Kosten einer künstlichen Befruchtung – wer übernimmt was?

Michelle Kröger
Paar mit Schwangerschaftstest
© monkeybusinessimages
Inhalt
  1. Was kostet eine künstliche Befruchtung? 
  2. Voraussetzungen für die Kostenübernahme der Krankenkassen
  3. Informieren lohnt sich: Angebote in Satzungsleistungen
  4. Kostenübernahme durch die private Krankenkasse
  5. Finanzielle Unterstützung von Bund und Ländern
  6. Wie hoch ist die Förderung?

Die Kosten für eine künstliche Befruchtung fallen meistens sehr hoch aus. Wir verraten, welche Ausgaben von der Krankenkasse oder dem Bund erstattet werden und welche Bedingungen Sie dafür erfüllen sollten. 

Der Kinderwunsch ist groß, doch er kann auch nach vielen Versuchen nicht erfüllt werden: Das ist leider keine Seltenheit. Jedes siebte Paar in Deutschland ist von ungewollter Kinderlosigkeit betroffen. Eine künstliche Befruchtung bietet die Chance, trotzdem schwanger zu werden und Kinder zu bekommen. Doch die Kosten für eine künstliche Befruchtung erscheinen meist zu hoch. Lassen Sie sich nicht abschrecken. Informieren Sie sich über die Erstattungsmöglichkeiten Ihrer Krankenkasse. Denn in manchen Fällen werden Teile oder sogar die gesamte Summe erstattet. Und auch einige Bundesländer fördern künstliche Befruchtungen.

Doch bevor sich Paare für eine künstliche Befruchtung entscheiden, sollten sie sich umfassend über die unterschiedlichen Methoden und auch die Risiken informieren. Vereinbaren Sie einen Beratungstermin in einer Kinderwunschklinik und holen Sie sich alle nötigen Informationen. Auch das Thema der psychischen Belastung sollte eine Rolle spielen. Erst wenn alle Punkte klar sind, sollten die finanziellen Aspekte einer künstlichen Befruchtung geklärt werden. 

Befruchtung einer Eizelle
Die Kosten einer künstlichen Befruchtung können unterschiedlich ausfallen © iStock/Lars Neumann
 

Was kostet eine künstliche Befruchtung? 

Die Kosten einer künstlichen Befruchtung hängen von der angewendeten Methode und dem Anbieter ab. In der Regel sollten Paare jedoch mit mindestens 2000 Euro pro Versuch rechnen. Darin enthalten: ärztliche Betreuung, Durchführung der Befruchtung und notwendige Medikamente. Es ist jedoch anzumerken, dass es meist nicht nur bei einem Versuch bleibt. Nicht jeder Versuch führt auch zu einer Schwangerschaft, deshalb sollten Sie schon vorher höhere Kosten einkalkulieren. 
Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse

Müssen Sie alle Kosten selbst tragen? Nicht unbedingt. Die Kosten einer künstlichen Befruchtung werden bei verheirateten Paaren unter einigen Bedingungen zu 50 % übernommen. Allerdings meist nur bei bis zu drei Versuchen. Die Grundvoraussetzung für eine Kostenbeteiligung ist, dass die Behandlung Aussicht auf Erfolg hat. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenkasse, in welcher Höhe Kosten erstattet werden. 

 

Voraussetzungen für die Kostenübernahme der Krankenkassen

Die Bezuschussung von 50 Prozent durch die gesetzliche Krankenkasse gilt für die ersten drei Versuche einer künstlichen Befruchtung. Zudem müssen die folgenden Voraussetzungen erfüllt werden:

  • Das Paar ist verheiratet. 
  • Der Mann ist zwischen 25 und 50 Jahr alt. 
  • Die Frau ist zwischen 25 und 40 Jahre alt. 
  • Vor Beginn der Kinderwunschbehandlung muss ein Behandlungsplan bei der Kasse eingereicht werden, der auch eine Kostenschätzung beinhaltet. 

Sie haben bereits ein Kind? Das spielt keine Rolle. Die Kosten werden bei Erfüllung der oben genannten Voraussetzungen trotzdem getragen. Verheiratete Paare können die Kosten außerdem steuerlich absetzen. 

Bei einer vorherigen Sterilisation besteht kein Anspruch auf Erstattung der Kosten. Nur, wenn dieser Eingriff aus medizinisch notwendigen Gründen erfolgen musste. 

 

Informieren lohnt sich: Angebote in Satzungsleistungen

Doch es gibt auch gesetzliche Krankenkassen, die bei einer künstlichen Befruchtung mehr Kosten übernehmen als sie eigentlich müssen. Dazu nehmen sie spezielle Angebot in ihre Satzungsleistungen auf: Einige Kassen übernehmen sogar 100 Prozent der Kosten. Dazu müssen jedoch meist beide Mitglieder sein. Fragen schadet nicht: Erkundigen Sie sich am besten auf der Website Ihrer Krankenkasse oder Fragen Sie persönlich nach. Unverheiratete Paare müssen sich leider damit anfreunden, dass sie die Kosten der künstlichen Befruchtung selbst finanzieren müssen. 

Paar beim Arzt
Die ersten drei Versuche einer künstlichen Befruchtung können von der Krankenkasse übernommen werden. © iStock/vgajic
 


Kostenübernahme durch die private Krankenkasse

Wenn der Patient, bei dem Infertilität diagnostiziert wurde, privat versichert ist, bekommt er oftmals 100 Prozent der Kosten einer künstlichen Befruchtung erstattet. Private Krankenkassen übernehmen in der Regel alle Kosten, wenn …

  • das Paar verheiratet ist, 
  • bei der Frau (40 Jahre und älter) die Chance auf eine Schwangerschaft mehr als 15 Prozent beträgt, 
  • bei keinem der Partner eine Sterilisation durchgeführt wurde. 
 

Finanzielle Unterstützung von Bund und Ländern

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend setzt sich dafür ein, Paare bei der künstlichen Befruchtung finanziell zu unterstützen. Doch nicht jedes Bundesland macht mit. Informieren Sie sich deshalb vorher, ob eine Förderung für Sie infrage kommt. 

Eine Förderung erhält, wer …

  • seinen Hauptwohnsitz im Bundesgebiet hat, 
  • dort eine Reproduktionseinrichtung nutzt und
  • die Bedingungen des § 27a SGB V erfüllt:
  • Unfruchtbarkeit wurde durch einen Arzt festgestellt, 
  • attestierte Erfolgsaussicht der Kinderwunschbehandlung,
  • ausschließliche Verwendung von Ei- und Samenzellen,
  • vorherige medizinische wie psychosoziale Beratung,
  • Alter der Frau zwischen 25 und 40, Alter des Mannes zwischen 25 und 50 Jahren.

Hier können Sie sich beim Bundesministerium über Angebote und Fördermöglichkeiten in ihrem Bundesland informieren. 

 

Wie hoch ist die Förderung?

Werden alle Voraussetzungen erfüllt, werden Behandlungen vom ersten bis zum vierten Versuch einer In-vitro-Fertilisation (IVF) und Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) vom Bund gefördert. Nach Abrechnung mit der Krankenkasse erfolgt dieser Zuschuss in Höhe von bis zu 25 Prozent des verbleibenden Eigenanteils. Die Höhe des Bundeszuschusses ist abhängig von den Bedingungen der jeweiligen Landesförderung.
 

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