Kiwi-Allergie nach Knochenmarksspende

Kiwi Allergie
Forscher entschlüsseln die Ursache für eine Allergie nach einer Knochenmarkstransplantation © fotolia

Nach der Chemotherapie erhält ein Krebspatient eine Knochenmarksspende seiner Schwester – und damit auch ihre Allergie gegen Kiwis. Jetzt gibt eine Studie Aufschluss über mögliche Ursachen.

Vor 20 Jahren erkrankt ein Mann schwer an akuter, lymphatischer Leukämie. Er erhält eine Chemotherapie und anschließend eine Knochenmarksspende seiner Schwester, die als geeignete Spenderin gilt. Nach kurzer Zeit zeigt ihr Bruder die gleichen allergischen Reaktionen auf Kiwis, wie sie selbst. Eine Übertragung der Allergie durch ihre Knochenmarkspende war der Grund.

 

Spenderin überträgt Knochenmark und damit ihre Allergie

Die Wissenschaftler wurden auf den Fall des heute 46-Jährigen Krebspatienten aufmerksam, der mehrere Wochen nach der Knochenmarksspende seiner Schwester deutliche Anzeichen für eine Allergie gegen Kiwis zeigte.

Solche Phänomene sind auch früher schon öfter dokumentiert worden. Die Ursachen waren bislang jedoch unklar. Jetzt gibt die neue Studie der Technischen Universität München zum ersten Mal Aufschluss darüber, dass die Gene des Spenders schuld an der  Allergie des Empfängers sind.

 

Warum ist eine Stammzellen–Transplantation nach einer Chemotherapie überhaupt notwendig?

Krebszellen wachsen schnell, teilen sich oft. Bei einer Chemotherapie werden dem Patienten Zytostatika verabreicht – Medikamente, die das Zellwachstum, eine rasche Zellteilung und Erneuerung von Krebszellen verhindern. Gleichzeitig werden die Stammzellen aus dem Knochenmark zerstört. Eine Stammzellenspende ist danach notwendig, um das Immunsystem wieder aufzubauen und zu erneuern.

Auch der Patient der Studie erhielt eine Knochenmarksspende seiner Schwester und damit eine Chance auf ein gesundes Weiterleben. Bei einer Stammzelltransplantation werden dem Patienten die aus dem Knochenmark entnommenen Stammzellen des Spenders injiziert. Aus den Stammzellen des Spenders entstehen gesunde, weiße Blutzellen, die gegen kranke oder entartete Zellen des eigenen Immunsystems vorgehen können. Der Erhalt des Immunsystems wird so gesichert.

Dass der heute 46-Jährige Patient mit dieser Spende auch die Kiwi-Allergie seiner Schwester „erbt“, ahnte er zu diesem Zeitpunkt nicht. Erst Wochen nach der Spende, bekommt er eine allergische Reaktion, wie brennende, juckende Lippen, nach dem Verzehr von Kiwis.

Eine Allergie ist die überschießende Reaktion des körpereigenen Immunsystems auf körperfremde Substanzen, Allergene. Konkret: Es ist die Antwort einer weißen Blutzelle (Leukozyt) auf einen nicht-gesundheitsgefährdenden Stoff  (Antigen oder Allergen) aus der Natur, wie Pollen, Nüsse oder Samen.

 

Die Gene sind schuld für Allergie

In ihrer Studie untersuchten die Forscher der Universität München den Patientenfall genauer. Sie wandten das Fluoreszenz in situ (FISH) – Verfahren an und veröffentlichten die Ergebnisse im Journal of European Academy of Dermatology and Venereology. Durch das FISH-Verfahren können Genabschnitte mit einem Fluoreszenzfarbstoff markiert und zugeordnet werden. Dass sich Männer und Frauen in ihren Geschlechtschromosomen unterscheiden – Männer haben XY-Chromosomen und Frauen XX-Chromosomen – nutzten die Wissenschaftler aus. Sie markierten Genabschnitte und suchten die passenden Gegenstücke auf dem X- und Y-Chromosom des Empfängers. Es wurden deutliche Signale auf dem X-Chromosom und keines auf dem Y-Chromosom aufgenommen. Das lieferte den endgültigen Beweis dafür, dass die Allergie von der DNA der Schwester stammt.

Auch durch eine Blutspende können Allergien übertragen werden, zumindest für eine gewisse Zeit. Das zeigte der Fall eines kleinen Jungen, der nach einer Bluttransfusion eine schwere Allergie gegen Fisch und Nüsse entwickelte.

Es ist selten, dass eine Allergie durch eine Blutspende übertragen wird, meinte Dr. Julia Upton, die an der Studie beteiligt war. In diesem Fall stellten die Ärzte fest, dass bei der Transfusion die Immunglobuline E des Spenders – die für die Allergie verantwortlich sind – einfach mitübertragen wurden.

Hamburg, 24. März 2016

Themen
Das könnte Sie auch interessieren
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.