Können Diabetiker sich bald selbst heilen?

Verena Elson
Können sich Diabetiker bald selber heilen?
Können sich Diabetiker bald selber heilen? © Fotolia

US-Wissenschaftlern ist es jetzt erstmals gelungen, Stammzellen von Diabetikern dazu anzuregen, Insulin zu produzieren – für eine sanfte Diabetes-Heilung ohne Medikamente.

Regelmäßiges testen des Blutzucker-Werts und Insulin zu spritzen, gehört zum Alltag von Typ-1-Diabetikern – ein Leben lang. Denn ihr Körper stellt das lebenswichtige Insulin nicht selbst her. Die Aufgabe dieses Hormons ist, den Blutzuckerspiegel zu regulieren, indem es die Körperzellen dazu veranlasst, Zucker aus dem Blut herauszufiltern und als „Kraftstoff“ abzuspeichern.

Produktionsstätte des Insulins ist die Bauchspeicheldrüse. Dort befinden sich die sogenannten Langerhans-Inseln oder Inselzellen. Dabei handelt es sich um Ansammlungen von jeweils 1.000 bis 2.000 Zellen – die Bauchspeicheldrüse eines Erwachsenen enthält etwa eine Million solcher Zellansammlungen. 65 bis 80 Prozent dieser Zellen gehören zu den sogenannten Beta-Zellen. Diese produzieren Insulin, messen kontinuierlich den Blutzuckerspiegel und geben bei Bedarf Insulin ans Blut ab. Bei Typ-1-Diabetikern zerstört der Körper die eigenen Betazellen, bis nicht mehr genügend zur Insulinproduktion vorhanden sind.

 

Inselzelltransplantation – noch keine endgültige Lösung

Bereits seit Jahrzehnten forschen Mediziner an der sogenannten Inselzelltransplantation, die in den 1990er Jahren erstmals erfolgreich bei Patienten durchgeführt wurde. Dabei werden Diabetikern Inselzellen eines Spenders transplantiert, die nach einiger Zeit beginnen, Insulin zu produzieren, sodass der Patient im besten Fall aufhören kann, das Hormon zu spritzen. Obwohl die Methode als vielversprechend gilt – bei einer kürzlich veröffentlichten Studie konnten 52 Prozent der Probanden nach einem Jahr auf die Insulinspritze verzichten – ist sie noch nicht so ausgereift, dass sie Typ-1-Diabetiker dauerhaft heilen kann. Bisher war es Patienten nach einem solchen Eingriff für höchstens fünf Jahre möglich, ohne selbst injiziertes Insulin auszukommen.

Dazu kommt, dass Diabetiker nach der Inselzelltransplantation dauerhaft sogenannte Immunsupressiva einnehmen müssen – Medikamente, die die Aktivität des Immunsystems hemmen. So wird verhindert, dass der Körper die transplantierten Inselzellen als „feindliche Eindringlinge“ bekämpft. Doch die Einnahme von Immunsupressiva ist nicht ohne Risiko – denn sie macht Patienten anfälliger für Infektionen und einige Krebsarten.

 

Erste im Labor gezüchtete Betazellen

Um das „Hindernis“ Immunsystem zu überwinden, forschen Mediziner seit einigen Jahren an der Herstellung von insulinproduzierenden Betazellen aus körpereigenen Stammzellen im Labor. Denn: Wäre es möglich, Diabetikern aus ihren eigenen Stammzellen produzierte Betazellen zu transplantieren, bestünde die Gefahr der Abstoßung nicht mehr. In den bisherigen Versuchen gelang es jedoch nicht, Betazellen herzustellen, die beides können – den Zuckerspiegel im Blut registrieren und Insulin produzieren.

Doch genau das ist US-Wissenschaftlern jetzt gelungen. Als sie ihre im Labor gezüchteten Betazellen Mäusen mit Typ-1-Diabetes transplantierten, verschwanden deren Symptome. Die Wissenschaftler mussten zwar das Immunsystem der Tiere unterdrücken, da es sich um menschliche Stammzellen handelte – doch bei Menschen wäre diese Maßnahme nicht notwendig.

Bis die neue Therapie bei Menschen zur Anwendung kommt, werden wohl noch einige Jahre vergehen. Zunächst muss der Erfolg des Verfahrens in weiteren Studien bestätigt werden. 

Hamburg, 21. April 2016

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