Können Männer Wochenbettdepressionen bekommen?

Ein Vater hält sein Baby im Arm und schaut nachdenklich
In der aufregenden Zeit vor und nach der Geburt werden die psychischen Probleme von Männern häufig nicht wahrgenommen, warnen Experten © Fotolia

Einer britischen Umfrage zufolge sorgen sich zwei von fünf frisch gebackenen Vätern um ihre mentale Gesundheit. Experten rufen darum zu mehr Aufmerksamkeit für postpartale Depressionen bei Männern auf.

„Parenting charity NCT“ ist ein britischer Verband, der sich für Rechte und Unterstützung junger Eltern einsetzt. In einer Umfrage untersuchte die Organisation jetzt, wie es Vätern nach der Geburt ihres Babys geht.

Das Phänomen postpartale Depression ist vor allem bei jungen Müttern bekannt: Sie tritt plötzlich oder schleichend auf und kann sich unter anderem durch Symptome wie Antriebslosigkeit, Desinteresse an der Umgebung, Gleichgültigkeit gegenüber dem Baby oder Partner und daraus folgenden Schuldgefühlen äußern.

An der Umfrage nahmen knapp 300 Männer teil, die Vater eines sechs bis neun Monate alten Kindes waren. 38 Prozent von ihnen gaben an, sich um ihre mentale Gesundheit zu sorgen. Dass postpartale Depressionen auch bei Vätern vorkommen, ist seit langem bekannt. Studien zeigen auch, dass bei Männern das Risiko einer Erkrankung drei bis sechs Monate nach der Geburt des Kindes am größten ist. Die Umfrage verdeutlicht jedoch, wie groß der Anteil der jungen Väter tatsächlich ist, die mit psychischen Problemen zu kämpfen haben.

 

Wie entstehen postpartale Depressionen bei Vätern?

Wie bei Müttern gibt es auch bei Vätern keine eindeutige Antwort auf die Frage nach der Ursache der postpartalen Depression. Depressionen können durch emotionale und stressige Erlebnisse ausgelöst werden – und ein Kind zu bekommen ist eine sehr aufreibende und herausfordernde Erfahrung. Mit der Vaterschaft sehen Männer sich mit einem neuen Erwartungsdruck konfrontiert, einer höheren finanziellen Verantwortung und Veränderungen in Beziehung und Lebensstil, dazu kommen die doppelte Belastung am Arbeitsplatz und zu Hause und Erschöpfung durch Schlafmangel. Viele Väter fühlen sich außerdem durch die anfangs so enge Beziehung zwischen Mutter und Kind ausgeschlossen.

Nach Angaben der Parenting charity NCT gibt es zwei Faktoren, die das Risiko einer postpartalen Depression bei Vätern besonders stark erhöhen: ein angespanntes Verhältnis zur Partnerin während der Schwangerschaft und eine Depression der Partnerin.

 

Wie äußert sich die postpartale Depression bei Vätern?

Experten raten Ärzten und Müttern dazu, im ersten Jahr nach der Geburt verstärkt auch darauf zu achten, wie es dem Vater geht. Denn betroffene Männer neigen häufig dazu, ihr Leiden im Stillen auszutragen und vermeiden es, sich Hilfe zu suchen. Es gibt viele mögliche Symptome einer postpartalen Depression bei Vätern, dazu zählen:

  • Lethargie, Antriebslosigkeit und Hoffnungslosigkeit
  • Ein Gefühl der Überforderung
  • Gereiztheit, Gleichgültigkeit oder Aggressivität gegenüber dem Kind oder der Partnerin und daraus folgende Schuldgefühle
  • Appetitlosigkeit oder Frustessen
  • Schlafstörungen oder Albträume
  • Ängstlichkeit oder Panikattacken
 

Was können Väter bei einer postpartalen Depression tun?

Der erste Schritt aus der postpartalen Depression ist die Aussprache – bei der Partnerin, anderen Angehörigen oder Freunden. Häufig reichen diese Gespräche bereits aus, das Tief zu überwinden. Tritt keine Besserung ein, sollten betroffene Männer ihren Hausarzt ansprechen – der kann ihnen therapeutische Hilfe empfehlen. Eine Anlaufstelle für Männer und Frauen mit Depressionen rund um die Geburt eines Kindes bietet außerdem der Verein Schatten & Licht.

Hamburg, 19. Juni 2015

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