Können Pilze uns vor tödlichen Viren schützen?

Das humane Papillomvirus (HPV) ist die häufigste durch Geschlechtsverkehr übertragene Infektionskrankheit und steht im Verdacht, Krebs zu verursachen. Bis heute gilt die Infektion als unheilbar – doch jetzt fanden Forscher heraus, dass ein Pilz das ändern könnte. Praxisvita hat für Sie die Fakten.

Für die kürzlich veröffentlichte Pilot-Studie der University of Texas bekamen HPV-positive Probandinnen über einen Zeitraum von sechs Monaten täglich drei Gramm aktive Hexose (AHCC) – ein Extrakt aus dem Shii-Take-Pilz – verabreicht.

 

Aufrüstung mit Killerzellen

Und tatsächlich zeigten die Shii-Take-Pilze, die in Asien schon seit Jahrtausenden als Heilmittel eingesetzt werden, eine verblüffende Wirksamkeit gegen das vermeintlich unheilbare HP-Virus. Nach Abschluss der Studie waren rund 50 Prozent der Studienteilnehmerinnen HPV-negativ – galten also als geheilt – und bei weiteren 30 Prozent waren Besserungen in den Blutwerten zu erkennen.

Die Forscher erklären den Effekt damit, dass die mit dem Pilz-Extrakt verabreichte aktive Hexose (AHCC) die Anzahl und die Aktivität der Lymphozyten (Killerzellen) erhöht. Gleiches gilt zudem für die Neubildung von sogenannten dendritischen Zellen (ein Zelltyp, der für die Herstellung von Antigenen verantwortlich ist) und der Zytokine (Proteine, die Körperfeinde wie Viren identifizieren). Durch diese Aufrüstung der körpereigenen Abwehrkräfte wird sowohl die HPV-Infektion bekämpft, als auch einem Tumorwachstum vorgebeugt.

 

Wann ist eine Behandlung notwendig?

Beim HP-Virus sind zahlreiche Virenstämme nachgewiesen. Jedoch nur die HPV-Stämme 16, 18, 31 und 33 gelten als sogenannte Hochrisiko-Gruppen. In rund 99 Prozent der Fälle von Gebärmutterhalskrebs wurde eine Vorinfektion mit einem dieser vier HPV-Stämme nachgewiesen. Ähnliches gilt für andere Genitalkrebsformen, wie z.B. Vaginalkrebs, Peniskrebs oder Analkrebs.

Frauen und Homosexuelle sind nachweislich besonders gefährdet, sich mit einem HP-Virus anzustecken. Ist eine Frau mit einem der Hochrisikotypen des HP-Virus infiziert, beträgt die statistische Wahrscheinlichkeit, dass sie an Krebs erkrankt, rund 25 Prozent (für Männer sind diesbezüglich keine verlässlichen Daten vorhanden).

Übertragen werden die HP-Viren hauptsächlich über Geschlechtsverkehr und Hautkontakt. Selten sind auch Ansteckungen bekannt, die durch den Kontakt mit keimbelasteten Gegenständen entstanden sind, wie z.B. Handtücher, Gläsern oder Zahnbürsten.

 

Risiko abwägen

Die Selbstbehandlung mit dem AHCC-Extrakt des Shii-Take-Pilzes könnte vor allem für Personen interessant sein, die sich mit dem Hochrisiko-HPV-Typen 16 und 18 angesteckt haben. Die Kosten für eine sechsmonatige Therapie mit dem AHCC-Extrakt belaufen sich auf rund 1.500 bis 1.800 Euro.

Mediziner empfehlen jungen Frauen sich – am besten vor dem ersten Geschlechtsverkehr – gegen HPV impfen zu lassen.

Hamburg, 30. Oktober 2014

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