Kontaktlinsen mit Schweineschleim

Verena Elson Medizinredakteurin
Kontaktlinse
Bei Kontaktlinsenträgern mit trockenen Augen fehlt häufig der schützende Gleitfilm zwischen Auge und Kontaktlinse – das kann zu Gewebeschäden führen © iStock

Brennen, Jucken, Reiben – trockene Augen sind besonders für Kontaktlinsenträger ein Problem. Auf der Suche nach einer Lösung sind Münchner Wissenschaftler jetzt fündig geworden – in den Mägen von Schweinen.

Alle fünf bis zehn Sekunden – mit jedem Lidschlag – werden unsere Augen mit Tränenflüssigkeit überzogen. Zu ihrer Aufgabe gehört unter anderem das Feuchthalten von Bindehaut und Hornhaut. Bei Menschen, die an trockenen Augen leiden, mangelt es meist an einem bestimmten „Schmierstoff“ in der Tränenflüssigkeit, dem sogenannten Mucin MUC5AC.

Vor allem für Kontaktlinsenträger kann ein Mangel an Mucin problematisch sein: Ohne den schützenden Gleitfilm zwischen Auge und Linse wird das Gewebe der Hornhaut verletzt. Die Folge: Eine Kornea-Abschürfung, die extrem schmerzhaft ist, nur langsam heilt und das Tragen von Kontaktlinsen für Wochen unmöglich macht. Die Idee der Münchner Forscher um Prof. Oliver Lieleg an der Munich School of BioEngineering: das fehlende Mucin direkt auf die Kontaktlinse aufzubringen.

 

Schweinemägen als Quelle für den neuen Schmierstoff

Um ihre Idee zu verwirklichen, benötigten die Wissenschaftler größere Mengen Mucin – mehr, als sie aus menschlicher Tränenflüssigkeit hätten gewinnen können. Die Lösung für dieses Problem fanden sie in den Mägen von Schweinen: denn in der Magenschleimhaut der Tiere befindet sich Mucin, das in seiner Struktur dem menschlichen Molekül Mucin MUC5AC sehr ähnlich ist.

In Experimenten an einem präparierten Schweineauge testeten die Forscher, wie sich das Schweine-Mucin auf Kontaktlinsen verhält. Ein Problem bei vielen herkömmlich als Schmierstoff verwendeten Substanzen: Durch die chemische Reinigung verlieren sie ihre Gleitfähigkeit. Bei dem aus den Schweinemägen isolierten Mucin ist das nicht der Fall – der Stoff verändert sich durch die Reinigung nicht.

 

Schweine-Mucin schützt Augen vor Gewebeschäden

Bei Betrachtungen unter dem Mikroskop beobachteten die Wissenschaftler, dass keine Gewebeschäden durch Kontaktlinsen mehr auftraten, wenn sie mit Mucin beschichtet waren. „Wir haben festgestellt, dass das Mucin von alleine an dem Linsenmaterial haftet und es deshalb gleitfähig hält“, erklärt Benjamin Winkeljann, Erstautor der Studie.

Aus Sicht der Münchner Forscher würde es ausreichen, die Kontaktlinsen über Nacht in einer Mucinlösung zu lagern. Das sehen die Autoren als klaren Vorteil gegenüber herkömmlichen Präparaten gegen trockene Augen (meist mit dem Wirkstoff Hyaluronsäure), die mehrmals täglich ins Auge getropft werden müssen. Bevor der Schweineschleim als Gleitmittel für Kontaktlinsen auf den Markt kommen kann, sind allerdings noch weitere Tests notwendig.

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