Hilfe beim Knalltrauma Knalltrauma: Dauer, Symptome und welche Hausmittel helfen

Redaktion PraxisVITA

Ein Knalltrauma kann das Ohr stark schädigen und im schlimmsten Fall eine dauerhafte Hörminderung zur Folge haben. Doch geht ein Knalltrauma weg – und wenn ja, wie? Alles zu Dauer, Symptomen und Behandlungsmöglichkeiten eines Knalltraumas.

Eine Frau hält sich ihr Ohr zu
´ Foto:  istock_AndreyPopov

Wenn man ein Knalltrauma erleidet und sich das Ohr in Folge dessen seltsam taub anfühlt, stellen sich Betroffene viele Fragen: Gibt es gegen das Knalltrauma wirksame Hausmittel, muss ich zum Arzt und an welchen Symptomen erkenne ich ein Knalltrauma eigentlich?

 

Was ist ein Knalltrauma?

Extrem laute Geräusche über 135 Dezibel, beispielsweise ein in der Nähe explodierender Silvesterböller, können schnell zu einem sogenannten Knalltrauma führen. Durch ein plötzliches, lautes Geräusch wirkt ein hoher Schalldruck auf das Ohr ein, was eine mechanische Schädigung des Innenohrs zur Folge hat. Das führt zu Ohrgeräuschen und im schlimmsten Fall zu einem dauerhaften Hörverlust im Hochtonbereich (ab 4000 Hertz). Meist nimmt jedoch die Hörminderung bei einem leichten Knalltrauma nach einer Dauer von einigen Tagen oder Wochen langsam ab. Ein Knalltrauma kann somit durchaus weggehen, wenn der Schaden am Ohr nicht zu groß ist. 

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Knalltrauma – das passiert im Ohr

Was genau durch das Knalltrauma im Ohr passiert, haben Forscher der Keck School of Medicine of USC in Los Angeles gezeigt. Um den Mechanismus der Schädigung zu entschlüsseln, haben Studienleiter John Oghalai und seine Kollegen ein spezielles Werkzeug erfunden, mit dem sich die sogenannte Hörschnecke optisch darstellen lässt. In diesem Teil des Innenohrs wandeln sensorische Haarzellen den ankommenden Schall in Nervenimpulse um. Nervenzellen greifen diese Impulse dann auf und leiten sie an das Gehirn weiter, wo sie interpretiert und als Ton wahrgenommen werden.

Um das Knalltrauma zu simulieren, wurden Mäuse einem Geräusch ausgesetzt, das vergleichbar mit einer nahen Bombenexplosion für das menschliche Ohr ist. Dabei konnte man zwei Dinge beobachten: Zum einen starben durch den Knall die Haarzellen der Nager ab, zum anderen füllte sich das Innenohr mit Flüssigkeit – wodurch wiederum die Nervenzellen abstarben, die die Impulse weiterleiten. Das Gehirn kann dadurch das Geräusch nicht mehr wahrnehmen. 

 

Knalltrauma – diese Symptome treten auf

„Das Ansteigen des Flüssigkeitsspiegels im Innenohr spürt man auch, wenn man beispielsweise zu einem lauten Konzert geht“, so der Forschungsleiter der Studie. Die Ohren fühlen sich voll an und man hat nach Ende des Konzerts das typische Piepen im Ohr – ein Tinnitus. Je lauter das Geräusch, desto stärker ist zudem das Vertäubungs- oder „Wattegefühl“ im Ohr: Durch den akuten, plötzlichen Hörverlust fühlen sich Ohren taub an. Schmerzen, Blutungen oder Schwindel treten dabei typischerweise nicht auf.

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Schmerzhaft kann es aber nach dem eigentlichen Knalltrauma werden, da sich die Innenohrschwerhörigkeit sowohl durch eine Hörminderung als auch durch eine Geräuschempfindlichkeit (Hyperakusis) zeigen kann. Laute Alltagsgeräusche nehmen die Betroffene dann unangenehmer und stärker als andere wahr, da die Haarzellen mit ihren geräuschmodellierenden Eigenschaften fehlen. 

 

Wie lässt sich ein Knalltrauma behandeln?

