Schlaue Kinder rechnen mit den Fingern

Verena Elson
Von wegen dumm: Das Rechnen mit den Fingern zeugt von einem guten Gedächtnis, zeigt eine Studie
Von wegen dumm: Das Rechnen mit den Fingern zeugt von einem guten Gedächtnis, zeigt eine Studie © iStock/Imgorthand

Mit den Fingern zu rechnen ist keinesfalls ein Zeichen für Matheschwäche oder gar geringe Intelligenz, zeigen Schweizer Forscher in einer aktuellen Studie. Stattdessen neigen vor allem Kinder mit einem besonders guten Gedächtnis dazu, beim Addieren die Finger zur Hilfe zu nehmen.

Ein Team aus Forschern der Universitäten Genf und Lausanne stellte 84 Kindern im Schulstart-Alter (im Schnitt 6,2 Jahre) einfache Rechenaufgaben und filmte sie beim Rechnen mit einer versteckten Kamera.

Zudem testeten die Wissenschaftler das sogenannte Arbeitsgedächtnis der kleinen Probanden. Das Arbeitsgedächtnis benötigen wir, um Informationen abzuspeichern und gleichzeitig zu manipulieren - diese Fähigkeit ist Voraussetzung, um unsere Umwelt zu verstehen und komplexe Probleme zu lösen.

Die Schweizer Forscher testeten das Arbeitsgedächtnis der Kinder, indem sie sie eine zuvor gehörte Zahlenfolge rückwärts aufsagen ließen. Dabei beobachteten sie: Kinder mit einem besseren Arbeitsgedächtnis neigten eher dazu, mit den Fingern zu rechnen, als Kinder mit einem schlechteren Arbeitsgedächtnis. Zusätzlich erzielten sie auch mehr richtige Ergebnisse.

 

Diese Methode zeugt von einem besonders guten Gedächtnis

Insgesamt nahmen 52 der 84 Kinder beim Rechnen die Finger zur Hilfe. Doch auch unter ihnen gab es Unterschiede: Die Kinder, die ein sehr gutes Arbeitsgedächtnis hatten, verwendeten eine besonders effektive Rechen-Methode: Anstatt beide Summanden komplett mit den Fingern abzuzählen, zählten sie nur den zweiten Summanden ab - bei einer Aufgabe wie 9+3 verwendeten sie also erst ab zehn die Finger (zehn, elf, zwölf).

Die Forscher vermuten, dass ein gutes Arbeitsgedächtnis notwendig ist, um sich diese Strategie selbst auszudenken - das ist ihrer Meinung nach der Grund dafür, dass Kinder mit einem schlechteren Arbeitsgedächtnis sie nicht anwenden. Besonders matheschwache Kinder könnten aber davon profitieren, mit den Fingern zu rechnen, so die Forscher. Sie plädieren darum dafür, alle Schüler zum Fingerrechnen zu ermuntern - und ihnen gezielt die effektive Rechenmethode beizubringen.

 

Die Angewohnheiten der Kinder - oft weniger schädlich, als vermutet

Eltern sollten sich also nicht sorgen, wenn ihr Kind beim Rechnen die Finger zur Hilfe nimmt. Ähnlich ist es mit anderen Angewohnheiten, die Eltern ihren Kindern mit viel Ehrgeiz und wenig Erfolg versuchen abzugewöhnen - zum Beispiel dem Nasebohren und Popel essen. Das hat gleich zwei Vorteile für die Gesundheit des Kindes, wie Studien zeigen: Es schützt die Zähne vor Bakterien und stärkt das Immunsystem. Die Körperabwehr profitiert übrigens auch, wenn Kinder an den Fingernägeln kauen - eine von Eltern ebenso ungern gesehene Angewohnheit der Kleinen.

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