Krank durch Stress: Diese Krankheiten können entstehen

Sarah Schwiete Medizinredakteurin

Krank durch Stress: Immer häufiger sind Menschen davon betroffen – auch weil Arbeit und Freizeit zunehmend miteinander verschmelzen. Diese Erkrankungen sind auf Überlastungen zurückzuführen.

Inhalt
  1. Krank durch Stress: Wie kommt es dazu?
  2. Unterschied Distress und Eustress
  3. Welche Krankheiten können durch Stress entstehen?
 

Krank durch Stress: Wie kommt es dazu?

Krank durch Stress? Das ist leider keine Seltenheit mehr, denn immer mehr Menschen leiden unter Stress bei der Arbeit und sogar in der Freizeit: Die Anforderungen, die an uns gestellt werden oder die wir auch selbst an uns stellen, werden immer größer und setzen uns zunehmend unter Druck. Und das geht zulasten unserer Gesundheit. Die Weltgesundheitsorganisation erklärte Stress sogar zu einer der größten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts.

Zahlreiche Studien belegen, dass Stress viele unterschiedliche Krankheiten begünstigen kann. Bereits bestehende Krankheiten können durch Stress sogar noch negativ beeinflusst werden.

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Stress entsteht im Kopf. Wie man auf stressige Phasen reagiert, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Manche reagieren eher ängstlich, andere fühlen sich durch Stress geradezu herausgefordert. Wenn aber das Gefühl aufkommt, dass einem alles über den Kopf wächst oder man der Situation hilflos ausgeliefert ist, kann eine Negativ-Spirale beginnen. Angst und ein Ohnmachtsgefühl werden größer, der Druck steigt und der Teufelskreis geht los.

 

Unterschied Distress und Eustress

Bei Stress muss man daher zwischen Distress und Eustress unterscheiden. Während es sich bei Distress um negativen Stress handelt, wird Eustress als positiver Stress bezeichnet.

Distress sorgt dafür, dass man sich angespannt, gereizt, verstimmt und schließlich erschöpft fühlt – diese Stress-Form macht im wahrsten Sinne des Wortes krank.

Eustress kann sich dagegen positiv auf den Körper auswirken, da die Ausschüttung von Stresshormonen den Körper bis zu einem gewissen Punkt leistungsfähiger macht, wie es beispielsweise bei Sportlern vor einem Wettkampf der Fall ist.

Im Video verraten unsere Experten, was gegen Erfolgsdruck und Stress hilft:

 

Welche Krankheiten können durch Stress entstehen?

Einige der folgenden Krankheiten werden direkt durch ein Übermaß an Stress ausgelöst, andere durch Stress begünstigt.

Zähneknirschen und Kieferschmerzen

Manchmal kann der Körper Stress besser verarbeiten, wenn er ihn buchstäblich noch einmal durchkaut. Wer Stress, Ärger und Sorgen mit ins Bett nimmt, neigt zum Zähneknirschen. Das Problem dabei ist jedoch: Zahnschmelz wird abgerieben, Zähne können schmerzempfindlich werden, Risse in der Zahnoberfläche entstehen und Kronen sogar abplatzen. Aber nicht nur die Zähne leiden. Kieferschmerzen und Muskelverspannungen im Kiefer, die manchmal bis in Nacken, Schultern und Rücken ausstrahlen, können auftreten. Auch die sogenannte craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) kann eine Folge sein – eine Störung des Kausystems. Beim Zähneknirschen wirken enorme Kräfte. Das Kiefergelenk kann sich auf Dauer verschieben und Ober- und Unterkiefer passen nicht mehr richtig zusammen. Wer nachts mit den Zähnen knirscht, bekommt meist vom Zahnarzt eine sogenannte Aufbissschiene angepasst. Sie dient als Barriere zwischen Ober- und Unterkiefer, da die Zahnreihen so nicht mehr aufeinander aufliegen. Außerdem schützt sie die Zähne vor Abrieb. Bei Kieferschmerzen kann der Zahnarzt zusätzlich auch Kiefermassagen verschreiben.
Um Kieferschmerzen und nächtliches Knirschen zu vermeiden, sollte vor dem Schlafengehen gedanklich mit dem Tag abgeschlossen werden. Die Ereignisse des Tages können sich z. B. bei einem kleinen Abendspaziergang oder beim Baden bewusst noch einmal vor Augen geführt werden, das hilft beim Verarbeiten und sorgt für entspannte Nächte.

