogenannte OTC-Präparate. Hält der Arzt die Einnahme eines nicht verschreibungspflichtigen Medikaments für sinnvoll, spricht er mit dem „Grünen Rezept“ eine Empfehlung aus. Oft ist in diesem Zusammenhang von OTC-Arzneimitteln (engl. over the counter: über die Ladentheke) die Rede. Dabei handelt es sich in der Regel um pflanzliche oder homöopathische Präparate. Bis zum Jahr 2012 mussten Patienten selbst für die Kosten dieser empfohlenen Präparate aufkommen. Seitdem zahlen viele Krankenkassen solche Medikamente teilweise oder ganz. Um das zu verdeutlichen, sind Grüne Rezepte seit Kurzem mit folgendem Hinweis versehen: „Dieses Rezept können Sie bei vielen gesetzlichen Krankenkassen zur Voll- oder Teilerstattung als Satzungsleistung einreichen.“ Den Medikamenten-Kauf sollten Sie sich in der Apotheke auf dem Grünen Rezept quittieren lassen und zusätzlich den Kassen-Bon aufbewahren. Die Erstattungs-Abwicklung ist von der jeweiligen Krankenkasse abhängig. Bei einigen können Rezepte ganz unbürokratisch zur direkten Rückzahlung eingereicht werden. Andere erstatten nur jährlich, wenn die Unterlagen bis zu einem bestimmten Stichtag eingegangen sind. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenkasse nach den Bedingungen.

Rund 70 von 123 gesetzlichen Krankenkassen erstatten zurzeit die Kosten für bestimmte rezeptfreie Medikamente. Welche Medikamente die Kassen übernehmen, können diese selbst festlegen. Werden die Kosten nicht getragen, können Rezept und Quittung bei der jährlichen Einkommenssteuer-Erklärung eingereicht werden.

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.