Kindererziehung: Diese 5 Sätze sind No-gos

Verena Elson Medizinredakteurin

„Hör auf zu weinen!“ Dieser Satz macht Kinder nicht stark, sondern schwach. Denn er signalisiert ihnen, dass ihre Gefühle „falsch“ sind und es nicht in Ordnung ist, sie zu zeigen. Wer seine Kinder mental stärken möchte, sollte anders vorgehen.

Ein kleiner Junge weint
"Ich verstehe dich" statt "hör auf zu weinen" – wer seine Kinder mental stärken möchte, sollte auf seine Wortwahl achten Foto:  StockPlanets/iStock

„Wenn ihr mental starke Kinder haben wollt, hört auf, diese fünf Sätze zu sagen.“ Diesen Ratschlag gibt Psychotherapeutin Amy Morin allen Eltern in einem Gastbeitrag in dem Wirtschaftsmagazin „Inc“. Mentale Stärke entsteht, wenn wir unsere Kinder ernstnehmen und sie dabei unterstützen, Strategien zu entwickeln, mit ihren Emotionen umzugehen. Beides ist im Stress und Chaos des Elternalltags nicht immer einfach – doch wer auf diese fünf Sätze verzichtet, hat den ersten Schritt getan.

 

1. „Das ist doch nicht so schlimm.“

Streit mit einem Freund, Angst vor dem Zahnarzt, Probleme in der Schule: Für Kinder können solche Sorgen ein enormes Ausmaß annehmen. Wenn Sie uns davon erzählen, sollten wir sie immer ernstnehmen und ihre Ängste nicht herunterspielen. Dass ein Kind von seinem Kummer erzählt, ist immer auch ein Signal dafür, dass es Hilfe bei der Bewältigung seiner Emotionen benötigt, schreibt Morin. Anstatt dem Kind also zu sagen, dass es sich keine Sorgen machen soll, sollten wir ihm Wege zeigen, mit seinen Ängsten umzugehen.

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2. „Hör auf zu weinen!

Weinen ist eine vollkommen natürliche Form, seine Gefühle auszudrücken – und den Ausdruck ihrer Gefühle sollten wir unseren Kindern immer zugestehen. Im Alltag ist das manchmal schwer auszuhalten – ein weinendes Kind kann die Nerven der Eltern und aller Umstehenden ordentlich strapazieren. Statt des „Weinverbots“ sollten wir dem Kind signalisieren, dass wir seinen Kummer verstehen, dass es beispielsweise frustrierend ist, etwas nicht zu bekommen, das man ganz dringend haben möchte. Wenn sich das Kind verstanden fühlt, trocknen die Tränen meist schneller.

 

3. „Du bist das klügste Kind in der ganzen Schule.“

Übertriebenes Lob schadet mehr, als es nutzt – besonders, wenn es „falsches Lob“ ist: Kinder, die für ihre Klugheit oder andere Fähigkeiten gelobt werden („Du bist aber schlau“ oder „Mathe kannst du gut“), geraten unter Druck, diesem Anspruch auch künftig gerecht zu werden. Zwei Studien zum richtigen Loben kamen zu dem Ergebnis, dass solche Kinder eher dazu neigen, zu schummeln, um ein gutes Ergebnis zu erzielen. Besser ist es, Kinder für ihre Anstrengung bei einer bestimmten Aufgabe zu loben („Das hast du sehr gut gemacht“).

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4. „Es wird schon gutgehen.“

Wir möchten unseren Kindern gerne immer sagen, dass alles gut gehen wird. Das Problem ist nur: Dieses Versprechen können wir nicht halten. Je älter das Kind wird, desto häufiger wird es mit Situationen konfrontiert werden, in denen nicht alles gut geht. Dann hilft das elterliche Versprechen nicht weiter – das Kind muss mit Unwegsamkeiten, Schmerzen oder Trauer umgehen. Besser ist es laut Morin, dem Kind zu vermitteln, dass es stark genug ist, auch mit schwierigen und schmerzhaften Situationen fertigzuwerden. „Gebt ihnen die nötigen Fähigkeiten und Werkzeuge mit, die sie brauchen, um die unvermeidbaren Herausforderungen des Lebens zu meistern.“

 

5. „Beruhige dich!“

Die Aufforderung „beruhige dich!“ wird nicht dazu führen, dass das schreiende und tobende Kind plötzlich aufhört zu weinen. Sie ist in der Regel ein Ausdruck der Hilflosigkeit der Eltern – das Kind kann ihr in dem Moment der Wut und Verzweiflung nicht nachkommen. Sie verhärtet eher die Fronten, als dass sie Frieden stiftet. Morin rät Eltern, dem Kind gezielt Strategien beizubringen, sich selbst zu beruhigen. Diese Strategien (beispielsweise ein Kissen hauen) können sie dem Kind dann während eines „akuten“ Wutanfalls anbieten.

Abschließend beruhigt Morin all jene Eltern, die genau diese fünf Sätze schon zu zahllosen Gelegenheiten gesagt haben: „Es ist nie zu spät, seinen Kindern die sozialen und emotionalen Fähigkeiten beizubringen, die sie brauchen, um Erfolg zu haben. Und ein paar einfache Veränderungen in den Erziehungsgewohnheiten können ihnen helfen, ihr größtes Potenzial auszuschöpfen.“

Quellen:
„Want to Raise Mentally Strong Kids? Stop Saying These 5 Things“.
https://www.inc.com/amy-morin/want-to-raise-mentally-strong-kids-stop-saying-these-5-things.html (Abrufdatum: 06.06.2019)

Zhao, Li, et al. (2017): Praising young children for being smart promotes cheating, in: Psychological science.

Zhao, Li, et al. (2018): Telling young children they have a reputation for being smart promotes cheating, in: Developmental science.

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