Krallen- und Ballenzeh: Muss mein Fuß wirklich operiert werden?

Fußchirurg stellt Diagnose bei Hallx valgus
Ein Fußchirurg ist der richtige Ansprechpartner für die sichere Diagnose eines Hallux valgus © Fotolia

Wie wichtig unsere Füße sind, wird einem oftmals erst bewusst, wenn Schmerzen oder Erkrankungen auftreten. Krallen-, Ballenzeh und Co. gehören zu den häufigsten Fußerkrankungen. Doch spezialisierte Chirurgen können Betroffenen helfen.

Pumps trug Karin G. für ihr Leben gern. Sie sehe darin so elegant aus, fand sie. Zu fast jeder Gelegenheit trug sie die hochhackigen Schuhe. Dass abends die Füße schmerzten, gehörte für sie einfach dazu. Auch dass sich die zweiten Zehen an beiden Füßen langsam verkrümmten, nahm die 40-Jährige in Kauf. Erst als sich auf den gekrümmten Zehen schmerzende Hühneraugen bildeten, war das für Karin G. nicht mehr nur ein kosmetisches Problem.

 

Schmerzende Hühneraugen

Sie ging also zu einem auf solche Leiden spezialisierten Arzt, einem Fußchirurgen. Der erkannte in ihren Beschwerden sofort einen sogenannten Krallenzeh. Das ist zusammen mit dem nahezu identischen Hammerzeh eine der häufigsten Fußerkrankungen überhaupt.

Beim Krallenzeh werden das Mittel- und Endgelenk eines Zehs gebeugt, er wölbt sich nach oben. Beim Hammerzeh dagegen ist nur das Endgelenk übermäßig gebeugt. Die Zehenspitze zeigt wie ein Hammerkopf nach unten. Sehr oft treten beide Erkrankungen zusammen mit einem Ballenzeh oder einem Spreiz- oder Senkfuß auf.

 

Meist hilft nur eine OP

"Hühneraugenpflaster können bei einer solchen Erkrankung die Beschwerden meist nur lindern", sagt Dr. Hartmann Knipp, Fußchirurg aus Grebenhain. Auch Maßnahmen wie Zehengymnastik oder das Tragen weiter Schuhe halten das Problem nicht auf. Werden die Beschwerden größer, hilft meist nur noch eine Operation. Damit sollten die Betroffenen nicht zu lange warten. Denn: "Durch die starken Schmerzen bei Fußerkrankungen schonen sich die Patienten oft extrem", sagt Dr. Knipp. Dieser Bewegungsmangel kann zu Folgebeschwerden wie Durchblutungsstörungen, Knochenschwund (Osteoporose) und erhöhter Sturzanfälligkeit führen.

So wird ein Hammerzeh gerichtet

In einem frühen Krankheitsstadium reicht es oft schon, die verkürzten Sehnen zu durchtrennen oder zu verlängern. Ist der Zeh bereits steif, wird ein Teil des Mittelgelenkes entfernt und die Zehe so gestreckt. Bei der häufigsten OP-Methode wird das Ganze dann mit einem Draht stabilisiert. Dieser Draht ragt nach vorn aus dem Zeh heraus und wird nach einigen Wochen schmerzlos entfernt. Bei einem neueren Verfahren wird kein Draht mehr, sondern ein Implantat aus Metall in den Zeh eingesetzt. Es bleibt dauerhaft im Fuß. Das Gelenk bleibt nach der Operation zwar steif, beeinträchtigt Sie aber in der Regel nicht beim Laufen.
 

Hohe Schuhe quetschen ein

Ungeeignete hohe Schuhe verstärken die Beschwerden. In ihnen rutscht der Fuß nach vorn, die Zehen werden zusammengedrückt. Wer möglichst oft barfuß läuft oder weite, flache Schuhe trägt, kann verhindern, dass sich einer oder mehrere der kleineren Zehen verkrümmen. Auf dem Mittelgelenk können sonst schmerzhafte Druckstellen entstehen. Versteifen die betroffenen Zehen, können die Beschwerden auf die Zehengrundgelenke übergreifen und Schmerzen unter dem Fuß auslösen. Spätestens dann ist eine OP unumgänglich.

 

Zwei Wochen schonen

Und je länger Sie den Eingriff hinausschieben, desto komplizierter wird er. Im Normalfall kann man nach einer Fuß-OP noch am selben Tag wieder aufstehen. So erging es auch Karin G. Zwei Wochen lang musste sie ihren Fuß noch in einem Spezialschuh schonen. Dann war alles verheilt. Nun möchte die Sekretärin schnellstmöglich ihren zweiten Fuß operieren lassen.

 

Die häufigsten Fußerkrankungen

Ballenzeh: Der Mittelfußknochen der Großzehe steht ab. Hornhaut, Schmerzen und Gelenkverschleiß entstehen. Bei einer OP werden die Knochenwucherungen entfernt, die Gelenkkapsel gestrafft und verkürzte Sehnen gelöst.

Senk- oder Plattfuß: Bei dieser sehr häufigen Fehlstellung ist das Fußgewölbe abgeflacht oder liegt voll auf dem Boden auf. Manchmal reichen Einlagen. Ist der Plattfuß stark ausgeprägt, sollte ihn sich ein Facharzt ansehen und entscheiden, ob operiert werden muss.

Fersensporn: Ein "durchgetretenes" Fußgewölbe führt zu einer Verknöcherung an der Ferse. Die wichtigste Hilfe sind spezielle Einlagen. Bei akuten Beschwerden: Schmerzmittel. Oftmals hilft auch die Stoßwellen-Therapie.

Schneiderballen: Diese Erkrankung ähnelt dem Ballenzeh, tritt aber an der Kleinzehe auf. Auch hier hilft meist nur eine OP, bei der überschüssige Knochensubstanz abgetragen wird.

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