Was tun gegen Kriegsangst? So kann man das Kohärenzgefühl stärken

Der Krieg in der Ukraine macht vielen Menschen Angst. Man fühlt sich ohnmächtig. Doch was tun gegen Kriegsangst? In dieser Situation hilft es, das sogenannte Kohärenzgefühl zu stärken und sich selbst innerlich zu wappnen, denn bei Kriegsangst spielt die Psyche eine große Rolle. Wie es geht.

JW Video Platzhalter
Zustimmen & weiterlesen
Um diese Story zu erzählen, hat unsere Redaktion ein Video ausgewählt, das an dieser Stelle den Artikel ergänzt.

Für das Abspielen des Videos nutzen wir den JW Player der Firma Longtail Ad Solutions, Inc.. Weitere Informationen zum JW Player findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Bevor wir das Video anzeigen, benötigen wir Deine Einwilligung. Die Einwilligung kannst Du jederzeit widerrufen, z.B. in unserem Datenschutzmanager.

Weitere Informationen dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Viele Menschen machen sich wegen des Ukrainekrieges große Sorgen und fürchten sich vor der drohenden Gefahr. Aber was tun gegen Kriegsangst? Sich auch in unsicheren Zeiten sicher und stabil zu fühlen: Das ist das Ziel des Kohärenzgefühls. Es besteht aus drei Komponenten.

Demonstranten mit einem Anti-Kriegsplakat
Gegen Kriegsangst kann es helfen, zu demonstrieren Foto: IMAGO/David Weyand

Was ist das Kohärenzgefühl? Definition nach Antonovsky

Das Kohärenzgefühl ist ein Teil der Salutogenese, ein Konzept zur Entstehung und Erhaltung der Gesundheit, das von dem Medizinsoziologen Aaron Antonovsky (1923-1994) entwickelt wurde. Der Begriff lässt sich auf das lateinische Wort cohaerere (zusammenhängen) zurückführen und beschreibt laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung „die tiefe Überzeugung und Zuversicht von Menschen, dass ihr Leben im Prinzip verstehbar, sinnvoll und zu bewältigen ist.“

Dabei steht das Kohärenzgefühl im engen Zusammenhang mit Selbstwirksamkeit und ist damit eine wichtige Voraussetzung für Resilienz – die psychische Widerstandsfähigkeit, schwierige Lebenssituationen meistern zu können. Wer Geschehnisse kohärent bewertet und sie richtig einordnen kann, erlebt sich selbst als selbstwirksam bzw. bringt die innere Überzeugung auf, herausfordernde Situation gut bewältigen zu können.

Was tun gegen Kriegsangst? Das Kohärenzgefühl stärken für Krisenzeiten

Man kann das Kohärenzgefühl also ein tiefsitzendes Gefühl beschreiben, das einem auch in schwierigen Phasen Orientierung bietet und hilft, mit Herausforderungen zurechtzukommen. Je stärker dieses Gefühl ist, desto leichter kann man Stress im Leben bewältigen.

Es lohnt sich daher besonders in schwierigen Zeiten wie diesen, dieses Gefühl zu stärken, um die aktuellen Geschehnisse einordnen zu können: Nach der Pandemie, die sowohl die Gesundheit wie auch die Psyche stark gefordert hat, sieht sich die Welt aktuell mit einem Krieg konfrontiert, der vielen große Sorgen und Angst macht.

Manche fühlen sich an zurückliegende Kriegserfahrungen erinnert, eigene oder aus Erzählungen. Anderen macht die Nähe des Geschehens Sorgen oder sie fürchten die unabsehbaren wirtschaftlichen Folgen. Das Gefühl der Sicherheit ist massiv erschüttert. Diese Sicherheit gilt es jetzt wiederzuerlangen. Doch wie kann man sich dagegen wappnen, um sich trotz der Gefahren psychisch sicher und stabil zu fühlen? Was hilft gegen Kriegsangst?

Kriegsangst und Psyche: Kohärenzgefühl einfach erklärt am Beispiel Krieg

Kriegsangst – was tun? Das Modell des Kohärenzgefühls besteht nach Antonovsky aus drei Komponenten, mit denen man Krisen wie diese innerlich überstehen und bewältigen kann.

  1. Verstehbarkeit: Zusammenhänge zu begreifen, macht die Geschehnisse erklärbar und man kann sie besser einordnen. Das heißt nicht, alles über den Krieg zwischen Russland und der Ukraine in allen Details wissen zu müssen. Sondern zu verstehen, warum man sich so bedroht fühlt und Angst hat – zum Beispiel, weil man durch Erzählungen von Eltern oder Großeltern erfahren hat, welche verheerende Folgen ein Krieg haben kann. Je mehr Informationen man einholt, sie erklärt und für sich strukturiert, desto mehr Orientierung hat man.

  2. Handhabbarkeit: Das Gefühl, das eigene Leben auch unter schwierigen Bedingungen bewältigen und verändern zu können, gibt Sicherheit. Zwar kann man den Krieg nicht beeinflussen, aber sein eigenes persönliches Umfeld gestalten – zum Beispiel, indem man sich an einer Demonstration gegen den Krieg beteiligt oder an Hilfsorganisationen spendet. Außerdem hilft es, Probleme nicht als unbezwingbare Belastung zu sehen, sondern als Herausforderung, die bewältigbar ist. Man tut etwas und gelangt nicht in die Rolle des ohnmächtigen Opfers.

  3. Sinnhaftigkeit: Das eigene Leben als bedeutsam zu empfinden und Ziele zu haben, ist in Krisenzeiten eine große Motivation und wichtigster Aspekt des Kohärenzgefühls. Die Unterstützung von Geflüchteten ist ein Beispiel. Aber auch der Zusammenhalt im Familien- oder Freundeskreis stärkt die innere Widerstandskraft.

    Dabei sollte man sich auf die Dinge fokussieren, die einem am Herzen liegen und den eigenen Werten entsprechen. Doch es ist auch sehr wichtig, sich Grenzen zu setzen und sich nicht überall zu engagieren – denn dann kann man sich selbst überlasten und erreicht das Gegenteil.

Was tun bei Kriegsangst? Weniger Nachrichten, mehr Kohärenz

Aus diesem Grund sollte man auch beim Medienkonsum vorsichtig sein. Natürlich möchte man sich gut und ausführlich informieren. Doch Kriegsnachrichten in Dauerschleife zu lesen, zu hören oder zu sehen, kann überfordern und die Psyche stark belasten: Man kann an nichts anderes mehr denken, gerät in ein negatives Gedankenkarussell.

Deshalb sollte man sich nur so weit mit dem Neuesten konfrontieren, wie es für einen selbst verkraftbar ist. Vor allem für Menschen, die bereits ein hohes Stresslevel haben oder unter einer psychischen Erkrankung leiden, ist es ratsam, schlechte Nachrichten nur dosiert zu lesen. Wichtig sind Medienpausen, um etwas Abstand zu gewinnen.

Zudem ist es wichtig sich vor Augen zu führen, welche Art von Medien man konsumiert. Eine seriöse und sachliche Berichterstattung trägt eher zu einem sicheren Gefühl bei, da sich die Informationen rational besser einordnen lassen, ohne den emotionalen Stresslevel noch höher steigen zu lassen. So kann man das Kohärenzgefühl weiter stärken, die psychische Belastung in diesen Krisenzeiten in Grenzen halten und damit für sich selbst eine Antwort auf die Frage „Was tun gegen Kriegsangst?“ finden.

Quelle:

Salutogenese in: leitbegriffe.bzga.de