Kommt die Mittelalterkrankheit zurück?

Keine Hygiene, kaum Medikamente und mehr Hoffen als Wissen: Die Krätze ist eine Krankheit, von der man gemeinhin glaubt, sie wäre nach dem Mittelalter ausgestorben. Die Meldungen über neue Fälle der Krätze nehmen jedoch zu – und damit die Angst, sich selber zu infizieren. PraxisVITA erklärt, was Sie über den Ausbruch der Krätze und deren Behandlung wissen sollten.

Deutschland droht eine Epidemie: Immer mehr Fälle von Skabies, auch Krätze genannt, werden bekannt.  Diese häufen sich vor allem in Nordrhein-Westfalen. So ist in Duisburg die Zahl von 21 Erkrankten im Jahr 2013 auf 93 in diesem Jahr gestiegen. Noch erschreckender ist die Entwicklung in Aachen, wo die Zahl der Skabies-Fälle von elf in 2013 um 2.873 Prozent gestiegen ist, sodass bis November 2016 bereits bei 316 Erkrankten ein Befall der Skabiesmilbe festgestellt wurde.

 

Was ist Krätze?

Die Hamburger Medizinerin Dr. Nadine Hess definiert die Krankheit so: „Krätze ist in erster Linie eine sehr unangenehme Erkrankung, da sie starken Juckreiz verursacht. Der typische Hautausschlag wird durch sogenannte Krätzmilben verursacht: Die Parasiten bohren sich in die äußere Hautschicht und graben unter der Haut Gänge, in denen sie ihre Eier und Kot ablegen. Diese wiederum lösen eine Reaktion des Immunsystems aus – den stark juckenden, verstreut-beuligen Hautausschlag.“

Kommt die Mittelalterkrankheit zurück?
Unangenehmes Jucken: Nur ein Ekzem - oder doch Krätze? © istock
 

Woher kommt der plötzliche Ausbruch?

Experten streiten sich: Einerseits könnte der vermehrte Ausbruch an dem veränderten Erscheinungsbild der Symptome liegen. Häufig werden die Pusteln, die durch Krätzmilben entstehen, mit einem Ekzem verwechselt und deshalb falsch behandelt. Da Erkrankte meist erst spät den wahren Grund ihres Juckreizes erfahren, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie jemanden anstecken.
Andererseits wird vermutet, dass Krätzmilben eine Resistenz gegen den gängigen Wirkstoff Permethrin entwickelt haben, der in Form einer Salbe zur Behandlung verschrieben wird. Eine Alternative zur Salbe ist der Wirkstoff Ivermectin, der als Tablette eingenommen wird. Er hemmt den Stoffwechsel der Milben so stark, dass eine einzige Tablette ausreicht, um die Parasiten innerhalb von 24 Stunden zu töten. Das Medikament ist erst seit Anfang 2016 auf dem deutschen Markt erhältlich und daher in der Praxis noch nicht weit verbreitet. Bei Milbenbefall sollten Sie Ihren Arzt fragen, welches Präparat für Sie infrage kommt.

 

Wichtig: Hygiene

Auch wenn sich die Hygienezustände seit dem Mittelalter stark verbessert und damit die Verbreitung der Krätzmilbe vermeintlich eingedämmt wurde: Bereits kleine Hygienemängel können zu einer Ansteckung führen. Das geschieht vorrangig durch Hautkontakt und wird dadurch begünstigt, dass ein Befall meist nicht rechtzeitig erkannt wird.

Wäsche heiß waschen

Nach einer Diagnose sollten alle Textilien, bis die Symptome vollständig abgeklungen sind, bei mindestens 60 Grad Celsius gewaschen werden. Ist das nicht möglich, sollten sie zumindest stark abgesaugt und anschließend für 72 Stunden nicht benutzt werden. Staubsauger-Filter und –Beutel werden anschließend entsorgt, damit die Krätzmilben sich nicht erneut verbreiten können.

Fingernägel kurz schneiden

Bereits im Mittelalter ein beliebter Trick: die Fingernägel kurz schneiden. Das schützt davor, dass sich die Krätzmilben unter den Nägeln festsetzen.

Übertragung von Mensch zu Tier

Sobald ein Krätzmilbenbefall bei Ihnen diagnostiziert wird, sollten Sie Ihre Haustiere vorsichtshalber ausquartieren – sie könnten es anstecken. Ein Besuch beim Tierarzt gibt Aufschluss darüber, ob eine Infektion vorliegt und eine Behandlung notwendig ist. Ebenso ist es möglich, dass ein von Krätze befallenes Haustier diese auf Sie überträgt. Meist überleben die Parasiten in dem Fall zwar nicht lang, Sie sollten dies aber dennoch von Ihrem Arzt überwachen lassen.

 

Video: Die Mittelalterkrankheit

 
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