Muskelverspannungen

Cortisol und Adrenalin sind die beiden Stresshormone, die den Körper in Stresssituationen regelrecht fluten. Dadurch wird auch die Muskelspannung gesteigert. Können diese Stresshormone nicht abgebaut werden, verhärten sich die Muskeln. Nacken und Schultern sind besonders häufig davon betroffen. Kann man durch Stress hervorgerufenen Nacken- und Schulterschmerzen vorbeugen? Ja, und zwar indem täglich ein 10-minütiges Muskel-Work-out durchgeführt wird. Kniebeugen und Damenliegestütze eignen sich dafür sehr gut. Muskeln, die trainiert werden, bauen Stresshormone ab, werden gut durchblutet und lockern sich gleichzeitig. Die einsetzende Entspannung ist sofort spürbar.

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Hautunreinheiten

Wem Stress zu schaffen macht, dem kann man es oft im Gesicht ansehen. Stress fördert das männliche Hormon Testosteron und kann – auch bei Frauen – die Talgdrüsen regelrecht anfeuern. Ein Pickel nach dem anderen entsteht. Was kann man dagegen tun? Weg mit Gesichtswassern. Reinigen Sie Ihr Gesicht stattdessen mit einer pH-neutralen Waschemulsion. Auch medizinische Cremes können bei diesem speziellen Hautproblem helfen. Fragen Sie dazu Ihren Apotheker.

Herpes

Ein Kribbeln an der Lippe oder ein hartnäckiges Spannen – so kündigt sich häufig Herpes an. Bei Herpes handelt es sich um eine sogenannte persistierende Erkrankung, die immer wieder auftreten kann. Auslöser für die unschönen Bläschen, die meistens an der Lippe auftreten, gibt es viele. Das können unter anderem Sonneneinstrahlung, ein Infekt oder Stress sein. Diese Faktoren schwächen das Immunsystem, sodass es sich nicht mehr gegen die Viren zur Wehr setzen kann. Je eher dann gehandelt wird, desto besser stehen die Heilungschancen. Mittel aus der Apotheke bekämpfen mit den Wirkstoffen Penciclovir oder Aciclovir den Herpes. Auch Zink kann dabei helfen, die Herpes-Viren am Ausbruch zu hindern, da es das Immunsystem stärkt.

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Erhöhter Blutdruck, Infarkt, Schlaganfall

Fast 30 Millionen Menschen in Deutschland leiden laut der Deutschen Hochdruckliga unter Bluthochdruck. Ist der Blutdruck nicht richtig eingestellt, kann er auf Dauer großen Schaden an den Gefäßen anrichten und zu schweren Folgekrankheiten wie Herzkrankheiten, Schlaganfällen oder Schäden an Augen und Nieren führen.
Stress ist der größte Risikofaktor für Bluthochdruck, denn unser Körper schüttet durch die permanente Anspannung ständig Adrenalin aus. Folge: Unsere Blutgefäße ziehen sich zusammen, der Blutfluss wird gehemmt, Bluthochdruck entsteht. Aber auch Faktoren, für die gestresste Personen womöglich zugänglicher sind, wie Rauchen und Alkoholkonsum, unausgewogene Ernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht, können Bluthochdruck begünstigen.
Um durch Stress verursachten Bluthochdruck zu bessern, ist es ratsam – neben einer eventuellen medikamentösen Behandlung des Bluthochdrucks – Maßnahmen umzusetzen, um das Stresslevel zu senken. Ein Punkt, den jeder selbst in den Alltag integrieren kann: Kleine Pausen zwischendurch (zumindest fünf Minuten jede Stunde) lassen uns kurz durchatmen und neu fokussieren.

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Asthma

Asthmatische Beschwerden können durch Stress bei Asthma-Patienten verstärkt und bei gesunden Personen sogar hervorgerufen werden. Um eine Verstärkung von asthmatischen Beschwerden zu vermeiden, sollte daher möglichst versucht werden, Stresssituationen bewusst und regelmäßig zu unterbrechen. Entspannungsübungen (autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Atemübungen) oder Sport eignen sich hierfür besonders gut, da Stress so nicht nur mental, sondern auch körperlich abgebaut werden kann.

