Knochenkrebs mit Ultraschall geheilt

Ultraschall
Nach der Ultraschallbehandlung war der junge Patient nicht nur seinen Tumor los, sondern auch sofort völlig schmerzfrei © Hospital for Sick Children in Toronto

In Kanada befreiten Mediziner einen Jungen von einem Tumor – ganz ohne Strahlenbehandlung oder Operation. Der 16-Jährige litt seit Jahren unter Knochenkrebs und gilt nun als geheilt. Praxisvita hat für Sie die Fakten.

Das sogenannte Hochintensive fokussierte Ultraschall-Gerät (HIFU), mit dem Forscher in Kanada arbeiten, könnte schon bald die Krebstherapie revolutionieren. Mediziner des Hospital for Sick Children in Toronto beschreiben in einem kürzlich veröffentlichten Bericht, wie mit der nichtinvasiven Therapie bereits ein Jugendlicher von einem Tumor vollständig befreit werden konnte. Da keine operativen Eingriffe oder Strahlenbehandlungen notwendig sind, gilt das Ultraschall-Verfahren als besonders gesundheitsschonend und ungefährlich.

Der 16-jährige hatte seit Jahren Knochenkrebs in einem Bein. Aufgrund des gutartigen Tumors litt er unter starken chronischen Schmerzen, sodass er nachts kaum noch schlafen konnte. Um den Schmerz zu lindern, nahm er nach Angaben seiner Ärzte pro Jahr rund 700 Tabletten hochdosierte Schmerzmittel – was enorme Belastungen für das Herz-Kreislaufsystem und die Nieren bedeutete.

 

Reibungshitze zerstört Tumorgewebe

Das nun eingesetzte Gerät ist in der Lage Ultraschallwellen auf eine Fläche von nur wenigen Millimetern so zu bündeln, dass eine extrem präzise und zielgerichtete Behandlung möglich ist. In dem Bereich, in dem sich die Ultraschallwellen konzentrieren, entsteht nach Aussagen der Forscher eine Reibungshitze, die ausreicht um Gewebe – wie z.B. von Knochenkrebs – punktuell zu zerstören.

Der leitende Radiologe Dr. Michael Tempel gibt an, dass durch die Schallwellen-Behandlung für Jungen zu keiner Zeit eine zusätzliche Gesundheitsgefahr bestand. Das Verfahren zeichne sich gerade dadurch aus, dass es „das normalerweise übliche Risiko für den Patienten“ – bei der operativen Entfernung von Knochenkrebs – nicht besitzt. Zudem gäbe es – anders als bei Eingriffen oder Strahlenbehandlungen – keine Neben- oder Nachwirkungen.

 

Patient ist erholt und geheilt

Während der Schallwellentherapie wurden die Vitalwerte und Behandlungsfortschritte des 16-Jährigen mithilfe eines Magnetresonanztomographen in Echtzeit überwacht. Nach der Behandlung mit den Ultraschallwellen überraschte der gute Gesundheitszustand des Patienten selbst die Ärzte. Der Knochenkrebs war vollständig zerstört und die Schmerzen waren verschwunden. Für den 16-Jährigen folgte die erste Nacht seit langer Zeit, in der er ohne Schmerzmittel schlafen konnte. In Deutschland ist bislang nur eine ähnliche Behandlung mit einem sogenannten Gamma-Knife möglich. Das neue HIFU-Gerät könnte nach Ansichten von Experten jedoch schon bald von den ersten Kliniken bestellt werden.

Hamburg, 19. August 2014

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