Können meine Gedanken Muskeln wachsen lassen?

Ein Mann liegt im Krankenhaus
US-amerikanische Forscher haben untersucht, ob man mit Gedankenkraft Muskeln trainieren kann © Fotolia

Mit der puren Kraft meiner Gedanken stärker und schneller werden – hört sich unglaublich an. Aber US-Forscher sind jetzt der verborgenen Macht unseres Gehirns auf die Spur gekommen. Praxisvita verrät, wie „mentales Muskeltraining“ funktioniert.

Wird ein Körperteil für längere Zeit nicht bewegt, bilden sich die Muskeln zurück. Patienten, die nach Operationen oder aufgrund schwerer Erkrankungen eine lange Bettruhe einlegen, verlieren dadurch häufig stark an Muskelmasse.

Um diese Muskeldegeneration einzugrenzen oder ganz zu verhindern, haben Forscher der Ohio University jetzt ein Verfahren untersucht, bei dem die Kraft von Gedanken zum Einsatz kommt. Ihr Ansatz: Muskeln zu trainieren, ohne das betroffene Körperteil bewegen zu müssen.

 

Muskeldegeneration verhindern

Für die Studie wurden Probanden in zwei Gruppen aufgeteilt. Ihre Handgelenke wurden für vier Wochen ruhiggestellt. Während Gruppe 1 die Zeit einfach verstreichen ließ, waren die Studienteilnehmer von Gruppe 2 dazu angehalten sich an fünf Trainingseinheiten in der Woche vorzustellen, wie sie die Muskeln ihres Handgelenks stark anspannen.

Nach vier Wochen zeigte Gruppe 1 eine – für den Zeitraum der Ruhigstellung völlig normale – Zurückbildung des Muskelgewebes. Die Gruppe dagegen, die ihr ruhiggestelltes Handgelenk regelmäßig „mental trainiert“ hatte, wies eine deutlich geringere Muskelreduktion auf.

In der Vergangenheit hatten Studien bereits gezeigt, dass man per Imagination einige Bereiche der Großhirnrinde aktivieren kann, die an der Steuerung von Bewegungen beteiligt sind. Die US-Forscher vermuten nun, dass Vorgänge in diesen Gehirnarealen dazu beitragen, Muskelkraft bei Untätigkeit schwinden zu lassen. Ihr Fazit: Werden die entsprechenden Bereiche der Großhirnrinde bewusst gedanklich stimuliert, kann diese Degeneration vermindert werden. Nach Ansicht der Studienleiter könnten diese Erkenntnisse die Behandlung von Muskelschwäche im Alter revolutionieren.

 

Muskeln gedanklich stärken

Frühere Studien konnten sogar zeigen, dass man durch mentales Training seine Muskelkraft verstärken kann. In einer 2004 durchgeführten US-amerikanischen Studie trainierten Probanden über zwölf Wochen an fünf Tagen pro Woche jeweils 15 Minuten lang ihre Muskeln im kleinen Finger oder im Ellbogen „mental“. Vor und nach der Testphase wurde die Muskelkraft der Studienteilnehmer im entsprechenden Körperteil gemessen. Das Ergebnis: Die Fingertrainings-Gruppe konnte ihre Muskelkraft um 35 Prozent erhöhen, die Ellbogengruppe um 13,5 Prozent.

2013 führten dieselben Wissenschaftler ein ähnliches Experiment durch. Für sechs Wochen trainierten Probanden je 15 Minuten an fünf Tagen pro Woche „mental“. Sie stellten sich vor, ihren Unterarm mit aller Kraft nach oben gegen einen schweren Gegenstand zu drücken. Nach Abschluss der Testphase hatten die Studienteilnehmer durchschnittlich 10,8 Prozent an Muskelkraft zugelegt.

Dieses Ergebnis spricht laut der Wissenschaftler dafür, dass man Muskelkraft ohne physisches Training erhöhen kann. Sie führen das auf die Gehirn-Muskel-Kommunikation zurück, die durch mentale Stimulation bestimmter Gehirnareale gestärkt wird.

Hamburg, 28. November 2014

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