Knochenmarkkrebs heilbar durch Masernviren?

Redaktion PraxisVITA
Knochenmarkkrebs könnte durch Masernviren bald heilbar sein
US-amerikanischen Wissenschaftler haben mithilfe eines modifizierten Masern-Virus Knochenmarkkrebs geheilt. Das Verfahren wurde erstmals am Menschen getestet und führte innerhalb von kurzer Zeit zu einer Remission der Krebszellen © Fotolia

In einem klinischen Versuch hat sich durch die Verabreichung speziell behandelter Masern-Impf-Viren Knochenmarkkrebs im Endstadion zurückgebildet. US-amerikanische Wissenschaftler hatten die schon länger im Tierversuch getestete Knochenmarkkrebs-Therapie erstmals an Menschen erprobt. Zwei Frauen, die an unheilbarem Knochenmarkkrebs litten, hatten sich für die Behandlung freiwillig zur Verfügung gestellt.

Ein Team aus Molekular-Medizinern der Mayo Clinic in Rochester (Minnesota) verabreichte den Frauen – für die aus schulmedizinischer Sicht scheinbar nichts mehr im Kampf gegen ihren Knochenmarkkrebs getan werden konnte – jeweils eine Einzeldosis eines speziell modifizierten Masern-Viren-Stamms. Der zur Impfung gegen Masern eingesetzte Virus wurde dabei von den Wissenschaftlern so verändert, dass er ausschließlich Krebszellen befallen sollte.

Damit die Behandlung überhaupt Wirkung zeigen konnte – das hatten frühere Tierversuche gezeigt – musste den beiden Probandinnen im Alter von 49 und 65 Jahren jeweils einmalig eine so hohe Dosis der Impfviren gespritzt werden, mit der zehn Millionen Menschen gegen Masern immunisiert werden könnten.

 

Knochenmarkkrebs: Die Behandlung zeigt Wirkung

Die in der Fachzeitschrift Mayo Clinic Proceedings veröffentlichte Studie zeigt, dass diese Knochenmarkkrebs-Behandlung bei den zwei Frauen zu erstaunlichen Ergebnissen geführt hatte: Tatsächlich infizierte der modifizierte Masernvirus wie geplant die Knochenmarkkrebs-Zellen der todkranken Probandinnen. In den Krebszellen – und nur dort – vermehrten sich die Viren solange, bis diese schließlich mehrheitlich zerstört wurden. Und das bei nur geringen Nebenwirkungen wie Bluthochdruck, Fieber und Übelkeit. Bereits nach 36 Stunden hatten sich erhebliche Veränderungen an den Tumoren eingestellt. Bei beiden Frauen bildeten sich die Krebswucherungen zurück – zum Teil so schnell, dass der Effekt geradezu im Verlauf sichtbar war.

 

Knochenmarkkrebs bildete sich zurück

Im Fall der 65-jährigen Frau bildete sich ein Großteil der Tumoren zurück. Sechs Wochen nach der Behandlung – und dem Abklingen der Wirkung der Viren-Injektion – begannen sie allerdings wieder zu wachsen. Die Tumoren der 49-jährigen Frau dagegen verschwanden komplett. Neun Monate nach der Therapie konnten die Ärzte keinen Knochenmarkkrebs mehr im Körper nachweisen. Die Frau ist aus medizinischer Sicht innerhalb kurzer Zeit zu 100 Prozent von einer der tödlichsten Krebsformen geheilt worden.

Die Wissenschaftler stellen derzeit größere Mengen des modifizierten Masern-Virus für weitere Behandlungen her. Im Herbst 2014 startet eine Phase-II-Studie, bei der die neue Krebs-Therapie an mehr Erkrankten getestet werden soll.

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