Neurodermitis

Bei Menschen, die unter Neurodermitis leiden, neigt die Haut häufig zu Entzündungen, da sie chronisch gestresst ist. Extremer Juckreiz sorgt dafür, dass viele Betroffene sich die Haut regelrecht wund und blutig kratzen. Für Neurodermitis-Patienten ist es daher besonders wichtig, diesem Drang kratzen zu müssen, früh und effektiv gegenzusteuern. Ungesunde Ernährung, Schlafstörungen, aber auch Stress können die Symptome zusätzlich verstärken. Daher gilt es, möglichst alles zu versuchen, was zur Linderung der Symptome beitragen kann. Dazu zählen z.B. Entspannungsübungen (Yoga oder progressive Muskelentspannung). Im Akutfall hilft es, feuchte, kühlende Umschläge (beispielsweise mit schwarzem oder grünem Tee) auf die betroffenen Hautstellen legen. Ebenso kann kaltes Abduschen akuten Juckreiz lindern. Wärme besser meiden, da diese den Juckreiz zusätzlich verstärken kann.

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Husten und Schnupfen

Das Immunsystem reagiert sofort auf Stress. Die Folge: Viren haben leichtes Spiel und ganz schnell sind Husten und Schnupfen da. Studien haben auch gezeigt, dass Stress anfälliger für Allergie-Schübe macht, besonders für Heuschnupfen. Kann man etwas dagegen tun? Bewegung an der frischen Luft, z.B. ein 30-minütiger Spaziergang, bewirkt viel bewirken. Dabei entspannt sich der Geist endlich mal wieder und gleichzeitig werden die Abwehrkräfte gestärkt.

Tinnitus

Ursache für einen Tinnitus ist eine mangelnde Durchblutung im Innenohr. Und dafür gibt es mehrere Auslöser, z.B. Arthrose oder Fehlstellungen der Halswirbelsäule und Kiefergelenke. Aber auch Krankheiten wie Grippe und Gürtelrose können für die plötzliche Hörminderung verantwortlich sein. Ein Hauptgrund für Tinnitus ist jedoch starke seelische Belastung. Kleinste Gefäße im Ohr können unter Einfluss des ausgeschütteten Stresshormons Cortisol verkrampfen. Dadurch werden die empfindlichen Sinneszellen, die am Hörvorgang beteiligt sind, irritiert. Die Folge: Durch die fehlerhafte Signalverarbeitung im Gehirn entstehen bei betroffenen Patienten Ohrgeräusche.
Neben der medikamentösen Behandlung ist vor allem eins ganz wichtig: Entspannung. Also rauf auf die Yoga-Matte oder auf zum Waldspaziergang, denn auch Bewegung hilft. Da Forscher einen Zusammenhang zwischen Stress und Tinnitus vermuten, tut alles gut, was entspannt. Halten Sie also täglich ruhig ein paar Minuten bewusst inne.

Angstgefühle und Schlafstörungen

Fast ein Viertel der Deutschen leidet laut Studien oft oder sogar regelmäßig unter Ängsten oder dem Gefühl von innerer Unruhe. Die Ursache ist meistens Stress. Die Gedanken kreisen, Sorgen werden größer und der Schlaf wird beeinträchtigt. Was kann man tun, um das Gedankenkarussell zu stoppen? Experten fanden heraus, dass das Öl von Arzneilavendel positiv auf den Körper wirkt. Die Inhaltsstoffe Linalool und Linalylacetat wirken beruhigend und lösen nachweislich Ängste. Reizsignale im Gehirn können besser gefiltert werden. Das bringt einen gesunden Schlaf zurück. Auf chemisch-synthetische Schlafmittel sollten Betroffene nur im Notfall zurückgreifen – es besteht die Gefahr einer Gewöhnung oder sogar Abhängigkeit. Außerdem verändern viele dieser Mittel die Schlafarchitektur und die Nachtruhe wird dadurch weniger erholsam.

Quellen:

Asthma Atemübungen, in: daab.de (Deutscher Allergie- und Asthmabund)

Stress verdoppelt Asthma-Risiko, in: lungeninformationsdienst.de

Der Körper unter Spannung, in: thieme.de

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