Können Vitamine tödlich sein?

Eine Vitamin-Überdosierung kann schädlich sein
Ein Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen kann krank machen – eine Überdosierung allerdings auch © Fotolia

Getreu dem Motto „Viel hilft viel“ schlucken zahlreiche Verbraucher hoch dosierte Vitaminpräparate. Forscher haben nun erstmals Höchstmengen bestimmt, um einen Vitaminüberschuss zu vermeiden. Aber warum eigentlich? Ist es tatsächlich so leicht, sich mit Vitaminen tödlich zu vergiften?

Vitamine sind organische Verbindungen, die in kleinen Mengen benötigt werden, um Leben zu erhalten. In der Regel werden dem Körper die essenziellen Vitamine (können nicht vom Körper selbst gebildet werden) mit der täglichen Nahrung zugeführt. Bei einseitiger oder unzureichender Ernährung (z.B. durch Diäten) droht jedoch eine Unterversorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Um den Mangel auszugleichen, greifen Verbraucher dann zu Nahrungsergänzungsmitteln – ohne sich der gesundheitlichen Konsequenzen bewusst zu sein.

Hypervitaminose

Vitamine sind gesund. Doch bei Überdosierung können sie gesundheitsschädlich sein und unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen. Mediziner nennen das „Hypervitaminose“. Es ist nahezu unmöglich, durch die tägliche Nahrung zu große Mengen an Vitaminen aufzunehmen. Eine Überdosierung durch Nahrungsergänzungsmittel und Vitaminpräparate ist dagegen häufig.

Wie wichtig der richtige Umgang mit Vitaminen ist, machen Mitarbeiter der Gesundheitsämter immer wieder deutlich. Marissa Puleo, Ernährungsberaterin und Diätassistentin, warnt vor einem Vitaminmissbrauch. „Die Anwendung zu vieler Vitamine und Mineralstoffe kann sich negativ auf den Körper auswirken. Auch wenn die meisten wasserlöslichen Vitamine einfach ausgeschwemmt werden, so bleiben bei einer Überdosierung andere im Körper zurück. Diese Vitamine können schädlich sein und unerwünschte Nebenwirkungen (z.B. Müdigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit, Herzrhythmusstörungen) hervorrufen.“

 

Welches Vitamin führt wann zum Tod?

 

Vitamin C

Vitamin C gehört zu den beliebtesten Vitaminen. Ein Mangel kann Zahnerkrankungen, Akne und Müdigkeit hervorrufen – und im schlimmsten Fall zum Tod führen. Viele Menschen schlucken Vitamin-C-Präparate daher vorbeugend. Auch Ärzte empfehlen das Ergänzungsmittel, um Erkältungen abzuwehren.

Falls Sie keine Erkältung haben oder der Arzt Ihnen Vitaminpräparate verschreibt, leben Sie gesünder, wenn Sie Vitamin C mit der täglichen Nahrung aufnehmen. Besonders Zitrusfrüchte, Beeren und Gemüse, wie z.B. Brokkoli und Rosenkohl, weisen einen hohen Vitamin-C-Gehalt auf. Auch andere Lebensmittel, die auf unserem Speiseplan stehen, wie Müsli oder Getränke, sind mit Vitamin C angereichert  – ohne dass wir uns dessen bewusst sind.

 

Wie hoch ist der Tagesbedarf von Vitamin C?[1]

Der empfohlene Tagesbedarf von Vitamin C liegt laut DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) für:

