Knieverletzung: Nachbehandlung ist genauso wichtig wie die Operation

Kreuzbandriss: Arzt prüft Beweglichkeit des Kniegelenks
Nachbehandlung nach der Kreuzbandriss-OP: Der Arzt prüft die Beweglichkeit des Knies © Klinik Fleetinsel Hamburg

Der Patient erholt sich meistens schnell von der Operation. Das Knie braucht jedoch eine Weile, um die frühere Beweglichkeit und Stabilität wieder zu erlangen. Vor allem nach einem Kreuzbandriss, einer der häufigsten Knieverletzungen, müssen die Rezeptoren im Knie das Zusammenspiel zwischen Muskeln und Gelenken wieder neu erlernen. Die optimale Nachbehandlung besteht aus mehreren Teilen.

Das Kniegelenk zählt zu den kompliziertesten Gelenken des Körpers. Gleichzeitig ist es im Laufe des Lebens großen Belastungen ausgesetzt: Die Knorpelschicht zwischen den Gelenkknochen muss Belastungen und Stöße bis zum siebenfachen des Körpergewichtes auffangen und dämpfen.

Eine sehr häufige Ursache von Knieschäden sind Sportverletzungen oder Unfälle mit einem Kreuzbandriss. Das Kreuzband verdankt seinen Namen der Tatsache, dass die Bänder im Knie überkreuzt laufen. Es gibt ein vorderes Kreuzband und ein hinteres. Die Aufgabe der Kreuzbänder ist das Kniegelenk zu stabilisieren. Sie verhindern, dass sich Ober- oder Unterschenkel nach vorne oder hinten verschieben und stabilisieren das Gelenk bei komplexen Bewegungsabläufen mit Rotation und Seitbewegungen.

Normalerweise sind die Kreuzbänder sehr stabil. Zu einem Riss kann es nur bei sehr ungewohnten Bewegungen mit großer Krafteinwirkung kommen, vor allem bei einer Drehung des Unterschenkels nach außen, während der Oberschenkel in seiner normalen geraden Position verbleibt. Das kann zum Beispiel beim Skifahren oder Ballsport bei einem Sturz passieren. In 90 Prozent der Fälle reißt das vordere Kreuzband, das hintere ist - bedingt durch die anatomischen Anforderungen und durch seine Funktion - seltener betroffen.

Starke Schmerzen im Knie und eine Schwellung sind typische Symptome bei einem Kreuzbandriss. Das Kniegelenk kann nicht mehr optimal gebeugt und gestreckt werden. Es ist instabil. Gelegentlich hört der Betroffene auch einen peitschenden Knall in dem Moment, in dem das Band reißt.

Dr. Jürgen Walpert, Klinik Fleetinsel Hamburg
Kreuzbandriss-Experte Dr. Jürgen Walpert, Facharzt für Orthopädie der Klinik Fleetinsel Hamburg: "Drei Monate für die Nachbehandlung einplanen"© privat

Kreuzbandschäden werden in der Regel mittels Gelenkspiegelung (Arthroskopie) operiert. Dr. Jürgen Walpert, Facharzt für Orthopädie der Klinik Fleetinsel Hamburg: „Das gerissene, nicht mehr funktionsfähige Kreuzband wird durch ein Transplantat ersetzt. Meistens wird dazu eine körpereigene Sehne verwendet, zum Beispiel aus der hinteren Innenseite des Oberschenkels.“

Der Patient erholt sich in der Regel schnell von der Operation. Das Knie braucht jedoch eine Weile, um die frühere Beweglichkeit und Stabilität wieder zu erlangen. Der Grund: Überall im Knie befinden sich Messfühler, sogenannte Rezeptoren, die Informationen an Gehirn und Rückenmark senden. Dort werden die Informationen verarbeitet und in Befehle umgewandelt. Diese regeln das Zusammenspiel zwischen Bewegungsempfinden, Bewegung, Gelenkstellung und Muskulatur. Bei dem Unfall sind zahlreiche Rezeptoren verloren gegangen. Andere Rezeptoren müssen nun deren Aufgaben übernehmen und das Zusammenspiel mit den Muskeln neu erlernen.

Dieser Lernprozess kann nur mit gezielter Bewegung erreicht werden. Diese sollte in die Nachbehandlung fest integriert werden. Dr. Walpert: „Die postoperative Therapie ist das A und O für den Erfolg einer Operation.“

Die optimale Nachbehandlung bei Knieverletzungen besteht aus mehreren Teilen. „Dies gilt nicht nur für den Kreuzbandriss, sondern auch nach anderen chirurgischen Eingriffen am Knie wie zum Beispiel die Knorpelersatztherapie oder dem Einsetzen einer Knieprothese“, sagt Gelenkexperte Dr. Walpert.

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