Komplizierte Diagnosen – worauf Sie achten müssen

Zuhören Voraussetzung für Diagnose
Das Zuhören gilt als wichtigste Voraussetzung für eine gute Diagnose © Corbis

Mysteriöse Beschwerden, unklare Symptome – geht es um komplizierte Diagnosen wie beispielsweise Pfeiffersches Drüsenfieber, sind Sie bei diesen Ärzten in guten Händen.

 

Hört Ihr Arzt Ihnen eigentlich zu? Falls nicht, suchen Sie sich einen anderen!

Zuhören gilt deshalb als die Königsdisziplin der Diagnostik. „Die körperliche Untersuchung liefert noch mal 10 Prozent der Diagnosen und die Tests weitere 10 Prozent“, sagt Prof. Sanders. Alle ermittelten Daten zusammen sind das Beweismaterial, das dem Arzt hilft, endgültige Klarheit zu gewinnen. In Constanze Dörings Fall zeigte eine Blutuntersuchung, dass sie unter einer Streptokokken-Infektion leidet. Die Bakterien sind vom Mundraum über das Blut bis zum Herz vorgedrungen und haben dort Rhythmusstörungen ausgelöst. Hochdosierte Antibiotika retteten Dörings Leben in letzter Minute.

 

Suchen Sie sich einen Arzt, der sich Zeit nimmt. Bei komplizierten Diagnosen sind 5 Minuten zu wenig!

Findet der erste Arzt, den Sie aufsuchen, nichts, sollten Sie eine zweite Meinung einholen. Das hat auch Andreas Beckmann getan. Erst ein Internist entdeckte den Auslöser. Mittels einer ph-Messung in der Speiseröhre stellte er fest, dass Andreas Beckmann unter einem sogenannten stummen Reflux leidet, bei dem der Magensaft über die Speiseröhre bis zum Kehlkopf fließt. Ein solcher Reflux fühlt sich nicht an wie Sodbrennen und wird deshalb oft nicht erkannt. Häufigstes Symptom sind chronische Heiserkeit, Räusperzwang und Hustenanfälle.

 

Patienten sollten selbstbewusst auftreten, denn sie sind Experten für Ihre Beschwerden.

Patienten unterschätzen häufig ihre Rolle im Diagnose-Prozess. Probleme werden dann am besten gelöst, wenn Mediziner und Kranke eng zusammenarbeiten. „Natürlich ist der Arzt der Spezialist, wenn es darum geht, eine Krankheit zu diagnostizieren und zu behandeln. Aber die Patienten sind die Experten für ihren Körper und ihre Krankheiten“, sagt Prof. Sanders. Hier die wichtigsten Symptome, die jeder von uns kennen sollte – und was sich dahinter verbergen kann:

 

Symptome: Knubbel und tastbare Verdickungen

Es könnte sich um einen geschwollenen Lymphknoten handeln. Schmerzen die verdickten Lymphdrüsen oder sind druckempfindlich, steckt meistens ein Infekt oder eine Allergie dahinter. In Kombination mit heftigen Halsschmerzen besteht der Verdacht auf das Pfeiffersche Drüsenfieber. Wenn eines der folgenden Warnzeichen auftritt, ist Vorsicht geboten: Vergrößerung auf mehr als zirka zwei Zentimeter, schmerzlose Schwellungen oder das Fehlen der üblichen Ursachen (Grippe oder andere Infektionen). Dahinter kann ein Tumor stecken. Experten: Endokrinologe, Radiologe, Neurologe, Internist.

Halsschmerzen Zeichen für Pfeifferisches Drüsenfieber
Verdickte Lymphdrüsen in Verbindung mit Halsschmerzen können ein Zeichen für Pfeiffersches Drüsenfieber sein© Fotolia
 

Symptom: Atemnot

Beim Treppensteigen und bei intensiven Belastungen wird die Luft knapp. Diagnose: Diese Kurzatmigkeit entsteht durch Überlastung der Atemmuskulatur. Meist handelt es sich um eine normale Konditionsschwäche. Aber: Tritt auch im Liegen Atemnot auf, liegt eventuell eine akute Herzschwäche mit Lungenstauung vor. Nimmt die Kurzatmigkeit im Ruhezustand zu, statt sich zu bessern, kann dies ein Anzeichen für eine schwerwiegende Erkrankung (Herzinfarkt, Lungenembolie) sein. Experte: Sofort den Notarzt rufen! Und ab in die Kardiologie.

 

Symptom: Bauchschmerzen

Typische Auslöser von Beschwerden im Oberbauch sind Reizmagen, Sodbrennen oder Zwölffingerdarm-Geschwüre. Aber: Schmerzen können auch das erste Anzeichen für eine Blinddarmentzündung sein – und die wird vor allem bei älteren Patienten oft nicht erkannt. Ein Hinweis ist der sogenannte Loslass-Schmerz – wenn man den Bauch links eindrückt und es beim Loslassen wehtut, ist der Blinddarm wahrscheinlich entzündet. Diagnose: Abtasten des Bauches, Blutuntersuchung auf einen vermehrten Anteil weißer Blutkörperchen, die auf eine Entzündung schließen lassen. Außerdem durch Ultraschalluntersuchung des Bauches. Experten: Internist, Radiologe.