  • Erwachsene bei 100 Milligramm
  • Raucher bei 150 Milligramm
  • Schwangere bei 110 Milligramm
  • Kinder bei 60 bis 80 Milligramm.
Zitrusfrüchte sind Vitamin C Lieferanten
Zitrusfrüchte gelten als die klassischen Hauptlieferanten von Vitamin C© Fotolia
Vitamin A Lieferant Leberwurst
Vitamin-A-Lieferanten sind tierische Produkte wie Leberwurst, Fisch und Gänseleberpastete© Fotolia
Eine Avocado deckt fast den gesamten Tagesbedarf an Vitamin B6
Eine Avocado deckt fast den gesamten Tagesbedarf an Vitamin B6© Fotolia
Vitamin-D-Lieferant Schmelzkäse
Schmelzkäse enthält viel Vitamin D© Fotolia
Vitamin-K-Lieferant Schnittlauch
Besonders reich an Vitamin K sind grüne Gemüsesorten wie Schnittlauch und Spinat© Fotolia
Gute Quellen für Vitamin E sind in erster Linie pflanzliche Öle
Gute Quellen für Vitamin E sind in erster Linie pflanzliche Öle© Fotolia
 

Wie viel Vitamin C kann uns töten?

Die gute Nachricht ist: Egal, wie viel Vitamin C wir zu uns nehmen – es wird uns nicht umbringen. Eine Menge von 2000 mg pro Tag wird als Obergrenze empfohlen, um ein Aufreten von Durchfall und Verdauungsstörungen zu verhindern. Bei Personen, die diese Menge an einem Tag verbrauchen, können Symptome wie Erbrechen, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit auftreten.

 

Vitamin A

Vitamin A fördert unsere Sehkraft und sorgt für schöne Haut und gesunde Zähne. Gute Vitamin-A-Lieferanten sind tierische Lebensmittel. Menschen, die kein oder nur sehr wenig Vitamin A zu sich nehmen, sind gefährdet, an Infektionskrankheiten oder Sehstörungen zu leiden.

 

Wie hoch ist der Tagesbedarf von Vitamin A?

Der empfohlene Tagesbedarf von Vitamin A liegt laut DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) für:

  • Erwachsene zwischen 0,8 bis 1 Milligramm
  • für Kinder zwischen 0,6 bis 0,8 Milligramm.
 

Wie viel Vitamin A kann uns töten?

Im Gegensatz zu anderen Sorten wird das Vitamin A nicht einfach mit dem Urin ausgeschwemmt, sondern sammelt sich in der Leber. Wissenschaftler fanden heraus, dass ein Verbrauch von mehr als 3000 mg pro Tag (das wären zwischen 79-115 Eier täglich) folgende Nebenwirkungen hervorrufen kann : Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Sehstörungen, schlechte Muskelkoordination, Juckreiz und Haarausfall. Des Weiteren kann eine Vitamin-Überdosierung zu Knochenschwund (Osteoporose) und temporären oder permanenten Leberschäden führen. BBC-Berichten zufolge, steigt bei Rauchern mit einem erhöhten Vitamin-A-Verbrauch sogar das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken. Besteht der Vitaminüberschuss über mehrere Jahre hinweg, können die Vergiftungen tödlich enden.

 

Vitamin B

Alle B Vitamine regulieren unseren Stoffwechsel. Das Vitamin B6 stärkt Nerven und Abwehrkräfte, das Vitamin B12 ist am Abbau von Fettsäuren und der Blutbildung beteiligt. Besonders viel Vitamin B steckt in Hühnerfleisch, Lachs, Milch und Avocado.

 

Wie hoch ist der Tagesbedarf von Vitamin B?

Der empfohlene Tagesbedarf von Vitamin B liegt laut DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) für:

  • Frauen bei 1,2 Milligramm
  • Männer zwischen 1,4 bis 1,6 Milligramm
  • Schwangere bei 1,9 Milligramm
  • Kinder zwischen 0,4 und 0,7 Milligramm.
 

Wie viel Vitamin B kann uns töten?

Von einer Überdosierung spricht man bei einer täglichen Einnahme von mehr als 500 mg. Als Folge des Vitaminüberschusses können Nervenschäden auftreten, die sich durch Lähmungserscheinungen, Reflexausfälle, Störungen des Temperatursinns oder Gefühlslosigkeit in den Händen und Füßen äußern. Auch entzündliche Reaktionen der Haut (Akne) können sich bemerkbar machen. Aber: Eine Überdosierung von Vitamin B ist kaum möglich, da der Körper nicht benötigte Mengen einfach ausscheidet.

