Knie tapen: Wie Sie das Knie richtig bandagieren

Christoph Krelle

Arthrose, Muskelzerrung, Sehnenriss? Mit einem Kinesio-Tape kann die Behandlung von Knieschmerzen einfach und schnell unterstützt werden. Vor allem wenn unklar ist, welche Ursache die Kniebeschwerden haben, oder wenn die Knieschmerzen chronisch sind, ist der Tapeverband beliebt. Doch er kann auch vorbeugend eingesetzt werden, beispielsweise bei sportlicher Aktivität. Für wen ein Tapeverband im Rahmen einer Kinesiotherapie geeignet ist und wie Sie Ihr Knie tapen?

Knie tapen bei einem Patienten
Mit einem Kinesio-Tape können Knieschmerzen einfach und schnell behandelt werden Foto:  iStock/KatarzynaBialasiewicz
Inhalt
  1. Kinesiotherapie mit Tapes – gibt es Risiken?
  2. Tapeverband am Knie: Vorbereitung ist alles
  3. Kinesiotherapie am Knie: Tapeverband in drei Schritten
  4. Wie funktioniert das Kinesio-Tape am Knie?

Das sogenannte Kinseo-Tape besteht aus Baumwolle mit latexfreien Stretchfasern. Ein Tapeverband ist wasserfest, luft- und feuchtigkeitsdurchlässig und kann mehrere Tage ununterbrochen getragen werden. Das Kinesio-Tape ist besonders hautverträglich und lässt sich nach einer Therapie leicht und schmerzarm von der Haut entfernen, ohne Rückstände zu hinterlassen.

Das Kinesio-Tape wird zumeist zur Schmerzlinderung, zur Unterstützung der Gelenkfunktion, zur Verbesserung der Muskelfunktion und zur Regulierung des Blutkreislaufs eingesetzt. Es eignet sich insbesondere zur Behandlung von Arthrose, Muskel- und Sehnenverletzungen, Überlastungen der Gelenke, Schwellungen und Entzündungen.

 

Kinesiotherapie mit Tapes – gibt es Risiken?

Grundsätzlich kann jeder, der über Knieschmerzen klagt oder Kniebeschwerden vorbeugen möchte, sein Knie ohne Bedenken mit einem Kinesio-Tape bandagieren.

Wenn die Tapes nicht mit medizinischen Wirkstoffen behaftet sind, treten in der Regel keine Nebenwirkungen auf. Bei Hautreizungen, zum Beispiel durch Sonnenbrand oder Allergie, sollte aber besser kein Tape angebracht werden. Auch bei empfindlich dünner Haut, sogenannter Pergamenthaut, bei Hautausschlag sowie offenen oder noch nicht verheilten Wunden am Knie ist ebenfalls von einem Tapeverband abzuraten.

Sicherheitshalber fragen Sie Ihren Arzt, Physiotherapeuten oder Heilpraktiker für Kinesiologie nach möglichen Risiken und einer individuellen Therapieempfehlung.

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Tapeverband am Knie: Vorbereitung ist alles

Zunächst einmal ist die Haut an der Stelle, wo Sie den Tapeverband anlegen möchten, gründlich zu reinigen – dies betrifft hier vor allem die Knie und die Oberschenkel. Schmutz, Feuchtigkeit, Öle oder Lotionen können die Haftung des Kinesio-Tapes beeinträchtigen und sind deshalb zu entfernen. Eine normale Behaarung ist nicht störend. Bei starkem, dichtem Haarwuchs im Kniebereich und an den Beinen kann sich ein Tape jedoch schon beim Anbringen sofort wieder lösen – dann sollten die Haare besser entfernt oder getrimmt werden.

Die Wirkung beginnt etwa 30 Minuten nach Anlegen des Tapeverbandes. Als Vorbeugung bei sportlicher Aktivität sollte der Verband rund 60 Minuten vorher angelegt werden. Grundsätzlich gilt: Tragen Sie das Tape nicht länger als sieben Tage hintereinander.