 

Symptom: Kopfschmerzen

Bei 92 Prozent handelt es sich um Spannungskopfschmerzen oder Migräne. In den anderen Fällen werden die Beschwerden durch ein Trauma verursacht (Gehirnerschütterung, Verletzungen der Halswirbelsäule oder Ähnliches), sind die Folge einer Infektion (etwa Grippe, Hirnhautentzündung) oder werden durch Medikamente ausgelöst. Aber auch Gefäßschäden, wie die krankhafte Erweiterung einer Arterie (Aneurysma), können hier verantwortlich sein. Besonders gefährlich sind systemische Gefäßentzündungen, die häufig mit Migräne verwechselt werden. Bei älteren Menschen sind die Schläfenarterien (Arteriitis cranialis) davon betroffen. Unbehandelt besteht das Risiko, zu erblinden. Diagnose: Biopsie (Gewebeentnahme), MRT, Ultraschall, Labortests. Experten: Schmerztherapeut, Radiologe, Neurologe.

 

Symptom: Plötzliches Herzrasen

Meist ein Zeichen für Stress. Auslöser können aber auch eine Herzrhythmusstörung oder eine Entzündung sein. Letztere wird häufig durch eine Zahnfleischentzündung (Parodontitis) ausgelöst. Hintergrund: Keime, die Entzündungsprozesse und damit Ablagerungen in den Arterien fördern (Arteriosklerose), geraten in die Blutbahn. Diagnose: Ultraschall, Elektrokardiogramm (EKG), Labortests. Experten: Kardiologe, Internist.

 

Symptom: Schmerzempfindliche Zähne

Reagieren die Zähne auf Wärme- und Kältereize mit Schmerzen, steckt dahinter meist eine Parodontitis. Es kann jedoch auch eine nicht entdeckte Zuckererkrankung (Diabetes) das Symptom auslösen. Diagnose: Klarheit bringt ein Zuckerbelastungstest. Experten: Internist, Endokrinologe.

 

Symptom: Schlafstörungen, Unruhe

Natürlich ist Stress der häufigste Auslöser. Aber in vielen Fällen liegt auch eine Fehlfunktion der Schilddrüse vor. Die Anzeichen hierfür werden oft fehlgedeutet, weshalb Ärzte bis zu drei Jahre für die richtige Diagnose brauchen. Diagnose: Messung des Hormonspiegels im Blut. Experten: Endokrinologe, Schilddrüsenexperte.

 

Symptom: Anhaltende Nackenschmerzen

Chronische Nackenschmerzen werden in den meisten Fällen durch Verspannungen ausgelöst. Strahlen sie vom Kopf herab, kann sich dahinter aber auch eine nicht erkannte Bluthochdruckerkrankung verbergen. Über Nervenbahnen ist der Nacken mit den Gehirnregionen des Nucleus tractus solitari verbunden. Dieser Teil des Gehirns reguliert unseren Blutdruck. Diagnose: Langzeitmessungen des Blutdrucks (über 24 Stunden). Experten: Internist, Kardiologe, Neurologe.

 

Symptom: Schmerzende Beine mit Taubheitsgefühlen

Vermutet wird meist ein Venenleiden. Der häufigste Auslöser ist jedoch ein Bandscheibenvorfall. Dabei drückt der ausgetretene Bandscheibenkern gegen das Rückenmark oder gegen Nervenwurzeln. Diagnose: MRT. Experten: Radiologe, Orthopäde, Neurologe.

 

Symptom: Fingerkribbeln, bleierne Müdigkeit

Wird häufig als Nervenleiden interpretiert. In 70 Prozent aller Fälle liegt jedoch eine Schilddrüsenunterfunktion vor. Der Stoffwechsel funktioniert nur noch in Zeitlupe. Die schlechten Blutwerte erhöhen das Risiko einer Arterienverkalkung. Diagnose: Blutuntersuchung im Labor, Hormontest, Szintigrafie. Experten: Internist, Endokrinologe, Nuklearmediziner.

 

Symptom: Taube Zeige- und Mittelfinger

Was nach einer Sehnenscheidenentzündung klingt, ist meist ein Karpaltunnelsyndrom (zusammengedrückter Handnerv). Typisch: Häufig schlafen die Hände nachts ein. In seltenen Fällen kann sich dahinter aber auch ein Tumor verbergen. Diagnose: Messung der Nervenleitgeschwindigkeit und Ultraschall. Experten: Neurologe.

 

Symptom: Das Herz rast, die Luft wird knapp, das Gesicht schwillt an

Bei diesen Symptomen besteht dringender Verdacht auf eine Histamin-Unverträglichkeit. Fehlt ein bestimmtes Enzym, wird der Stoff nicht abgebaut. Es kommt zu allergischen Reaktionen. Diagnose: Haut- und Bluttests. Experten: Kardiologe, Internist, Allergologe.

 

Symptome: Schmerzende, geschwollene Kniegelenke

Gelenkentzündungen, die sich durch starke Schmerzen und Hautschwellungen bemerkbar machen, in Schüben auftreten und abwechselnd verschiedene Gelenke betreffen, werden meist als Rheuma eingestuft. Sie können aber auch ein Hinweis auf eine nicht entdeckte Borreliose-Erkrankung sein. Diese wird durch Zeckenbisse ausgelöst. Diagnose: Blutuntersuchung, anschließend 14-tägige Antibiotika-Einnahme in Form von Spritzen. Experten: Immunologe, Internist, Rheumatologe.

 

Symptom: Ständig eiskalte Füße

Klingt harmlos, dahinter können jedoch Durchblutungsstörungen stecken. Die Gefahr: Gefäßveränderungen können Gewebe und Teile der Füße (Zehen) absterben lassen. Diagnose: Mit dem Allen-Test (Messung der Durchblutungsgeschwindigkeit) werden Gefäßveränderungen nachgewiesen. Experten: Internist, Neurologe.

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