Kopf mit Eisenstange durchbohrt - ohne bleibende Schäden

Ein Röntgenbild von einem Schädel mit einer Eisenstange
Einem chinesischen Mann fiel eine Eisenstange auf den Kopf und bohrte sich durch seinen Schädel – mit viel Glück überlebte er und trug keine bleibenden Schäden davon © Fotolia

Herr Ho (50) aus China wollte sein Haus abreißen, als eine große Eisenstange auf seinen Kopf fiel und ihn durchbohrte. Er hatte großes Glück – denn er trug keine bleibenden Schäden davon. Teil sieben unserer Reihe.

Der 50-jährige Herr Ho aus der chinesischen Provinz Guanxi war dabei, sein Haus abzureißen, als ihm eine große Eisenstange auf den Kopf fiel. Sie trat an der rechten Stirnseite des Mannes in seinen Schädel ein und auf der linken Seite des Kiefers wieder heraus.

 

 

Nach dem Unfall war er ansprechbar

Als die Rettungskräfte eintrafen, war der Patient ansprechbar und bei klarem Verstand. Zunächst kürzten Feuerwehrleute die Teile der Eisenstange, die aus einem Kopf herausragten, um den Patienten besser transportieren zu können.

 

Im Krankenhaus entfernten Ärzte die Eisenstange in einer komplizierten Operation aus seinem Kopf. Das Erstaunliche: Er trug keinerlei bleibende Schäden davon. Und das liegt wohl allein daran, dass die Eisenstange seinen Kopf in einem besonders „günstigen“ Winkel durchbohrte: Sie verletzte weder sein Gehirn noch andere wichtige Organe wie etwa sein Auge.

 

Hätte die Stange sein Gehirn getroffen, wären seine Überlebenschancen deutlich geringer gewesen – und hätte er überlebt, wären bleibende Schäden wie Lähmungen oder Sprachverlust wahrscheinlich gewesen.

 

 

Der Fall Phineas Gage

Im 19. Jahrhundert hatte es bereits einen ähnlichen Fall gegeben: Der US-Amerikaner Phineas Gage wurde 1848 ebenfalls von einer Eisenstange durchbohrt. Sie trat bei Bauarbeiten unterhalb seines linken Wangenknochens in seinen Schädel ein und in der Stirn wieder heraus.

 

Auch Gage war nach dem Unfall bei Bewusstsein. Bei ihm traf die Stange jedoch den vorderen Bereich des Gehirns. Nach einigen Wochen war er körperlich wiederhergestellt – bis auf sein linkes Auge, das bei dem Unfall zerstört wurde.

 

Doch in der Zeit nach dem Unfall trat eine für seine Ärzte verblüffende Veränderung seiner Persönlichkeit auf: War er bisher ausgeglichen und besonnen, erschien er nach dem Vorfall plötzlich impulsiv, kindisch und unzuverlässig. Damit war ein Krankheitsbild entdeckt, das Mediziner heute als Frontalhirnsyndrom bezeichnen. Es beschreibt eine Verletzung des Stirnhirns, die verschiedene Auswirkungen haben kann – darunter auch Änderungen im Verhalten.

 

Ein ähnlicher Fall mit ähnlichem Ergebnis: Am 8. Januar 2011 feuert ein Attentäter auf die US-Politologin Gabrielle Giffords. Eine Kugel trifft ihren Hinterkopf und durchquert das Gehirn. Nur einen Monat später spricht sie bereits wieder – ein Wunder oder glücklicher Zufall? Erstaunlicherweise passiert es gar nicht so selten, dass Menschen einen Kopfschuss überleben. Doch dafür sind drei Faktoren ausschlaggebend: schnelle medizinische Versorgung, Lage des Schusskanals im Gehirn, die Größe des Projektils. Diese Überlebensformel hat der Abgeordneten das Leben gerettet: 1. Der Attentäter schießt mit einer kleinkalibrigen Waffe (größere Kugeln zerstören zu viel Gewebe). 2. Das 9-mm-Projektil durchdringt die linke Gehirnhälfte, ohne lebenswichtige Bereiche wie Atem- und Kreislaufzentrum zu schädigen. 3. Ein Hirnchirurg führt nur 38 Minuten nach dem Attentat eine lebensrettende Notoperation durch. Gabrielle Giffords liegt drei Tage lang im Koma, dann schlägt sie die Augen wieder auf. Nur wenige Monate später nimmt sie bereits wieder an Kongress-Sitzungen teil.

 

 

Wie schnell muss eine Kugel sein?

Um einen massiven Knochen wie den Schädelknochen zu durchstoßen, muss ein Projektil mindestens auf 288 km/h beschleunigt werden. Diesen Wert erreicht jede Schusswaffe mit Leichtigkeit. Die Glock 17, mit der der Attentäter auf die Abgeordnete Giffords geschossen hatte, feuert Kugeln mit 1.224 km/h ab. Andere Pistolen und Revolver mit größeren Kalibern, wie beispielsweise eine Smith & Wesson M29 .44 Magnum erreichen sogar 1.800 Km/h. Noch schneller werden Gewehrkugeln, die mit bis zu 3.600 Km/h die Mündung des Laufs verlassen. Sie sind fast immer tödlich: Die Wucht ihres Aufpralls kann einen Schädel platzen lassen.

 

Hamburg, 21. November 2015

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