Knoten in der Handinnenfläche: Was ist das und was hilft?

Gaby Scheib

Wenn plötzlich Verdickungen in der Handinnenfläche auftreten, sind die Betroffenen beunruhigt und fragen sich: Was ist das bloß? Muss ich mir Sorgen machen? Und was kann ich gegen die Knoten in der Handinnenfläche tun? Die Antworten.

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Inhalt
  1. Knoten in der Handinnenfläche: Was ist Morbus Dupuytren?
  2. Morbus Dupuytren – welche Ursache hat die Krankheit?
  3. Wie entwickeln sich die Morbus Dupuytren-Knoten?
  4. Morbus Dupuytren: Welche Behandlung hilft? 

Hinter Knubbeln oder Knoten in der Handinnenfläche steckt die Krankheit Morbus Dupuytren, auch Dupuytrensche Kontraktur genannt. Namensgeber ist der französische Chirurg Baron Guillaume Dupuytren (1777-1835), der die Krankheit beschrieben hatte und dadurch berühmt wurde.

 

Knoten in der Handinnenfläche: Was ist Morbus Dupuytren?

Bei der Erkrankung bilden sich in der Hand plötzlich kleine Knubbel unter der Haut, die auch tast- und später sichtbar sind. Diese Bindegewebs-Wucherungen (Fibromatosen) bestehen aus Kollagen und sind zum Glück immer gutartig. Meist treten die Handinnenflächen-Knoten am Ringfinger oder kleinen Finger auf. Auch der Mittelfinger kann betroffen sein, Knubbel an Daumen und Zeigefinger sind hingegen selten.

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Morbus Dupuytren – welche Ursache hat die Krankheit?

Experten schätzen, dass allein in Deutschland zwischen 1,3 und 1,9 Millionen Menschen von solchen Verhärtungen in der Handinnenfläche betroffen sind, wahrscheinlich sogar mehr. Die ersten Knoten in der Handinnenfläche tauchen meist ab einem Alter von 40 Jahren auf und das mehrheitlich bei Männern: In rund 85 Prozent der Fälle sind sie betroffen. 

Woher Morbus Dupuytren kommt, ist bislang unklar. Wissenschaft vermuten zum einen, dass die Krankheit vererbt wird. Aber auch Verletzungen, Wachstumshormone, Diabetes, Rauchen oder übermäßiger Alkoholkonsum könnten eine Rolle spielen.

 

Wie entwickeln sich die Morbus Dupuytren-Knoten?

Während die Verhärtungen bei Morbus Dupuytren im Anfangsstadium noch recht unauffällig und unproblematisch sind, verdicken sie sich im Laufe der Zeit weiter zu Strängen. Nach und nach lässt sich der betroffene Finger – vor allem im Grund- und Mittelgelenk – immer weniger beugen und krümmt sich in die Handfläche: Es entsteht die sogenannte Beugekontraktur, den Finger zu strecken wird schwierig oder sogar unmöglich. 

Der Verlauf der Krankheit unterscheidet sich individuell stark. Manchmal entwickeln sich die Knubbel und Stränge nur langsam oder sogar gar nicht weiter. In anderen Fällen schreitet die Verdickung sehr schnell voran. Größtenteils sind die Verhärtungen schmerzlos. Werden dabei allerdings Neven und Gefäße gereizt, können die Knoten in der Handfläche auch Schmerzen bereiten.

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Morbus Dupuytren: Welche Behandlung hilft? 

Ob es sich wirklich um die Dupuytrensche Kontraktur handelt, kann nur ein Arzt sicher sagen. Er untersucht die Beweglichkeit des Fingers und tastet die Knoten ab. Röntgenbilder können in fortgeschrittenem Stadium Gelenkschäden zeigen. Auch eine familiäre Vorbelastung gibt wichtige Hinweise auf Morbus Dupuytren.

Wenn es noch keine Funktionseinschränkung beim Strecken gibt, wird erst einmal nichts unternommen. Die Krankheit ist nicht heilbar, allerdings können die Symptome behandelt und die Handfunktion verbessert werden.

• Morbus Dupuytren-Therapie durch Strahlen: Im Anfangsstadium können Röntgenstrahlen helfen, eine weitere Ausbreitung der Knoten und eine Verschlimmerung der Funktionsstörung zu hemmen oder sogar ganz zu verhindern. Experten halten das Krebsrisiko dabei für gering, weil die Strahlendosis eher niedrig ist.

• Collagenase-Injektion bei Dupuytrensche Kontraktur: Der Arzt spritzt ein Enzym in den Strang, das das Kollagen zersetzt. 24 Stunden nach der Injektion wird der Finger aufgedehnt, der Strang reißt. Die relativ neue Behandlung scheint erfolgversprechend zu sein, allerdings muss die Kostenübernahme vorab mit der Krankenkasse geklärt werden. Ob bzw. wann es wieder zu neuer Knotenbildung kommt, ist noch nicht klar.

• Nadelfasziotomie gegen Knoten in der Hand: Hierbei werden die Verhärtungen mit Nadeln angestochen. Der Prozess schwächt die Stränge, so dass sie gedehnt werden können. Die minimalinvasive Behandlung wird ambulant unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Nach einiger Zeit können jedoch wieder Beschwerden auftreten.

• Morbus Dupuytren-OP: In fortgeschrittenem Stadium – zum Beispiel wenn der Finger um mindestens 20 Grad in der Streckfähigkeit beeinträchtigt ist – kann eine Operation (Fasziektomie) notwendig sein. Ziel ist es, das verhärtete Gewebe vollständig zu entfernen. Die OP sollte deshalb von einem erfahrenen Handchirurgen durchgeführt werden. Sie erfolgt meist ambulant, gegebenenfalls aber auch stationär, außerdem muss die Hand im Anschluss mit einer Schiene für längere Zeit ruhiggestellt werden. Dazu kann es durch die Nähe zu Nerven und Arterien sowie das Durchtrennen kleinster Blutgefäße zu Komplikationen kommen. Dafür ist die operative Methode auf Dauer erfolgreicher als die nicht-invasiven Maßnahmen.

Um die Streckungsfähigkeit der Hand möglichst lange zu erhalten, kann man sie auch durch Dehnübungen und Handmassagen fördern. Zwar werden die Knoten in der Handinnenfläche so nicht verschwinden – aber man kann die Entwicklung vielleicht ein wenig ausbremsen.

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Quellen: 
Morbus Dupuytren in: schoen-klinik.de
Morbus Dupuytren – Finger strecken nicht mehr möglich? in: liebscher-bracht.com
Dupuytren'sche Kontraktur in: Klinikum Nürnberg
Morbus Dupuytren: Informationen über Therapieoptionen in: aerzteblatt.de
Dupuytren'sche Kontraktur in: kliniken-mtk.de

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