 

Vitamin D

Vitamin D stärkt unsere Knochen und hat Einfluss auf die Muskelkraft. Eine Überdosierung mit Vitamin D durch zu viel Sonnenlicht oder vitamin-D-reiche Lebensmittel (Eier, Hering, Käse) ist ausgeschlossen. Einerseits fährt der Körper die Vitamin-D-Produktion nach einem längeren Aufenthalt in der Sonne von selbst herunter, andererseits enthalten Lebensmittel nur so geringe Mengen an Vitamin D, dass ein Überschuss nicht möglich ist.

 

Wie hoch ist der Tagesbedarf von Vitamin D?

Der empfohlene Tagesbedarf von Vitamin D liegt laut DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) für:

  • Erwachsene bei 0,02 Milligramm
  • Kinder bei 0,02 Milligramm.
 

Wie viel Vitamin D kann uns töten?

Eine hohe Dosis an Vitamin-D-Präparaten (mehr als 0,1 mg täglich und über einen längeren Zeitraum) ist für den Körper gefährlich: Die Vergiftung im Körper kann eine erhöhte Kalziumkonzentration im Blut verursachen (Hyperkalzämie). Die Folge: Calcium sammelt sich in den Blutgefäßen und den Nieren. Ein erhöhter Kalciumspiegel kann zu einem raschen Abfall der Nierenfunktion führen und Erkrankungen wie Nierensteine und Nierenversagen hervorrufen. Der Betroffene fällt in ein sogenanntes hyperkalzämisches Koma oder Kalziumkoma – das tödlich enden kann.

 

Vitamin E

Vitamin E unterstützt die Abwehrkräfte es Körpers und kann durch Blockieren der freien Radikale helfen, das Krebsrisiko zu senken. Vitamin E steckt in Nahrungsmitteln wie Pflanzenölen, Nahrungsmitteln oder Nüssen. Über die Nahrung ist eine Überdosierung mit Vitamin E nicht möglich.  Bei Vitamin-E-Präparaten gelten als Dosierungen bis 300 mg täglich als gesundheitlich unbedenklich.

 

Wie hoch ist der Tagesbedarf an Vitamin E?

Der empfohlene Tagesbedarf von Vitamin E liegt laut DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) für:

  • Frauen zwischen 11 bis 12 Milligramm
  • Schwangere bei 13 Milligramm
  • Männer zwischen 12 bis 15 Milligramm
  • Kinder zwischen 8 bis 13 Milligramm.
 

Wie viel Vitamin E kann uns töten?

Von einer Vitamin-E-Überdosierung sprechen Experten ab einer langfristigen Einnahme von über 800 mg täglich. Die Folge können Symptome wie Verdauungsstörungen, Übelkeit, Kopfschmerzen, Müdigkeit sowie eine erhöhte Blutungsneigung sein. US-amerikanische Forscher behaupten in einer Studie, die Einnahme von Vitamin E verkürzt in vielen Fällen das Leben eines Menschen, statt es zu verlängern. Wer täglich ein Vitamin-E-Präparat mit der üblichen Konzentration zu sich nehme, erhöhe sein Sterblichkeitsrisiko um rund zehn Prozent, berichtet Professor Edgar Miller, Hauptautor der veröffentlichten Metastudie.

 

Vitamin K

Vitamin K spielt eine zentrale Rolle bei der Blutgerinnung. Es ist in Lebensmitteln wie Petersilie, Spinat, Speisquark und Champignons enthalten.

 

Wie hoch ist der Tagesbedarf an Vitamin K?

Der empfohlene Tagesbedarf von Vitamin K liegt laut DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) für:

  • Erwachsene zwischen 0,06 bis 0,08 Milligramm
  • Kinder bei 0,01 Milligramm.
 

Wie viel Vitamin K kann uns töten?

Eine Überdosierung mit den Vitaminen K3 und K4 kann zu Erbrechen, einer Thrombose und Auflösung der roten Blutkörperchen führen. Die Folge können lebensgefährliche Blutungen sein.


[1] Quelle: http://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/

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