Können faule Eier Diabetes heilen?

faule Eier machen gesund
Forscher haben in einer aktuellen Studie gezeigt, dass Schwefelwasserstoff – entsteht unter anderem als Faulgas von verdorbenen Eiern – Zellen zur Selbstheilung dient © Fotolia

Schwefelwasserstoff – das Faulgas, das für den unangenehmen Geruch bei verdorbenen Eiern verantwortlich ist – kann Krankheiten wie Diabetes, Schlaganfälle, Herzinfarkte oder Demenz heilen. Das zeigt eine kürzlich veröffentlichte Studie der Universität von Exeter. Die Forscher entwickelten im Labor eine spezielle Schwefelwasserstoff-Verbindung und machen sich dabei eine natürliche Zellreaktion zunutze.

Schwefelwasserstoff ist ein wichtiger – und natürlicher – Faktor bei der Vorbeugung und Heilung von Zellbeschädigungen. Das zeigen britische Forscher der Universität von Exeter in einer kürzlich veröffentlichten Studie.

 

Der Geruch von faulen Eiern ist der Schlüssel zur Gesundheit

Die Verhinderung und Heilung von Schäden an den sogenannten Mitochondrien – den kleinen Energiekraftwerken in unseren Zellen – gilt in der Medizin als wichtiger Schlüssel zur Behandlung von schweren Krankheiten, wie Schlaganfall, Herzinfarkt, Diabetes, Arthritis und Demenz. Der Zustand der Mitochondrien in den Zellen bestimmt darüber, ob eine Zelle weiterlebt oder abstirbt und damit vereinfacht gesagt, ob wir krank werden. Zudem haben Studien gezeigt, dass die Zellkraftwerke eine wichtige Rolle bei Entzündungen im Körper spielen sowie für die Entstehung und Ausprägung einer Krankheit.

Studienleiter Professor Matt Whiteman erklärt, dass Zellen, deren „Mitochondrien beschädigt sind, bestimmte Enzyme in Schwefelwasserstoff umwandeln“ und so über das Gas einen Selbstheilungsprozess auslösen können. Ohne diese „chemische Notfallreaktion der Zellen“ würden die Mitochondrien ihrer – für die Zellen – überlebenswichtigen Funktionen beraubt – und ohne funktionstüchtiges Zellkraftwerk stirbt eine Zelle und löst so eine Krankheit aus.

 

Forscher imitieren den Gas-Trick der Zellen

Die natürliche Produktion von Schwefelwasserstoff in den Zellen dient dem Schutz der Mitochondrien. Doch nicht immer können beschädigte Körperzellen dieses „Reparatur-Gas“ rechtzeitig, ausreichend oder überhaupt produzieren – z.B. wenn sie durch Krankheit zu stark angeschlagen sind.

Dieser Entdeckung folgend entwickelten die Forscher aus Exeter im Labor eine bestimmte Schwefelwasserstoff-Verbindung – das sogenannte AP39. Durch die Verabreichung dieser Gas-Verbindung in die beschädigten Zellen soll der natürliche Heilungsprozess angestoßen werden. Die beteiligten Wissenschaftler sehen darin den entscheidenden "Schlüssel für die Behandlung einer Vielzahl von Krankheiten.“

Erste Labortests mit verschiedenen Krankheitsmodellen verliefen sehr vielversprechend. Durch die Freisetzung kleiner Mengen der AP39-Verbindung auf zellulärer Ebene, überlebten z.B. im Modell für Herzkreislaufkrankheiten rund 80 Prozent der Mitochondrien, die unter normalen Umständen zerstört worden wären. Nun wollen die Wissenschaftler schon bald zu klinischen Tests an Menschen übergehen. Bereits in einigen Jahren soll es nach Wunsch der Forscher möglich sein, Krankheiten mit dem nach faulen Eiern riechenden Gas zu bekämpfen.

Hamburg, 11. Juli 2014

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