Kinderleukämie und Alzheimer – wie krank machen Hochspannungsleitungen?

Hochspannung krebs
Viele Menschen in Deutschland fürchten den Einfluss von Hochspannungsleitungen auf ihre Gesundheit. Praxisvita zeigt, wie begründet diese Sorge ist © Fotolia

Es ist ein notwendiges Übel der Energiewende. In ganz Deutschland müssen neue Stromtrassen errichtet werden. Doch um die stählernen Hochspannungsleitungen tobt seit Jahren ein erbitterter Streit. Anwohner fürchten um ihre Gesundheit. Und tatsächlich scheinen ihnen Studien der letzten Jahre Recht zu geben. Praxisvita erklärt, wie groß die Gefahr wirklich ist.

Der Umstieg auf erneuerbare Energien in Deutschland kostet den Steuerzahler nicht nur Milliarden Euro. Viele Anwohner von neu gebauten und geplanten Stromtrassen fürchten den Preis der Energiewende, mit der eigenen Gesundheit zu bezahlen. Seit Jahren tobt ein erbitterter Streit über die Gefahren der elektromagnetischen Strahlungen der Hochspannungsleitungen.

 

Niemand leugnet den Einfluss auf den Menschen

Trotz zahlreicher Studien und großer politischer und medialer Aufmerksamkeit wirkt die Frage nach den gesundheitlichen Risiken durch Hochspannungsleitungen immer wieder ungeklärt. Dabei leugnet niemand – weder die Politik noch die Stromproduzenten und schon gar nicht die Wissenschaft – den Einfluss von niederfre­quenten Strahlungen auf den menschlichen Körper. Im Jahr 2002 stufte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die elektromagnetischen Strahlen von Hochspannungsleitungen als „möglicherweise krebserregend“ ein.

 

Ein hoher Preis: Kinderleukämie und Alzheimer

Studien der letzten Jahre zeigten, dass durch die elektromagnetischen Strahlungen ein reales Risiko für Kinderleukämie und Alzheimer besteht. Demnach gehen rund ein Prozent der Fälle von Kinderleukämien in Deutschland nach Aussagen von Krebsforschern der Universität Aachen auf den Einfluss von Elektrosmog zurück. Andere Studien sprechen sogar von der Verdoppelung des Risikos für Kinder, an Leukämie zu erkranken, wenn sie in der Nähe von Hochspannungsleitungen wohnen. Bisher gibt es aber noch keine wissenschaftlichen Erklärungen dafür, wie elektromagnetische Strahlungen Leukämie auslösen können. „Trotzdem“, so erklären die Wissenschaftler, „bleibt ein Restrisiko, dem man weiter nachgehen muss.“

Eine andere Gefahr durch Hochspannungsleitungen sehen Wissenschaftler in einem erhöhten Risiko von Alzheimer. Eine viel beachtete Studie der Universität Bern zeigte, dass es einen signifikanten Zusammenhang zwischen Elektrosmog und der Demenz im Alter gibt. Die Untersuchung mit rund 9200 Probanden weist darauf hin, dass besonders Menschen betroffen sind, die mindestens zehn Jahre weniger als 50 Meter von einer Hochspannungsleitung entfernt leben.

 

Genaue Ergebnisse liegen nicht vor

Aus wissenschaftlicher Sicht häufen sich in den letzten Jahren die Hinweise, dass die elektromagnetischen Strahlen von Hochspannungsleitungen durchaus gesundheitliche Risiken für den menschlichen Körper bergen. Die genauen medizinischen Erkenntnisse liegen aber noch im Dunkeln. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) stuft die gesundheitliche Gefahr von Elektrosmog als niedrig ein und verweist dabei auf die strengen Grenzwerte in Deutschland. Aber auch die Bundesbehörde – die sicher kein Interesse an einer begründeten Sorge über Stromtrassen im Bundesgebiet haben kann – muss zugeben, dass bis zur wissenschaftlichen Klärung des Gefahrenpotentials niemand ein Risiko ausschließen könne.

Hamburg, 18. Juni 2014

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