Knochenbrüche: Was Ihren Knochen gut tut – und was nicht

Wenn ich ganz viel Kalzium zu mir nehme, bleiben meine Knochen gesund – denken viele. Das stimmt nicht ganz. Erfahren Sie, welche Volksweisheiten über Osteoporose wirklich stimmen und wie Sie Knochenbrüche vermeiden können.

Knochenschwund ist heutzutage eine weitverbreitete Krankheit. Rund 7,8 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Osteoporose, darunter 6,5 Millionen Frauen. Zu den gefährlichen Folgen gehören Knochenbrüche und der "Witwenbuckel". Sogar die Funktion der Lunge kann dann durch die ungesunde Krümmung der Wirbelsäule beeinträchtigt werden. Deswegen ist es wichtig, mit gefährlichem Halbwissen aufzuräumen:

 

1. Osteoporose ist ein Alters-Leiden

Stimmt teilweise. Die meisten Menschen erkranken nach dem 50. Lebensjahr. Die Ursachen aber liegen oft schon in der Kindheit. Langes Sitzen in der Schule, später im Büro oder vor dem Fernseher und ein ungesunder Lebensstil, Zigaretten und stark zuckerhaltige Getränke, fordern ihren Tribut und greifen die Knochen an. Die können ab dem 30. Lebensjahr das Mineral Kalzium kaum noch richtig speichern. Ideal wäre es deshalb natürlich, schon in der Jugend den Grundstein für starke Knochen zu legen. Doch es ist nie zu spät, damit anzufangen. Gut ist alles, was die Knochen stärkt – wie etwa Bewegung oder eine Ernährung mit Milchprodukten und kalziumreichem Gemüse wie Spinat, Brokkoli oder Grünkohl. Mit täglich einer Portion sind Sie gut versorgt.
 

 

2. Milch ist der beste Schutz für Ihre Knochen

Viel Käse essen und Milch trinken? Verkehrt ist das sicher nicht, aber das Kalzium allein reicht nicht aus, um die Knochen zu festigen. Der Körper benötigt auch ausreichend Vitamin D, damit er das Kalzium verwerten kann. Die beste Methode, um Vitamin D aufzunehmen, ist, sich jeden Tag etwa 20 Minuten draußen aufzuhalten. Im Tageslicht kann der Körper den Stoff selbst produzieren. Unterstützend können Sie ihn auch über Lebensmittel aufnehmen. Besonders viel Vitamin D steckt in Hering, Pilzen und Eiern. Am besten zweimal pro Woche eine Portion. Wurstwaren und Limonaden behindern hingegen die Aufnahme von Kalzium. Übrigens: Wer keine Milch mag oder verträgt, kann auf laktosefreie Milchprodukte umsteigen. Die enthalten keinen Milchzucker (Laktose), dafür aber genauso viel Kalzium wie normale Milch.

 

3. Entscheidend für Osteoporose sind die Gene

Da kann man nichts machen, Osteoporose ist erblich bedingt, hört man oft. Das stimmt aber nicht: Zwar sind oft diejenigen besonders Osteoporoseanfällig, deren Eltern schon unter der Krankheit litten. Aber die Gene bestimmen unser Risiko nur zu einem kleinen Teil. Über den Rest entscheiden wir selbst: Verzicht auf Nikotin und zu viel Alkohol und Süßes, viel Bewegung an der frischen Luft – all dies schützt auch erblich vorbelastete Knochen.

 

4. Übergewicht erhöht das Risiko

Das stimmt nicht ganz. Extremes Übergewicht ist natürlich nicht gesund und belastet die Knochen. Grundsätzlich sind aber Frauen, die Normalgewicht oder ein paar Pfunde zu viel auf den Rippen haben, besser geschützt als dünne Frauen. Denn in Fettzellen ist das Hormon Östrogen gespeichert, das hilft, vor Osteoporose zu schützen. Mit den Wechseljahren verschwindet viel Östrogen aus dem Körper. Bei Frauen mit hohem Osteoporose-Risiko werden deshalb oft künstliche Hormone verabreicht, um die Krankheit aufzuhalten.

 

5. Man merkt selbst, wenn es losgeht mit dem Knochenschwund

Leider nein. Deshalb ist es auch nicht gut, die ersten Anzeichen für Osteoporose abzuwarten und erst dann aktiv zu werden. Die Krankheit kann sich jahrzehntelang unauffällig entwickeln, um sich dann schlagartig in Schmerzen oder einem Bruch zu äußern. In der Zeit, in der das Leiden unbemerkt bleibt, kann es schon zu so starken Verformungen kommen, dass später ein harmloses Niesen reicht, um Knochen brechen zu lassen!

 

6. Erst bei Knochenbrüchen wird behandelt

Nein, die Behandlung sollte beginnen, bevor es zu Brüchen kommt. An den indirekten Folgen einer Oberschenkelhals-Fraktur sterben 20 Prozent derjenigen, denen sie widerfährt. Viele weitere können sich danach nicht mehr selbst versorgen. Ein erhöhtes Risiko haben Frauen zwischen 60 und 70 Jahren, Männer ab 70 Jahren sowie Untergewichtige und Raucher. Auch Menschen, die in der Vergangenheit schon Wirbelkörperbrüche hatten, deren Eltern einen Oberschenkelhalsbruch hatten, die häufiger stürzen oder krankheitsbedingt länger als sechs Monate mehr als 7,5 mg Kortison täglich nehmen, sind gefährdet. In solchen Fällen ist eine Knochendichtemessung sinnvoll. Allerdings zahlen die Kassen für diese Untersuchung leider erst, wenn ein begründeter Verdacht auf Osteoporose vorliegt - etwa wenn sich der Patient ohne vorherigen Unfall einen Bruch zugezogen hat. Doch schon vorher kann der Arzt mit sogenannten „Funktionstests" den Zustand der Knochen testen. Fragen Sie ihn danach.

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