Wenn der Arzt mittels eines Hörtests (Audiometrie) eine Schwerhörigkeit des Innenohrs diagnostiziert, werden zur Behandlung des Knalltraumas meist Kortikosteroide mit abschwellender Wirkung über Kurzinfusionen oder Injektionen in das Ohr verabreicht. Bei sofortigem Beginn der Behandlung – nach spätestens einem oder zwei Tagen sollte man zum Arzt gehen – sind die Erfolgschancen der Therapie gut. Innerhalb von sechs Wochen sollten sich die Schäden zurückbilden. Hat sich das Ohr nach dieser Zeit nicht regeneriert, kann in manchen Fällen der Einsatz eines Hörgeräts notwendig werden. 

Die amerikanische Studie zeigt einen neuartigen Therapieweg auf: Den Forschern fiel auf, dass die Haarzellen in der Regel sofort nach dem Knalltrauma abstarben, die Nervenzellen aber erst einige Stunden später, wenn das Innenohr vollständig mit Flüssigkeit geflutet war. Um das Absterben der Nervenzellen zu verhindern, tropften die Forscher drei Stunden nach dem Knalltrauma einfache Salz- und zuckerbasierte Lösungen ins Ohr. Das Ergebnis: Im Vergleich starben zwischen 45 und 64 Prozent weniger Nervenzellen ab als ohne die Lösung. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass diese Behandlung ein einfacher Weg sein könnte, um Hörverlust zu vermeiden.

 

Folgen des Knalltraumas mit Homöopathie lindern

Ergänzend zur konventionellen Therapie können bei einem Knalltrauma Homöopathika zur Behandlung eingesetzt werden. Ein homöopathischer Arzt oder Heilpraktiker kann dabei beraten, welche homöopathischen Mittel dafür in Frage kommen. 

Für die Erste Hilfe direkt nach dem Knalltrauma eignen sich diese Mittel:

  • Aconitum als das homöopathische Schockmittel schlechthin sollte in einer Hochpotenz wie C200 oder C1.000 eingenommen werden.
  • Arnika wird bei Verletzungen eingesetzt – auch nach einem Knalltrauma gegen die Verletzungen der feinen Haarzellen und der umliegenden Gewebestrukturen. C200 oder C1.000 ist die geeignete Potenz bei einem akuten Trauma.

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Mit diesen homöopathischen Mitteln lassen sich die Folgen eines Knalltraumas wie Ohrgeräusche oder Hörminderungen behandeln:

  • Calcium carbonicum: Schwerhörigkeit, die andauert
  • Cocculus: Ohrgeräusche, Lärmempfindlichkeit, Schweißausbrüche
  • Phosphorus: Ohrgeräusche mit Widerhall
  • Nux vomica: die Ohrgeräusche verändern sich je nach Stresslevel
  • Lycopodium: brummendes oder rauschendes Geräusch, vor allem im rechten Ohr

Diese Mittel können in den Potenzen C30 oder C200 eingenommen werden. Die genaue Dosierung und Einnahmedauer legt der Homöopathie-Experte fest.

 

Knalltrauma – was tun? Diese Hausmittel können helfen 

Neben den medikamentösen und homöopathischen Therapiemöglichkeiten können auch Hausmittel den Genesungsprozess unterstützen, indem sie etwa die Durchblutung im Ohr fördern oder dabei helfen, Stress zu reduzieren. Denn ähnlich wie bei einem Tinnitus können ungünstige äußere Faktoren die Beschwerden verstärken.

Diese Hausmittel und Tipps können bei einem Knalltrauma zusätzlich Abhilfe schaffen:

  • Viel Ruhe und Entspannung sorgen dafür, dass der Körper genug Energie für die Regeneration der Ohrschäden hat.
  • Gesunde und ausgewogene Ernährung, die viele Vitamine und Mineralstoffe liefert.
  • Auf Alkohol und Zigaretten verzichten. Denn sie wirken sich auf das zentrale Nervensystem aus und verursachen oxidativen Stress in den Zellen. 
  • Regelmäßige Bewegung, idealerweise täglich mindestens eine halbe Stunde spazieren gehen.
  • Ingwer hat durchblutungsfördernde und entzündungshemmende Eigenschaften. Am besten täglich eine Tasse Tee mit frisch geriebenem Ingwer trinken.

Nach einem Knalltrauma lassen sich zwar mit Hausmitteln allein die Schäden im Ohr nicht behandeln – doch sie können die Heilungsprognose, sowie die Dauer und Symptome des Knalltraumas positiv beeinflussen. 

Quelle
Akustisches Trauma, in: Amboss

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