Kinderwunsch? Trauen Sie nicht Ihrem Handy

Redaktion PraxisVITA

Viele Paare nutzen Fruchtbarkeits-Apps um den Zeitpunkt des Eisprunges zu berechnen. Doch kann man der Technik wirklich trauen?

Unser Smartphone ist mittlerweile zum Begleiter in allen Lebenslagen geworden. Tausende verschiedene Apps helfen uns nicht nur im Alltag, sie steuern auch unsere Entscheidungen und Tagesroutinen. Neben zahlreichen Health-Apps, die unsere Schritte, Liegestütze und Kalorien zählen, gibt es auch viele Anwendungen, die uns vermessen. Wie lange hab ich letzte Nacht geschlafen, wie viel Liter Wasser habe ich getrunken? Besonders Paare mit Kinderwunsch nutzen häufig Fruchtbarkeits-Apps. Diese sollen die fruchtbarsten Tage des Zyklus berechnen und so den günstigsten Zeitpunkt für eine Befruchtung vorhersagen. Das Konzept ist simpel: Anhand der letzten Periode und der Durchschnittslänge des individuellen Zyklus’, berechnet die App, wann ungefähr der Eisprung stattfinden wird. Der weibliche Zyklus beginnt am ersten Tag der Periode und endet am letzten Tag vor erneutem Eintritt der Menstruation.

 

Wann ist der Eisprung?

US-Forscher haben einige der populärsten Fruchtbarkeits-Apps und -Webseiten unter die Lupe genommen und stellen fest: Kaum eine der Anwendungen liefert verlässliche Informationen zu den fruchtbaren Tagen der Nutzerin. Von 53 getesteten Programmen konnten nur vier eine akkurate und präzise Vorhersage des fruchtbaren Zeitraums geben. Das Team um Dr. Robert Setton, Spezialist für Gynäkologie und Geburtshilfe am Presbyterian Hospital in New York City, untersuchte 20 Webseiten und 33 Apps, die bei einer Online-Recherche die Top-Suchtreffer bildeten. In jeden Fruchtbarkeits-Kalkulator wurden dieselben fiktiven Informationen eingegeben: das Datum der letzten Menstruation und ein Menstruationszyklus von 28 Tagen. Bei der Berechnung vernachlässigten die meisten Anwendungen einen wichtigen Faktor: Die Forschung habe gezeigt, erklärt Setton, dass das „Fruchtbarkeits-Fenster“ einer Frau , also die beste Zeit um Sex zu haben, wenn man Kinder plant, auch den Tag des Eisprunges und die fünf Tage davor miteinschließt. Für eine Frau mit einem Zyklus von 28 Tagen wären das die Tage 10 bis 15. Dies haben jedoch nur drei Apps, „Clue“, „My Days – Period & Ovulation“, „Period Tracker“, und eine Website, „Babymed.com“, berücksichtigt. Die übrigen Anwendungen sagten entweder unrealistisch viele fruchtbare Tage vorher oder berechneten sogar den Tag des Eisprunges falsch. „Ich empfehle den Nutzern, vorsichtig zu sein und sich nicht komplett auf die Webseiten und Apps zu verlassen“, rät Dr. Setton.

 

Eignen sich Apps zum Verhüten?

Dr. Jennifer Wu, eine nicht an der Untersuchung beteiligte Gynäkologin fügt hinzu: „Viele Patientinnen nutzen Fruchtbarkeits-Apps auf ihren Smartphones. Sie sollten sich darüber im Klaren sein, dass viele dieser Apps inakkurat sind“. Sie fügt hinzu, dass die Studie außerdem von einem durchschnittlich 28 Tage langen Menstruationszyklus ausgegangen ist, „allerdings ist es ziemlich normal, dass die Zykluslänge zwischen 21 und 35 Tagen variiert“. Frauen mit Kinderwunsch sollten sich also vor Nutzung eines Fruchtbarkeitsrechners mit Hilfe eines Gynäkologen über die tatsächliche Länge ihres Zyklus’ und wie dieser von Monat zu Monat variieren kann, informieren. Dr. Setton fügt einen weiteren kritischen Punkt hinzu: Es gäbe sogar Paare, die mit Hilfe von Fruchtbarkeitskalkulatoren verhüten. „Darauf sollte man sich niemals verlassen“. Ein wirksameres Mittel, um die fruchtbaren Tage kurzfristig zu bestimmen sind sogenannte Ovulationscomputer, die die Hormonkonzentration im Urin messen. Auch hier ist es vor der Anwendung erforderlich, die Länge des eigenen Zyklus’ zu bestimmen. Das Testergebnis wird dann direkt auf einem Teststäbchen in Form von Linien und/oder Farben angezeigt. Davon profitieren sowohl Paare, die einfach nur ohne Hormone verhüten wollen, als auch Paare mit Kinderwunsch.

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Hamburg, 18. Mai 2016

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