Kommt jetzt das erste Genbaby?

Verena Elson Medizinredakteurin
Genbaby
Ein Baby, dessen DNA „optimiert“ wurde – medizinisch ist das jetzt möglich, wie ein revolutionäres Experiment zeigt © iStock

Ein Baby, nach den Wünschen der Eltern zusammengestellt? Medizinisch ist das jetzt möglich, das zeigt ein aufsehenerregendes Experiment. Die ersten genmanipulierten Babys sind damit in greifbare Nähe gerückt.

Möglich machte den großen Durchbruch die sogenannte Genschere CRISPR/Cas. Mit diesem Werkzeug können Forscher gezielt Abschnitte aus der DNA herausschneiden und austauschen. Erstmals ist es Wissenschaftlern nun gelungen, menschliche, lebensfähige Embryos mit einem erblichen Herzfehler zu „reparieren“. Die Forscher veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Arbeit in dem Fachmagazin Nature.

Die Wissenschaftler der Oregon Science and Health University im US-amerikanischen Portland verwendeten Spermien eines Mannes mit einer vererblichen Herzmuskelschwäche für die künstliche Befruchtung von Eizellen im Labor.

 

Genmanipulation erstmals erfolgreich

Die Molekularbiologen waren nicht die ersten, die sich an der Veränderung menschlichen Erbguts versuchten. Die meisten Experimente dieser Art waren jedoch bisher mit nicht lebensfähigen Embryos durchgeführt worden. Nur in einem einzigen Fall waren lebensfähige Embryos verwendet worden – allerdings mit mäßigem Erfolg. Mehr dazu finden Sie im Artikel „In China erschaffen Wissenschaftler Desiger-Embryos." Denn durch den Eingriff ins Erbgut hatten sich Fehler in eigentlich gesunde Abschnitte der DNA eingeschlichen. Außerdem wurden die angestrebten Korrekturen nicht in allen Zellen umgesetzt, sodass eine Mischung aus gesundem und krankem Gewebe entstand.

Um diesen Fehler zu vermeiden, ging das Team um Shouhkrath Mitalipov sein Experiment anders an als Vorgänger: Die Forscher setzten die Genschere nicht nach, sondern während der künstlichen Befruchtung der Eizellen ein – in dem Moment, in dem die Spermien in die Eizellen drangen. Und sie hatten Erfolg: Bei 42 von 58 Embryos gelang es ihnen, den Herzfehler zu korrigieren. Zur unvollständigen Umsetzung der Genkorrektur kam es nur einmal, Fehler an anderen DNA-Abschnitten traten gar nicht auf.

 

Erster Schritt zum Genbaby genommen

Die „reparierten“ Embryos hätten – wären sie von einer Frau ausgetragen worden – zu den ersten genmanipulierten Babys werden können. Die Forscher ließen sie aber nach einigen Tagen absterben. Dennoch steht nach der Veröffentlichung dieser Arbeit fest: Die ersten „Genbabys“ sind in greifbare Nähe gerückt. Doch bevor die Methode im Rahmen der künstlichen Befruchtung eingesetzt werden kann, müssen zahlreiche gesetzliche Hürden genommen werden. Die Diskussion um das CRISPR/Cas-Verfahren bekommt darum nun eine neue Dringlichkeit. Der Eingriff ins menschliche Erbgut ist ethisch hoch umstritten. Kritiker weisen auf die kaum überschaubaren Folgen der Legalisierung der Methode hin. Denn ist sie erst einmal legal, eröffnet sie noch ganz andere Möglichkeiten: Auch kleinere „Mängel“ im Erbgut können theoretisch behoben werden und die Zukunftsszenarien gehen bis hin zur freien Gestaltung des Kindes mit Haar- und Augenfarbe nach den Wünschen der Eltern.

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