Können Frauen vor ihren Tagen besser einparken?

Phyllis Kuhn Medizinredakteurin
zwei Frauen im Auto
Räumliche Orientierung ist für Frauen während der prämenstruellen Phase des Zyklus einfacher. © Alamy

Eine Studie aus Kanada hat gezeigt: Frauen können in der prämenstruellen Phase ihres Zyklus’ besser räumlich denken.

Auch wenn Männer gern das Gegenteil behaupten – Frauen haben kein schlechteres Orientierungs- und räumliches Vorstellungsvermögen als Männer. Allerdings scheint ihre räumliche Vorstellungskraft im Laufe des Zyklus zu variieren. Verantwortlich dafür sind die weiblichen Geschlechtshormone Progesteron und Östrogen. Da der Hormonspiegel im Laufe des weiblichen Zyklus schwankt, ist offenbar auch die Art, wie Frauen Probleme lösen, von der jeweiligen menstruellen Phase abhängig. Das behaupten die Forscher um Dema Hussain von der Concordia University in Montreal, Kanada.

„Wir wissen, dass Frauen Ärzten gegenüber schon oft angegeben haben, dass ihr Gedächtnis abhängig von der Zyklusphase besser funktioniert – sogar während oder nach einer Schwangerschaft oder der Menopause. Das hat die Forschung dazu veranlasst, sich zu fragen, ob Östrogen und Progesteron das Gedächtnis und die Problemlösefähigkeit von Frauen beeinflussen könnten“, erklärt der Psychologie-Professor und Co-Autor der Studie Wayne Brake.

 

Während des Eisprungs funktioniert verbales Gedächtnis besser

Für ihre Untersuchung testeten die Forscher 45 Frauen, die über einen regulären Menstruationszyklus (ungefähr 28 Tage lang) verfügten. Dabei sollten die Frauen zwei verschiedene Tests lösen. Der erste beinhaltete einen Gedächtnistest, bei dem sich die Probandinnen eine Liste von Wörtern merken sollten. Der zweite war eine virtuelle Navigationsaufgabe, bei der in einem Videospiel ein Weg aus einem Labyrinth gefunden werden musste. Nach dem Test wurden die Teilnehmerinnen dazu befragt, wie sie bei der Lösung der Aufgaben vorgegangen waren. Die Ergebnisse waren eindeutig: Die Frauen, die während der Untersuchung gerade ihren Eisprung hatten, zeigten bessere Ergebnisse im verbalen Gedächtnistest. Frauen, die sich gerade in der prämenstruellen Phase ihres Zyklus’ befanden, konnten die Navigationsaufgabe zum räumlichen Denken besser lösen. „Unsere Untersuchung hat gezeigt, dass Östrogen und Progesteron das Gedächtnis nicht verschlechtern, sondern stattdessen das Gehirn dazu veranlassen, ein Gedächtnissystem oder eine Strategie der anderen vorzuziehen“, erklärt Brake.

 

Wissenschaftliche Forschung sollte weibliche Besonderheiten mehr berücksichtigen

Die Ergebnisse der Studie geben nicht nur sehr viel Aufschluss über verschiedene Lösungstrategien, welche Frauen im Laufe ihres Zyklus anwenden, sondern offenbaren auch eine allgemeine Schwäche wissenschaftlicher Forschung: „Traditionell führen Forscher und Wissenschaftler ihre Studien mit männlichen Teilnehmern – und männlichen Ratten – um Medikamente und Behandlungen für die allgemeine Bevölkerung zu entwickeln“, erläutert Dema Hussain. Tatsächlich reagierten Frauen aufgrund ihrer Hormonschwankungen völlig anders auf Testverfahren, als Männer.

„Ich hoffe, diese Studie unterstreicht, dass mehr Forschung nötig ist, um unser Verständnis des weiblichen Gehirns zu vertiefen. Zukünftige Untersuchungen sollten darauf zugeschnitten sein, die Effekte der weiblichen Geschlechtshormone auf Wahrnehmung und Gedächtnis besser zu verstehen“.

Hamburg, 30. September 2016

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