Krankenhäuser vor dem Kollaps: Hier ist wieder alles dicht!

Mona Eichler Health-Redakteurin

Besuchsverbot, abgesagte Operationen, überfüllte Intensivstationen: Die Situation in Deutschlands Krankenhäusern ist dramatisch. Trotz großer regionaler Unterschiede droht vielerorts der Kollaps.

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Die vierte Corona-Welle führt in Deutschland nicht nur zu wiederholten Negativrekorden bei den Neuinfektionen, sondern auch dazu, dass immer mehr Menschen mit COVID-19 im Krankenhaus behandelt werden müssen. Kliniken bundesweit reagieren auf den drohenden Kollaps jetzt mit Besuchsverboten – eine Maßnahme, die eigentlich der Vergangenheit angehören sollte. 

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Krankenhäuser vor dem Kollaps: Kaum noch freie Intensivbetten 

In Deutschland gibt es laut DIVI Intensivregister insgesamt 22.059 Intensivbetten. Davon sind Stand 18. November 19.790 (rund 89%) belegt und 2.439 (rund 11%) frei. Nicht jeder Intensivfall ist eine Corona-Infektion: 3.431 Menschen müssen derzeit aufgrund von COVID-19 intensivmedizinisch behandelt werden, 1.733 davon werden invasiv beatmet. 
Expertinnen und Experten schätzen die Zahl von 4.000 Corona-Intensivpatienten als kritisch ein. Ein Blick auf den Verlauf der Fallzahlen zeigt, wie schnell dieser Wert erreicht werden kann. 

 

DIVI Intensivregister: Besorgniserregende Zahlen

Vor einem Monat (18. Oktober) wurden 1.456 Menschen intensivmedizinisch behandelt. Damals warnten erste Mediziner:innen bereits vor einer deutlichen Zunahme der Intensivfälle. Vor einer Woche (11. November) waren es dann schon 2.828 COVID-19-Intensiverkrankte und nun 3.431 Menschen, die mit Corona auf einer Intensivstation liegen. Anfang Januar hatte die Zahl der COVID-19-Intensivfälle in Deutschland den bisherigen Höchststand von 5.762 Fällen erreicht. 

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Der Anteil der Corona-Erkrankten an der Gesamtzahl der Patientinnen und Patienten in Intensivbetten stieg in der gleichen Zeit von 6,5% (18.10.) auf 15,2% (18.11.). Das gleiche Bild zeigt sich bei der Hospitalisierungsrate, auch Krankenhaus-Inzidenz genannt: Sie stieg innerhalb eines Monats von 1,92 auf 5,30. Der Wert gibt an, wie viele neue Krankenhauseinweisungen pro 100.000 Einwohner:innen und Woche gezählt werden. 

 

Corona-Intensivfälle: Sachsen erreicht Überlastungsstufe

Bundesweit herrschen große regionale Unterschiede, was die Auslastung der Intensivbetten angeht. 

Besonders dramatisch ist die Situation in Sachsen, wo fast 87% der Intensivbetten belegt sind. Nur noch 201 Betten sind frei. Die Krankenhäuser haben die sogenannte Überlastungsstufe bereits erreicht. Dieser Schwellenwert ist in der aktuellen Corona-Schutzverordnung des Landes mit 1.300 belegten Corona-Intensivbetten festgelegt. Am Montag verzeichnete Sachsen 1.391 Intensivfälle, am Dienstag 1.524 und am Mittwoch 1.520. Daraufhin zog die Regierung die Notbremse und setzte verschärfte Corona-Maßnahmen in Kraft. Dazu gehören Kontaktbeschränkungen genauso wie eine 2G-Regelung im Einzelhandel. 

 

Bayern: OPs verschoben, Patientinnen und Patienten verlegt

Ein ähnliches dramatisches Bild zeichnet sich in Bayern ab. Hier sind 88,07% der Intensivbetten belegt. Platz gibt es noch für 430 Patientinnen und Patienten. Fünf von sieben Regierungsbezirken in Bayern verschieben deswegen nicht notwenige Operationen: Ober- und Niederbayern, Schwaben, sowie Mittel- und Oberfranken. 

