Können Tomaten Multiple Sklerose heilen?

Tomaten
Zukünftig könnten Pflanzenpeptide – beispielsweise aus der Tomate – im Kampf gegen Multiple Sklerose eingesetzt werden. Im Tiermodell erzielten Forscher erste, große Erfolge © fotolia

Einem internationalen Forscherteam gelang möglicherweise der Durchbruch zur Heilung von Multipler Sklerose. Im Tiermodell brachte der Einsatz pflanzlicher Substanzen (Zyklotide) erste, große Erfolge

Zukünftig wird die Autoimmunerkrankung Multiple Sklerose heilbar sein. Davon sind die Forscher der MEDUni Wien und ihre internationalen Forscherkollegen (Australien, Deutschland und Schweden) überzeugt. Bislang ist Multiple Sklerose noch nicht heil- aber therapierbar. Mit Medikamenten wie Kortison kann die Krankheit behandelt werden – jedoch mit unangenehmen Nebenwirkungen. Dem internationalen Forscherteam rund um Forschungsleiter Christian Gruber ist nun ein weiterer Schritt zur Bekämpfung von MS gelungen. Sie gehen davon aus, dass pflanzliche Polypeptide (Zyklotiden) MS heilen werden. 

 

Die heimtückische Krankheit Multiple Sklerose

Eigentlich sollte das körpereigene Immunsystem dafür sorgen, den eigenen Körper vor Eindringlingen zu schützen oder gegen Entzündungen abzuwehren. Nicht so bei  Multipler Sklerose (MS) – eine Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems. Dabei richtet der Körper seine körpereigene Abwehr gegen sich selbst. In der Folge entzünden sich die Isolierschichten seiner Nervenfasern (Myelin- oder Markschicht) im Gehirn und Rückenmark. Eine Reizweiterleitung wird erschwert oder bei vollständigem Abbau fast unmöglich. Bei MS Patienten äußert sich das in Lähmungen der Gesichtsmuskeln, in Sprachstörungen aber auch in Harninkontinenz. Die Krankheit verläuft schubweise, was sich in dem neuen oder wiederkehrenden Aufflammen bekannter Symptome zeigt. Die Mechanismen der Entzündung und die Ursachen sind bislang nur teilweise aufgeklärt. Im Verdacht steht beispielsweise ein Vitamin-D-Mangel. Medikamente wie Kortison sind entzündungshemmend und lassen sich gut gegen akute Schübe einsetzen. Schon nach kurzer Zeit klingen die Symptome wieder ab. Der große Nachteil, sie können nur intravenös verabreicht werden und haben starke Nebenwirkungen.  

 

Mit Tomaten zum Erfolg

Zyklotide sind Peptide (kleine Proteine), die aus unterschiedlichen Pflanzen wie Nachtschattengewächsen (Tomaten), Gräsern aber auch Kaffeegewächsen gewonnen werden und entzündliche Prozesse des Immunsystems stoppen können. Forscher fanden heraus, dass sie die Freisetzung des Botenstoffs Interleukin-2 unterdrücken und eine Zellteilung der T-Zellen („Killer“- oder „Helfer“-Zellen) verhindern.   

Die Wissenschaftler der MedUni Wien zusammen mit den internationalen Forscherkollegen machten sich das Wissen, rund um die pflanzlichen Substanzen, zunutze und führten eine Mäuse-Studie durch. „In einem Tiermodell für MS wurde das Auftreten von Symptomen durch die orale Verabreichung von Zyklotiden erheblich reduziert“, sagt Forschungsgruppenleiter Christian Gruber. Sie konnten zeigen, dass bereits die einmalige orale Einnahme eines Pflanzenpeptids die Erkrankung MS in einer sehr frühen Phase stoppen konnte. Die Dauer zwischen den Schüben wurde länger und die Entzündungsherde weniger. Die Tiere zeigten keine negativen Nebenwirkungen.

Die Ergebnisse ihrer Studie veröffentlichten sie in PNAS (Proceeding of the National Academy of Science oft he United States of America).

 

Die Entdeckung der Wissenschaftler lässt MS-Patienten hoffen  

Die Forscher gehen davon aus, dass sich die Ergebnisse ihrer Studie auf den Menschen übertragen lassen.

„Sobald funktionelle neurologische Defizite auftreten und im MRI-Scan (Anm.: Magnetic Resonance Imaging) erste krankheitsbedingte Veränderungen im Zentralnervensystem sichtbar sind, könnte man das Medikament zur Basistherapie verabreichen. Es könnte also sein, dass sich die Zeitspanne zwischen den Schüben verlängert oder möglicherweise ein Ausbruch der Erkrankung verhindert werden kann“, geben sich die Wissenschaftler optimistisch.

Aufgrund der erfolgreichen Mäuse-Studie hat die MedUni Wien zusammen mit dem Universitätsklinikum Freiburg Patente für das Pflanzenpeptid in mehreren Ländern angemeldet und die Firma Cyxone gegründet. Ziel ist es, ein oral, aktives Medikament zu entwickeln, das MS Patienten ein „normales“ Leben ermöglichen soll. Eine erste klinische Studie der Phase I könnte, nach Einschätzung der Forscher, bereits Ende 2018 starten.

Hamburg, 31. März 2016

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