Kommt jetzt das Viagra für Frauen?

Eine Ärztin zeigt einer Patientin Pillen
Kommt jetzt die Viagra für die Frau? Darüber diskutiert die FDA zurzeit. Es wäre das erste Medikament, dass Frauen zu mehr Befriedigung verhelfen würde © Fotolia

Es wurde heiß diskutiert und jetzt haben Experten der US-amerikanischen Food & Drug Administration (FDA) für seine Zulassung gestimmt: das luststeigernde Mittel Flibanserin für Frauen. Hier erfahren Sie, warum die „pinke Pille“ so umstritten ist.

Zweimal hat die FDA sich bereits gegen die Zulassung des Wirkstoffs „Flibanserin“ zur Luststeigerung bei Frauen entschieden. Jetzt hat zum dritten Mal ein Expertengremium abgestimmt – und sich mit 18 zu sechs Stimmen für das Viagra für Frauen entschieden. Das bedeutet: Die Experten sprechen sich für seine Zulassung aus – die FDA muss sich nicht nach dieser Empfehlung richten, tut es aber in den meisten Fällen.

Flibanserin wurde ursprünglich als Antidepressivum von einem deutschen Hersteller entwickelt. In der Testphase des Medikaments stellte sich heraus, dass es bei vielen weiblichen Testpersonen eine luststeigernde Wirkung hatte – sie berichteten über mehr und erfüllendere sexuelle Erlebnisse.

 

Nebenwirkungen bei Flibanserin

Der Grund, warum das Mittel nicht gleich bei der ersten Prüfung als „Viagra für Frauen“ zugelassen wurde: Seine möglichen Nebenwirkungen – darunter Schwindel, Übelkeit, niedriger Blutdruck und Ohnmachtsanfälle – stünden in keinem Verhältnis zur erhofften Wirkung. Inzwischen wurde der Wirkstoff von einem US-amerikanischen Pharma-Unternehmen aufgekauft.

 

Frauenrechtler pro Viagra für Frauen

Die Zulassung des „Viagra für Frauen“ hat viele Befürworter: In einer Online-Petition stimmten mehr als 60.000 Menschen dafür – darunter viele Frauenrechtler. Ihr Argument: Männern stehen viele medikamentöse Möglichkeiten zur Verfügung, gegen ihre sexuellen Funktionsstörungen anzugehen, und auch diese bringen zahlreiche Nebenwirkungen mit sich. Aus feministischer Sicht ist es diskriminierend, Frauen mit mangelndem sexuellem Verlangen diese Möglichkeit vorzuenthalten – damit werde der männliche Wunsch nach einer intakten Sexualität ernster genommen als der von Frauen.

Doch es gibt auch Gegenstimmen: So weisen einige Kritiker auf den zentralen Unterschied zwischen Viagra für Männer und Flibanserin hin: Während ersteres am Geschlechtsorgan wirkt und nur eingenommen werden muss, wenn es akut benötigt wird, muss Flibanserin täglich eingenommen werden und wirkt sich auf das zentrale Nervensystem aus – die Sicherheit eines solchen Mittels bedarf ihrer Meinung nach weiteren Langzeitstudien.

Andere betonen, es sei weitaus wichtiger, die äußeren Umstände im Leben einer Frau zu verbessern, damit ihr sexuelles Verlangen wächst – etwa durch Abbau von Stress. Ein natürliches Mittel, um die Lust auf Sex bei Frauen zu erhöhen, haben Forscher kürzlich in einer Studie herausgefunden – zu den Ergebnissen.

Aufgrund der zahlreichen gesundheitlichen Bedenken machte das Expertengremium seine Zustimmung von Bedingungen abhängig, durch die die Risiken des Medikaments minimiert werden sollen.

Hamburg, 4. Juni 2015

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