Zusätzlich versuche man, Intensiverkrankte in andere Bundesländer zu verlegen. Eine Maßnahme, die immer schwieriger wird, die der Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft, Roland Engehausen, betont: "Der Weg nach Baden-Württemberg ist eigentlich bereits geschlossen, weil sich die Kliniken dort der bayerischen Situation annähern. Ob wir in ein paar Wochen noch jemand nach Hessen bringen können, wissen wir nicht. Nach Thüringen und Sachsen braucht man nicht zu fahren und im Süden in Österreich ist die Lage nicht besser als bei uns." 

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Krankenhäuser reagieren: Bundesweite Besuchsstopps

Als Maßnahme gegen den Kollaps greifen immer mehr Krankenhäuser auf ein altbewährtes Mittel zurück: Besuchsstopps. Bereits zu Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland war es Angehörigen von Patientinnen und Patienten untersagt, die Kliniken zu betreten. Jetzt machen Krankenhäuser wieder dicht. 

Zu den von der Maßnahme betroffenen Einrichtungen gehören das Uni-Klinikum München, die Sana-Kliniken in Lübeck und Travemünde, das Uniklinikum Jena (UKJ), die Uniklinik Dresden, das Kreisklinikum im baden-württembergischen Tuttlingen, die Karlsruher ViDia-Kliniken und zahlreiche andere Krankenhäuser. 

Ihre Entscheidung müssen die Häuser dabei nicht von offiziellen Zahlen abhängig machen. "Krankenhäuser entscheiden selbst, ab wann ein Besuchsstopp notwendig ist", erklärt Rainer Poniewaß, der Geschäftsführer der Thüringer Krankenhausgesellschaft. 

 

Zu wenig Personal

Das Problem auf Deutschlands Intensivstationen ist komplex. Es geht nicht nur um die reine Kapazitätsauslastung. Vielmehr verschärft der aktuelle Personalmangel das Problem. 

Mediziner Peter Spieth, Leiter der Corona-Intensivstation am Uniklinikum Dresden, verdeutlicht die Zusammenhänge gegenüber "sächsische.de". Am UK Dresden sind derzeit 20 ITS-Betten belegt und 10 frei. Die 10 freien Betten lassen sich allerdings nicht einfach so belegen, weil Personal fehlt. "Mit jedem neuen Patienten, der jetzt kommt, müssen wir neue Pflegekräfte mobilisieren und in der Klinik Umverteilungen vornehmen", erklärt Spieth. 
Die Personalsituation wird durch zwei Faktoren negativ beeinflusst: Zum einen haben viele Fachkräfte im Druck der Corona-Pandemie ihren Job aufgegeben und zum anderen fallen immer wieder zahlreiche Mitarbeitende krankheitsbedingt aus. 

 

90% Ungeimpfte auf den Intensivstationen

Unten den Warnungen vor der vierten Corona-Welle, die schon im Sommer laut wurden, war auch immer wieder die Redewendung von der "Pandemie der Ungeimpften" zu lesen. Gemeint war damit das Risiko, dass die neue Infektionswelle vor allem jene treffen würde, die sich gegen eine Corona-Schutzimpfung entschieden haben. Diese Warnung hat sich inzwischen bewahrheitet. 
Peter Spieth bestätigt: "Von den aktuell 20 Patienten auf der Intensivstation sind 19 nicht geimpft. Anhand dessen, was wir beobachten, muss man schon eine deutliche Empfehlung für das Impfen aussprechen, weil es wirklich die einzige Chance ist, die Infektion einzudämmen."

Die offiziellen Zahlen geben ihm Recht. Das RKI dokumentierte im Zeitraum vom 1. Februar (KW 5) bis 14. November (KW 45) genau 214.815 Impfdurchbrüche, bei denen vollständig geimpfte Personen an SARS-CoV-2 erkrankten. Bei über 56 Millionen Zweitimpfungen bis zum 12. November ergibt das eine Impfdurchbruchsquote von sehr niedrigen 0,38 Prozent. 

Es bleibt zu hoffen, dass sich in Zukunft wieder mehr Menschen impfen lassen, um die vierte Welle zu brechen und damit auch die Krankenhäuser vor einem Kollaps zu bewahren. 

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Quellen:
DIVI Intensivregister, in: intensivregister.de
Dramatische Entwicklung – viele Krankenhäuser machen für Besucher dicht, in: welt.de
Bayerns Kliniken senden Hilferuf wegen Corona-Überlastung, in: spiegel.de
Sachsen: Krankenhäuser erreichen Corona-Überlastungsstufe, in: berliner-zeitung.de
Am Limit: Intensivmediziner berichtet im CoronaCast, in: saechsische.de

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