Klitoraler Orgasmus: Gibt es ihn wirklich?

Rieke Heinze Medizinredakteurin

Kommen Sie schon oder warten Sie noch? So ein Orgasmus ist im wahrsten Sinne des Wortes der Höhepunkt des sexuellen Vergnügens – und bei Frauen auf diversen Wegen erreichbar. Aber gibt es wirklich unterschiedliche Orgasmen bei ‚ihr‘ und was ist dann ein klitoraler Orgasmus?

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Der weibliche Orgasmus ist voller Geheimnisse, nicht nur für den Mann Foto:  iStock/DmitriMaruta
Inhalt
  1. Orgasmus: was passiert eigentlich beim weiblichen Höhepunkt?
  2. Die vier Phasen eines Orgasmus
  3. Klitoraler Orgasmus – ein Mythos oder das sexuelle Ziel schlechthin?

Das mit dem weiblichen Höhepunkt ist eine Wissenschaft für sich. Um das große „O“ ranken sich die Mythen: G-Punkt, multipler Orgasmus, vaginal und klitoral, vieles scheint möglich und geradezu nichts unerreichbar. Wie sieht es also mit dem klitoralen Orgasmus aus? Gibt es ihn wirklich und wenn ja, wie unterscheidet sich dieser Orgasmus von allen anderen?

 

Orgasmus: was passiert eigentlich beim weiblichen Höhepunkt?

Ein Orgasmus ist das ultimative Ziel beim Sex und ist sowohl seelisch als auch körperlich ein Genuss für den Erlebenden. Herz- und Atemfrequenz sowie Blutdruck steigen an und der Beckenboden und das Po-Loch kontrahieren. Die Brustwarzen schwellen an und auf der Haut breitet sich der sogenannten Sex Flush: Sie rötet sich und an einigen Stellen tritt Schweiß auf.

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Die vier Phasen eines Orgasmus

Der sexuelle Klimax lässt sich in vier Phasen einteilen: Erregung, Plateau, der eigentliche Höhepunkt und die Rückbildung bzw. die Refraktärphase. Die gibt es nur beim Mann – eine Frau kann multiple Orgasmen erleben und es bedarf keiner Erholung zwischen den einzelnen Lustmomenten.

 

Klitoraler Orgasmus – ein Mythos oder das sexuelle Ziel schlechthin?

Ein Orgasmus, der rein durch die Stimulation der Klitoris entsteht, gibt es nicht. Das genau ist aber die Vorstellung, wenn vom klitoralen Orgasmus gesprochen wird. Die Klitoris ist aber mehr als die kleine Perle an der Vulva: In Wirklichkeit ist sie ein ca. 11 Zentimeter langes Organ und zieht sich durch die Schamlippen bis in die Vagina und sogar bis zum G-Punkt. Soll heißen: Es gibt nicht nur den einen empfindsamen Punkt, durch den sich die Erregung steigern lässt. Ganz im Gegenteil, die gesamte Vagina ist förmlich ein Lustzentrum, das während des Geschlechtsverkehrs allumfassend stimuliert wird. Hier liegt auch der Grund für die so breit aufgestellte Orgasmusfähigkeit einer Frau. Stimulation ist an allen "Ecken und Enden" möglich und kann daher auch überall einen Orgasmus erzeugen. Eine Unterscheidung in vaginal und klitoral ist also weder nötig noch anatomisch korrekt. 

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Das heißt natürlich leider nicht im Umkehrschluss, dass Frauen immer einen Orgasmus bekommen, sobald an der richtigen Stelle der passende Reiz ausgelöst wird. Technik, Vertrauen, Stimmung und der richtiger Partner sind entscheidende Faktoren für ein erfülltes und befriedigtes Sexualleben und sollten nicht unterschätzt werden. 

Quellen: 
Dr. med. Yael Adler (2018), darüber spricht man nicht, Droemer Verlag, München
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch (2002), Walter de Gruyter Verlag, Berlin
Dr. Schaenzler, Nicole/ Dr. med. Hoffbauer, Gabi (2001), Wörterbuch der Medizin, München, Econ Ullstein List Verlag GmbH & Co. KG

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