Können Kontaktlinsen Krankheiten heilen?

Phyllis Kuhn
Frau setzt sich Kontaktlinse ein
Mehr als nur eine Sehhilfe: Kontaktlinsen, die mit Medikamenten beschichtet sind. © Alamy

Wissenschaftler der Harvard Universität haben Kontaktlinsen entwickelt, die medizinische Augentropfen für viele Patienten überflüssig machen können.

Augentropfen sind für die meisten Anwender eine lästige Angelegenheit. Sich eine Flüssigkeit direkt ins Auge zu träufeln ist nicht nur unangenehm, sondern auch gar nicht so einfach. Dazu kommen bei vielen Anwendern Nebenwirkungen wie Brennen und Jucken der Augen. Allerdings waren Augentropfen bisher der einzige Weg, um Augenerkrankungen wie ein Glaukom langfristig medikamentös zu behandeln.

Amerikanische Forscher wollen das jetzt ändern. Joseph B. Ciolino, Augenarzt und Augenheilkunde-Professor an der Harvard Medical School hat zusammen mit seinem Team Kontaktlinsen entwickelt, die Medikamente nach und nach an das Auge abgeben. Die Linsen sind mit einem dünnen Polymer-Film beschichtet, der mit Medikamenten versehen ist. Da die Abgabe über den Tag hinweg in kleinen Dosen geschieht, ist eine zu häufige oder zu seltene Dosierung wie bei Augentropfen ausgeschlossen.

 

Bessere Wirkung als Augentropfen

In einem vorklinischen Versuch mit Glaukom-Patienten konnte sogar gezeigt werden, dass die Kontaktlinsen eine bessere Wirkung als Augentropfen erzielen. „Wir haben herausgefunden, dass niedriger dosierte Kontaktlinsen die selbe Reduzierung des Augeninnendrucks bewirkten wie Latanoprost-Tropfen. Höherdosierte Linsen übertrafen die Wirkung der Tropfen in unserer Studie sogar“, erklärt  Ciolino. Somit hätten die Linsen nicht nur „das Potenzial, die Anwendung für den Patienten zu verbessern, sondern auch den Augendruck besser zu senken als Tropfen“.

 

Sehhilfe und Medikament in einem

Die Kontaktlinsen geben nicht nur Medikamente ab, sie können zusätzlich auch wie gewöhnliche Kontaktlinsen gegen Kurzsichtigkeit und Weitsichtigkeit eingesetzt werden. Der Medikamentenfilm befindet sich an der Peripherie der Linse, das Zentrum ist unbeschichtet und erlaubt so klare Sicht, die Befeuchtung der Linse mit Tränenflüssigkeit und Atmungsaktivität.

„Wenn wir mit unserer Entwicklung das Problem der Compliance (Einnahmetreue eines Medikaments) in Angriff nehmen können, helfen wir Patienten, ihre notwendige Therapie einzuhalten, um die Sehfähigkeit bei Krankheiten wie Glaukomen beizubehalten. So können wir Millionen von Menschen vor einer verhinderbaren Erblindung bewahren“, erklärt Ciolino. „Unsere Studie erhöht außerdem die Chance, ein Glaukom effektiver zu behandeln, als es jetzt möglich ist.“

Die Wissenschaftler wollen im nächsten Schritt prüfen, ob die Kontaktlinsen auch bei anderen Augenerkrankungen eingesetzt werden können.

Hamburg, 31. August 2016

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