Können Auto-Abgase Herpes auslösen?

Phyllis Kuhn
Auto-Abgase
Herpes durch Feinstaub? © Fotolia

Deutsche Wissenschaftler haben eine gefährliche Folge von erhöhter Feinstaubbelastung festgestellt. Offenbar können die Nanopartikel Viren, die im Körper schlummern „aufwecken“.

Seit Jahren ist bekannt, wie gefährlich Feinstaub für unsere Gesundheit ist. Er schadet nicht nur unseren Lungen, sondern kann auch zu Herzerkrankungen und allergischen Reaktionen führen. Was bisher kaum jemand wusste: Feinstaub wirkt wie ein Wecker auf Viren, die in unseren Atemwegen „schlafen“. Das betrifft vor allem Viren, wie Herpes oder das Epstein-Barr-Virus (kann Pfeiffersches Drüsenfieber und Krebs auslösen), die nach einer Ansteckung lebenslang im Körper verbleiben. Dass unser Immunsystem oder Medikamente ihnen nicht viel anhaben können, liegt daran, dass die Viren sich entlang der Nervenbahnen verstecken und dort vor Attacken des Immunsystems geschützt sind. Dort harren sie so lange aus, bis das Immunsystem geschwächt ist oder gerade mit der Bekämpfung anderer Eindringlinge beschäftigt ist (etwa bei einer Erkältung). Deshalb erleben Betroffene häufig parallel zu einer Erkältung oder in stressigen Phasen Herpes-Ausbrüche. Die Zeit in der die Viren inaktiv sind, bezeichnen Mediziner als latente Infektion.

 

Feinstaub verändert das Immunsystem

Gegen Stress kann man sich mit entsprechenden Entspannungsmaßnahmen wappnen. Und auch unser Immunsystem lässt sich durch gezielte Ernährung und Sport stärken. Gegen Feinstaub lässt sich hingegen fast nichts tun. Wir nehmen die unsichtbaren Partikel über die Atemluft auf. Nachdem die Partikel in die Lunge vorgedrungen sind, verteilen sie sich über die Blutlaufbahn im gesamten Körper. Dabei werden vor allem in der Lunge aber auch im Herz-Kreislaufsystem Entzündungsprozesse ausgelöst. Warum durch Feinstaub auch Viren geweckt werden, hat ein Forscherteam vom Helmholtz Zentrum in München untersucht. „Aus vorangegangenen Modellstudien wussten wir bereits, dass das Einatmen von Nanopartikeln eine entzündliche Wirkung hat und das Immunsystem verändert“, so Studienleiter Dr. Tobias Stöger. Doch wie kann Feinstaub unsere Körperabwehr so beeinflussen, dass die Viren so leichtes Spiel haben? Für die Klärung dieser Frage infizierten Stöger und seine Kollegen Mäuse mit einem auf Nager zugeschnittenen Herpes-Virus. Das Virus war nun im Körper der Tiere zwar nachweisbar, jedoch inaktiv. Das änderte sich nachdem die Forscher ihre tierischen Probanden Feinstaub-Partikeln aussetzten: Bereits drei Tage später ließ sich im Blut der Mäuse ein starker Anstieg viraler Proteine nachweisen. Diese Proteine werden nur bei aktiver Virusvermehrung produziert. „Auch Stoffwechsel- und Genexpressionsanalysen ergaben Muster wie bei einer akuten Infektion“, berichtet Stögers Kollege Philippe Schmitt-Kopplin.

 

Krebs durch Feinstaub?

Vergleichbare Ergebnisse konnten die Wissenschaftler im Versuch mit menschlichen Zellen reproduzieren. Es zeigte sich, dass nicht nur Herpes, sondern auch das Epstein-Barr-Virus, das Pfeiffersches Drüsenfieber und Krebs auslösen kann, durch den Kontakt mit Feinstaub-Partikeln reaktiviert wurde. Offenbar verändern die mikroskopisch kleinen Partikel das Abwehrsystem so, dass die Viren sich nicht bedroht fühlen, sich deshalb vermehren und ihre Wirtszellen zerstören. „Viele Menschen tragen Herpesviren in sich und Patienten mit Lungenfibrose sind dabei besonders betroffen“, erklärt Professor Heiko Adler vom Helmholtz Zentrum. „Wenn sich die Ergebnisse bestätigen, wäre es wichtig, den molekularen Ablauf der Reaktivierung durch Partikelinhalation zu ergründen. Dann könnte man versuchen, diesen Wirkungsweg auch therapeutisch zu beeinflussen.“

 

Wie kann ich mich schützen?

Auch wenn man sich nie komplett vor Feinstaub schützen kann, gibt es Möglichkeiten, die tägliche Belastung zu verringern. Dazu gehören folgende Maßnahmen:

An vielbefahrenen Hauptstraßen ist die Feinstaubkonzentration besonders hoch. Wenn Sie in der Nähe einer solchen Straße wohnen, halten Sie am besten zu Zeiten der Rush Hour die Fenster geschlossen. Wenn Sie im Auto unterwegs sind und innerstadts im Stau stehen, schalten Sie den Motor möglichst ab und schließen Sie die Autofenster. Stellen Sie die Lüftung außerdem so ein, dass keine Luft von außen ins Auto gelangt. Wer zuhause ganz sicher sein will, wie hoch die Feinstaub-Konzentration in den einzelnen Räumen ist, kann sich ein entsprechendes Messgerät kaufen (ab ca. 160 Euro bei Amazon). Die Weltgesundheitsorganmisation (WHO) hat einen Feinstaub-Grenzwert von 25 µg/m³ pro Tag festgesetzt. Alle darüber liegenden Werte sind potentiell gesundheitsgefährdend.

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