Kleinkind mit Altersdiabetes: Dreijährige wiegt 35 Kilo

Ein kleines Mädchen misst seinen Bauchumfang mit einem Maßband
Übergewicht ist der größte Risikofaktor für Typ-2-Diabetes bei Kindern © Fotolia

Sage und schreibe 35 Kilogramm brachte ein dreieinhalbjähriges Mädchen aus den USA auf die Waage, als es in eine Klinik eingeliefert wurde. Die Diagnose: Typ-2-Diabetes. Wie ist das in diesem Alter möglich?

Mit starkem Durst und Harndrang wurde ein dreieinhalbjähriges Mädchen in den USA in eine Klinik eingeliefert. Bald stand die Diagnose fest: Typ-2-Diabetes. Die Ärzte des Mädchens gehen davon aus, dass sie einer der jüngsten Patienten ist, die jemals diese Diagnose bekommen haben.

 

Diabetes Typ 1 und Typ 2 – was ist der Unterschied?

Das Hormon Insulin ist dafür zuständig, den Blutzuckerspiegel zu regulieren. Dazu dockt es an Rezeptoren an der Oberfläche von Körperzellen an und veranlasst sie, Zucker aus dem Blut herauszufiltern und abzuspeichern. Insulin wird bei gesunden Menschen in der Bauchspeicheldrüse produziert.

Typ-1-Diabetes liegt vor, wenn die Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr produziert. Die Ursache dafür ist eine Fehlfunktion des Immunsystems: Die körpereigene Abwehr greift die Zellen der Bauchspeicheldrüse an, die für die Produktion von Insulin zuständig sind – die Folge ist ein Insulinmangel und ein daraus folgender erhöhter Blutzuckerspiegel. Patienten müssen darum vom Zeitpunkt der Diagnose an kontinuierlich ihren Blutzuckerspiegel überwachen und selbst Insulin spritzen, um einen zu starken Anstieg zu vermeiden. Typ-1-Diabetes ist bisher nicht vollständig heilbar.

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Bei Typ-2-Diabetes ist die Ursache zunächst kein Insulinmangel. Vielmehr reagiert der Körper nicht mehr richtig auf das Insulin. Die Körperzellen nehmen weniger Blutzucker auf – das führt dazu, dass der Blutzucker dauerhaft zu hoch ist. Anders als Typ-1-Diabetes wird Typ-2-Diabetes durch einen ungesunden Lebensstil mit Übergewicht und wenig Bewegung begünstigt. Die Gewichtsabnahme ist darum auch Therapieansatz Nummer eins, zusätzlich können Medikamente verabreicht werden. Hilft beides nicht, müssen auch Typ-2-Diabetiker Insulin spritzen.

 

Wie kann ein so kleines Kind erkranken?

Typ-2-Diabetes wird auch als „Altersdiabetes“ bezeichnet, weil er häufig bei älteren Menschen auftritt. Die Zahl der Kinder und jungen Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes steigt aber immer mehr an. Wenn Heranwachsende an Typ-2-Diabetes erkranken, passiert das meist in der Pubertät – Fälle von Kindern unter zehn Jahren sind extrem selten. Wie konnte es dann passieren, dass ein dreieinhalbjähriges Kind erkrankte?

Die Ursache war laut Angaben der Ärzte das starke Übergewicht der Patientin: Das Mädchen wog bei seiner Einlieferung 35 Kilogramm – das Normalgewicht eines Kindes in diesem Alter liegt bei rund 15 Kilogramm. Beide Elternteile waren ebenfalls übergewichtig, doch in der Familie hatte es bisher keine Fälle von Diabetes gegeben. Befragungen der Eltern ergaben jedoch, dass sich die Familie stark kalorien- und fetthaltig ernährte. Durch einen Test auf Antikörper konnten die Ärzte Typ-1-Diabetes ausschließen.

 

Heilung durch Gewichtabnahme

Die behandelnden Ärzte verschrieben dem Mädchen ein Diabetes-Medikament, das den Blutzuckerspiegel reguliert. Zusätzlich wiesen sie seine Eltern an, die Kalorienaufnahme ihrer Tochter zu reduzieren und sie zu mehr körperlicher Aktivität anzuhalten.

Die Therapie zeigte Erfolg: Ein halbes Jahr später hatte das Mädchen ein Viertel ihres Körpergewichts verloren, ihre Blutzuckerwerte waren wieder normal und sie musste keine Medikamente mehr nehmen.

 

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Dr. med. Jens Kröger ist Internist und Diabetologe DDG, ÄK Hamburg im Zentrum für Diabetologie Hamburg Bergedorf und Vorstandsmitglied von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe.

 

So können Sie Ihr Kind schützen

Die wichtigste Regel, um Typ-2-Diabetes vorzubeugen, heißt: Übergewicht vermeiden. Dazu sollten Eltern bei ihren Kindern auf viel Bewegung und eine altersgemäße Kalorienaufnahme achten – Kinder im vierten bis sechsten Lebensjahr benötigen beispielsweise täglich rund 80 Kalorien pro Kilogramm Körpergewicht (nicht mehr als 1.300 Kalorien pro Tag) und im siebten bis neunten Lebensjahr etwa 72 Kalorien pro Kilogramm Körpergewicht (nicht mehr als 2.000 Kalorien pro Tag).

Doch meist lässt sich auf den ersten Blick gar nicht sehen, wie viel Kalorien in einem Nahrungsmittel stecken. Viele Produkte machen zunächst den Anschein, für Kinder besonders gesund zu sein, sind in Wirklichkeit aber wahre Kalorienbomben. Hier erfahren Sie, vor welchen Lebensmittel Sie Ihr Kind schützen sollten!

Hamburg, 17. September 2015

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