Können Nahrungsmittelzusatzstoffe eine Urtikaria auslösen?

Dr. med. Nadine Hess

Pusteln auf der Haut, die wie Mückenstiche aussehen oder als wäre man gerade in eine Brennnessel gefallen. Und es juckt wahnsinnig. Bei solchen Symptomen handelt es sich oft um eine Nesselsucht, die sogenannte Urtikaria. Kinderärztin Dr. Nadine Hess weiß Rat.

Kinderärztin Dr. Nadine Hess klärt über Hautausschlag durch Nahrungsmittelzusatzstoffe auf
Expertin Dr. Hess: „In der Regel verschwinden die Hauterscheinungen der Urtikaria so plötzlich, wie sie gekommen sind. Bis dahin können sie aber einen quälenden Juckreiz verursachen, gegen den Antiallergika gut helfen.“ © privat
 

Urtikaria – Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

Bis zum zehnten Lebensjahr haben etwa 15 Prozent aller Kinder eine Urtikaria-Episode durchgemacht,[1]und 20 Prozent aller Erwachsenen hatten bereits ein oder mehrmals die unangenehmen Hauterscheinungen.

Urtikaria tritt bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen häufig einige Zeit nach Infekten insbesondere der oberen Luftwege auf. Oft findet der Arzt jedoch keinen konkreten Auslöser und die Ursache bleibt unbekannt. Das ist auch kein Problem, denn in der Regel verschwinden die Hauterscheinungen so plötzlich, wie sie gekommen sind. Bis dahin können sie aber einen quälenden Juckreiz verursachen, gegen den Antiallergika gut helfen.

 

Was Sie bei einer Urtikaria tun können

Bei Kindern unter einem Jahr kann Dimetidinmaleat (z.B. Fenistil-Tropfen) bei einer Urtikaria verwendet werden, ab einem Jahr auch Desloratadin (z.B. Aerius-Sirup). Der Vorteil von Desloratadin ist, dass es weniger Müdigkeit verursacht als Antihistaminika der älteren Generation wie Dimetidinmaleat. Bitte halten Sie sich – wie bei allen Medikamenten – unbedingt an die in der Packungsbeilage angegebene Maximaldosierung. Lokal sind Zinkschüttelmixturen hilfreich (z. B. Lotio alba aquosa), die Sie mit einem Wattebausch mehrfach täglich auftupfen können. Am besten bewahren Sie die Lotion im Kühlschrank auf. Das gilt übrigens für alle Salben, Lotionen oder Cremes, die gegen Juckreiz helfen sollen – wenn sie kühl sind, wirken sie noch besser. Die Antiallergika sind verschreibungspflichtig, die Zinkschüttelmixturen können Sie ohne Rezept in der Apotheke besorgen.

Nahrungsmittelzusatzstöfe keinen eine Urtikaria hervorrufen
Die Ursachen einer chronischen Urtikaria können sehr vielfältig sein. Zu den häufigsten Auslösern gehören Nahrungsmittelzusatzstoffe© shutterstock
 

Zwei Formen der Urtikaria

Grundsätzlich werden eine akute und eine chronische Form der Urtikaria unterschieden. Meistens sind die Hauterscheinungen bereits nach wenigen Stunden bis Tagen nicht mehr sichtbar und verursachen auch keinen Juckreiz mehr – halten sie jedoch länger als sechs Wochen an, spricht man von einer chronischen Urtikaria. Bei Kindern ist sie sehr selten, circa 1-2 Prozent aller Erwachsenen betrifft sie.[2]

Die Ursachen einer chronischen Urtikaria können sehr vielfältig sein, oft dauert es lange, bis der Auslöser gefunden wird. Am häufigsten sind Unverträglichkeiten von bestimmten Nahrungsmittelzusätzen (wie z. B. Farb- und Konservierungsstoffe), chronische, möglicherweise bis dahin unerkannte Infekte (zum Beispiel im Darm oder an den Zähnen) oder Unverträglichkeiten gegenüber körpereigenen Stoffen. Bei häufiger auftretender Nesselsucht sollte der Auslöser möglichst rasch gemeinsam mit dem Arzt gesucht werden, um weitere Schübe zu vermeiden.

[1] Brüske I, et al.; Epidemiology of urticaria in infants and young children in Germany – Results from the German LISAplus and GINIplus Birth Cohort Studies, Pediatr Allergy Immunol. 2014 Feb;25(1):36-42


[2] Paul E, Greilich KD: Zur Epidemiologie der Urtikariaerkrankungen. Hautarzt 1991; 42: 366–75

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