 

Kinesiotherapie am Knie: Tapeverband in drei Schritten

Grundsätzlich gibt es verschiedene Möglichkeiten, einen Tapeverband am Knie anzulegen. Die folgende Anleitung in drei Schritten ist an einer allgemein verbreiteten Variante orientiert, von der im Einzelfall abgewichen werden kann.

Für den Tapeverband am Knie benötigen Sie drei Tapestreifen. Zwei längere Streifen, die jeweils von den Knien bis zur Mitte der Oberschenkel reichen, und einen kürzeren Streifen für den Bereich quer unterhalb der Kniescheibe. Während Sie den Tapeverband anlegen, halten Sie das Knie im 90-Grad-Winkel gebeugt.

Schritt 1: Beginnen Sie mit dem kürzeren Streifen, den Sie mittig und quer unterhalb der Kniescheibe über die Patellasehne kleben. Halten Sie den Streifen in einem gestrechten Zustand, während Sie ihn anlegen. Nur an den Enden legen Sie den Streifen ohne Stretch sanft an die Haut an.

Schritt 2: Legen Sie nun einen der längeren Streifen auf der Oberschenkelaußenseite an. Dazu beginnen Sie, den Streifen etwa 20 Zentimeter oberhalb der Kniescheibe aufzubringen. Kleben Sie das Tape leicht gestretcht über den Oberschenkelmuskel bin hin zur Kniescheibe auf. Ab der Kniescheibe drücken Sie das Tape etwas fester diagonal über die Vorderseite des Knies und die Patellasehne an. Das Ende des Tapes kleben Sie sanft und ohne Stretch auf dem vorderen Unterschenkel auf.

Schritt 3: Das dritte Kinesio-Tape legen Sie auf der Oberschenkelinnenseite an. Beginnen Sie, es in etwa auf gleicher Höhe des vorigen Tapes am Oberschenkel, aber ohne Stretch aufzubringen. Dann legen Sie es mit leichtem Stretch bis zur Kniescheibe an. Das letzte Drittel dann wieder etwas fester diagonal unterhalb der Kniescheibe entgegen des vorigen Tapes anbringen, sodass sich die Kinesio-Tapes auf dem Knie wie ein X überschneiden. Das Ende des letzten Tapes ganz sanft und ohne Stretch aufbringen.

Abschließend reiben Sie den Tapeverband noch einmal gründlich fest, um die thermoaktive Klebschicht zu aktivieren. Fertig.

 

Wie funktioniert das Kinesio-Tape am Knie?

Dort, wo die Kinesio-Tapes auf der Haut kleben, wird diese leicht angehoben, sodass jede Bewegung die Haut massiert. Dabei werden der Lymph- und Blutfluss angeregt. Entzündungen klingen schneller ab, Schmerzen werden rasch gelindert.

Obwohl sich die Kinesiotherapie mit Tapes in vielen Fällen bewährt hat, haben Forscher noch keine eindeutigen Belege für die Wirksamkeit gefunden. Eine Metaanalyse neuseeländischer Wissenschaftler ergab, dass nur zehn von 97 bereits veröffentlichten Studien über die Wirkung von Kinesio-Tapes den Einschlusskriterien der Autoren genügten. Zwar gebe es schon positive Effekte, doch bestehe noch keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz, um den Gebrauch von Kinesio-Tapes therapeutisch zu empfehlen.

Trotzdem vertrauen Ärzte, Orthopäden, Physiotherapeuten und Heilpraktiker bereits seit Jahren auf den Tapeverband als ergänzende Maßnahme zu sonstigen Therapien.

Quellen:

Kinesio-Tape: Dorstfelder Bad, Praxis für Physiotherapie, Marius Szczuzewski (Abrufdatum: 28.08.2019)

Kinesio Taping in Treatment and Prevention of Sports Injuries: A Meta-Analysis of the Evidence for its Effectiveness; Sean Williams, Chris Whatman, Patria A. Hume and Kelly Sheerin; Sports Performance Research Institute New Zealand, School of Sport and Recreation, Auckland University of Technology, Auckland, New Zealand (Abrufdatum: 28.08.2019)

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