Können Suchmaschinen Krankheiten vorhersagen?

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Viele Patienten googeln ihre Symptome, um herauszufinden, unter welcher Krankheit sie leiden. © Getty

US-Forscher haben die Suchanfragen zu Krankheitssymptomen im Netz untersucht und herausgefunden, dass sich über die Suchmaschine Krebserkrankungen vorhersagen lassen – noch bevor der Nutzer selbst davon weiß.

Während man früher seine Krankheitssymptome umständlich im dicken Medizinlexikon nachsah oder erst einmal auf einen Arzttermin warten musste, ist das Internet heute eine schnelle und praktische Alternative, um Krankheitssymptome zu ergründen. Meist bleibt der anschließende Gang zum Arzt nicht aus, jedoch kann es für viele Patienten beruhigend sein, vorab zu wissen, welche Diagnosen in Frage kommen. Zwar gibt es sicherlich viele, die sich durch eine Online-Diagnose übermäßig selbst beunruhigen („Cyberchondria“), doch kann allgemein festgehalten werden, dass das Internet inzwischen viele verlässliche und fundierte Informationen zu Krankheitsbildern liefert. Studien zufolge greifen über 63 Prozent der deutschen Internetnutzer bei Gesundheitsfragen auf das Internet zurück.

 

Wonach suchen Krebs-Erkrankte?

Eine Studie aus den USA hat nun gezeigt, dass die Auswertung von Suchmaschinenanfragen sogar Hinweise darauf geben kann, ob ein Nutzer an Krebs erkrankt ist – noch bevor dieser selbst davon weiß. „Wir haben uns gefragt, wenn wir wüssten, was die Menschen in ihre Suchmaschinen eingeben, könnten wir daraus bereits Schlüsse ziehen, welche Krankheit sie haben?“, erklären die Forscher Dr. Eric Horvitz und Dr. Ryen White, die im Auftrag von Microsoft die Studie durchführten, die Idee ihrer Forschungsarbeit.

Die beiden Wissenschaftler konzentrierten sich bei ihrer Auswertung auf die Microsoft-Suchmaschine Bing. Sie fanden heraus, dass sich anhand der Suchanfragen von Nutzern in bis zu 15 Prozent aller Fälle eine Erkrankung an Bauchspeicheldrüsen-Krebs vorhersagen ließ. Dazu identifizierten sie Nutzer, die bereits von ihrer Diagnose wussten und verfolgten daraufhin deren Suchverhalten in den vorhergehenden Monaten. Bauchspeicheldrüsen-Krebs eignet sich gut als Untersuchungsobjekt, da die Krebs-Art typische Symptome aufweist, die normalerweise nicht mit einer Krebserkrankung in Verbindung gebracht werden wie etwa juckende Haut, Gewichtsverlust, Rückenschmerzen und Augenverfärbungen.

Bauchspeicheldrüsen-Krebs verläuft in der Regel sehr aggressiv. 97 Prozent aller Betroffenen versterben innerhalb von fünf Jahren. Horvitz und White gehen davon aus, dass eine frühe Diagnose die Überlebensrate steigern könnte.

 

Wie lassen sich Betroffene warnen?

Einige Fragen bleiben offen: Wie lassen sich die Suchanfragen von Nutzern, die nur zufällig nach Symptomen suchen, ohne diese selbst zu verspüren, von denen unterscheiden, die tatsächlich unter Symptomen leiden, die auf eine Krebserkrankung hinweisen? Und wenn sich Nutzer finden, deren Symptome stark auf bestimmte Erkrankungen hinweisen, wie lassen sich diese am besten warnen?

Die Daten aus der Studie wurden von anonymen Nutzern gewonnen. Die Forscher schlagen die Einführung einer Protokoll-Anwendung vor, welcher die Nutzer erlauben würden, Daten an wissenschaftliche Einrichtungen weiterzugeben, um daraus erste Warnzeichen für Erkrankungen abzuleiten.

Das massenhafte Sammeln von Daten erregt normalerweise Besorgnis bei Internetnutzern. Gerade das Sammeln und Auswerten von Gesundheitsdaten kann aber auch von Nutzen sein. So hatte Google bereits 2009 versucht, eine mögliche Grippewelle anhand von Suchanfragen vorherzusehen. Eine gut entwickelte Monitoring-Software könnte in Zukunft eine sinnvolle Ergänzung zu herkömmlichen Screening-Methoden sein.

Die beiden Microsoft-Forscher wollen ihre Auswertung nun auf andere, schwer diagnostizierbare Erkrankungen ausdehnen.

© by WhatsBroadcast

Hamburg, 10. Juli 2016

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